Ein neuer Nachhilfe-Verein…

Ist Nachhilfe zu teuer, muss man wohl oder übel darauf verzichten. Schon öfters haben wir angesprochen, dass es trotz der hohen Nachfrage noch viele Familien gibt, die derartige Angebote schlichtweg nicht wahrnehmen können. Also muss eben doch versucht werden, den Stoff mithilfe von Geschwistern oder den Eltern zu verstehen. Allerdings ist das nicht die einzige Möglichkeit, wie ein schönes Beispiel aus dem Ruhrgebiet zeigt. Hier haben sich ein paar Familien mit Migrationshintergrund zusammengetan und einen eigenen Nachhilfe-Verein gegründet. Dieser wurde in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Elektrogeschäftes eingerichtet und soll den Namen „Oku“ (zu Deutsch: „Lies!“) tragen. Die Gründer, eine marokkanische und mehrere türkische Familien, wollen damit ein Gegenangebot für teure Nachhilfeorganisationen bieten.

„Man muss selbst etwas organisieren“, äußert sich einer der Gründer. Denn leider ist das hohe Angebot an Nachhilfe eben nicht für alle geeignet. Natürlich sind es in erster Linie die Kosten, die abschreckend wirken. Da gerade auch Kinder mit Migrationshintergrund aufgrund von Sprachdefiziten Probleme haben, in der Schule Fuß zu fassen, sind Zusatzstunden fast unabdinglich. Man stelle sich einmal das in der Realität häufig vertretene Szenario vor, bei dem ein 5-jähriger mit seiner Familie nach Deutschland kommt und noch kein Wort unserer Sprache spricht. Dass er dann seinen KlassenkameradInnen klar hinterherhängt, scheint wenig verwunderlich. Nicht zuletzt auch in solchen Fällen soll das Projekt Abhilfe schaffen. Kinder und Jugendliche sollen dadurch die Möglichkeit bekommen, Förderunterricht und Nachhilfe in Anspruch nehmen zu können.

Doch das Angebot beschränkt sich eben gerade nicht nur auf diejenigen, deren Familien aus einem anderen Land stammen. So heißt es in der Satzung, dass das Angebot für alle gelte, die Hilfe für ihre Schulkinder brauchen. Liest man die ersten Zeilen des darüber berichtenden Artikels, so könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass dieses Projekt ein wenig an deutschen Kindern vorbeigehen könnte. Doch das wird umgehend dementiert: Jeder könne davon Gebrauch machen, unabhängig von Religion oder Herkunft; „Der Nachhilfetreff steht jedem offen“, so Ideengeber Murat Dadas. Anliegen der Gründer ist es als nicht nur, SchülerInnen zu helfen, sondern gleichzeitig auch eine Brücke zu besserer Integration zu schaffen. Die Befürchtung, man könne mit dem Nachhilfetreff beabsichtigen, sich zu isolieren, ist also haltlos. Ein starkes Zeichen, das da an die Gesellschaft gesendet wird.

Als Einrichtung wird da wohl eine tolle Sache entstehen. Inhaltlich ist leider noch nicht sehr viel bekannt, sodass Fragen darüber bleiben, wie die konkreten Abläufe sind oder auf welche Art und Weise die entstehenden Kosten getragen werden. Angewiesen ist das Projekt zweifelsohne auf ehrenamtliche MitarbeiterInnen, erst kürzlich wurde darüber berichtet, dass diese gar nicht einmal so selten in Deutschland vertreten sind: jede/r dritte engagiere sich heutzutage unentgeltlich.

Für SchülerInnen ist Oku eine Möglichkeit, in einem ungezwungeneren Rahmen zu lernen.

Dies könnte ihnen auch mehr Spaß machen, also individuell vereinbarte Termine. Ähnlich wie bei einem Sport- oder Musikverein besteht hier die Gelegenheit, gemeinsam Fortschritte zu machen. Auch die Kommunikation zwischen Deutschen und Kindern mit Migrationshintergrund kann da, wie angesprochen, verbessert werden. Je früher diese in Kontakt kommen, desto besser können sie nachhaltig interkulturelle Unterschiede begreifen. Nur so ist es möglich, die eigene Kultur auch kritisch zu hinterfragen. Das könnte doch tatsächlich ein schöner Nebeneffekt des Nachhilfevereins Oku sein. Mal sehen, ob sich noch mehr davon inspirieren lassen.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/nord-west/familien-gruenden-nachhilfe-verein-id7335525.html

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