Das Internet – Altneuland…

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Quelle: uschi dreiucker / pixelio.de

Nun ist es also offiziell: Wir Deutschen sind Gäste in der Welt des Internets. Und das ist – nach Aussage unserer Kanzlerin – „für uns alle Neuland“. Und wird es wohl auch auf absehbare Zeit bleiben.

Leider ist es kein sehr gastfreundliches Land. Schon seit der Ankunft werden wir aus dem digitalen Dschungel heraus von unsichtbar verborgenen Eingeborenen misstrauisch beäugt. Noch schießen sie zwar keine Giftpfeile auf uns ab, aber… wer weiß?

Wir sollten uns also in der neuen „Neuen Welt“ nicht so benehmen wie diejenigen Kolonisten, die wir seit den 90er Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts auf eine andere „Neue Welt“ losgelassen haben. Beseelt vom Gedanken ihrer eingebildeten Überlegenheit über die „Wilden“ zerstörten sie deren Kulturen, versklavten und töteten die Menschen und beuteten das Land aus. Von den Millionen Ureinwohnern jenes Kontinents sind heute nur wenige übrig, die ein trauriges Dasein als geduldete Minderheit am Rande der Gesellschaft führen.

Eingedenk dieser Erfahrungen verstehe ich durchaus, dass die Nachfahren der Eroberer heute ganz besonders aufmerksam über ihre virtuelle Welt wachen. Sie können sich vermutlich noch gut daran erinnern, wie ihre Vorfahren mit den ursprünglichen Bewohnern ihres Landes umgegangen sind. Wäre der rote Mann Senor Kolumbus ähnlich unter dem Vorbehalt des Generalverdachtes begegnet wie manche geheimdienstliche Institutionen dem durchschnittlichen Internetuser, dann wären Montezuma und Atahualpa vermutlich friedlich eines natürlichen Todes gestorben.

Etwas besorgt stimmt mich jedoch die etwas alternativlos – resignierende Haltung unserer Kanzlerin. Von der Spitzenvertretung eines Landes, das hochgradig von seinem Ruf als Technologie- und Bildungsstandort abhängt, hätte ich mir etwas mehr erwartet als die Aussage, die uns und unsere Jugend im Endeffekt als digitale Analphabeten abstempelt.

Im Jahre 1902 war es, da erschien in Leipzig ein wahrhaft utopischer Roman namens „Altneuland“. Sein Autor Theodor Herzl formulierte darin die damals utopische Idee eines Landes, in dem die Juden als Staatsbürger in Rechtssicherheit leben könnten. Ihm schwebte vor, dass von dieser Gesellschaft alle – Juden, Christen, Muslime, Europäer und Orientalen gleichermaßen – profitieren sollten. Sicherlich hat sich, historisch bedingt, nicht alles darin als umsetzbar erwiesen, dennoch hat dieser Roman entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft des Staates Israel gehabt.

Wenn man Palästina, damals eine verschlafende Provinz des osmanischen Reiches, damals besuchte, brauchte man schon sehr viel Phantasie, um auf so einen Roman zu kommen. Und nach zweitausend Jahren des Exils rechnete niemand damit, dass es je einen jüdischen Staat geben würde. Doch Theodor Herzl erkannte, dass man einer Herausforderung nur mit Kreativität und Idealismus begegnen kann. Die Enttäuschungen kommen dann schon von selber. Aber man muss das Beste wollen, um das möglichst Beste zu bekommen. Im Gefolge gerade auch dieses Buches sollte ein eigener jüdischer Staat mit demokratischer Ordnung  entstehen.

Worauf ich hinaus will?

Es genügt nicht, sich damit abzufinden, dass wir alle im Internet nur Gäste der Amerikaner sind. Wenn wir nicht eine verschlafene Provinz der virtuellen Welt werden wollen, müssen sich unsere jungen Leute zuhause fühlen. Doch dazu brauchen sie eine Vertretung, die ihre Rechte und ihren Schutz garantieren. Sie brauchen Grundrechte, auf die sie sich berufen können. Es ist eben nicht genug, dass wir alle darauf vertrauen, dass ein ominöser Großer Bruder aus seiner tiefen Weisheit und hohen Moral heraus schon das Beste für sie tun wird. Das Wesen der Demokratie bedarf immer einer Kontrolle der Herrschenden und ihrer Staatsorgane.

Wenn unsere Kinder und Jugendlichen mit einem Gefühl des Misstrauens gegenüber „ihren“ Technologien aufwachsen müssen, werden sie im späteren Leben entscheidende Wettbewerbsnachteile haben.

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