Eine neue Lernmethode

Um Innovationen zu verbreiten braucht es immer einen Vorreiter. Erziehungswissenschaftler Heinz Klippert eröffnete erst vor kurzem ein Konzept, Unterricht umzugestalten. Diese „Klippert-Methode“ hat nun bereits eine Schule in Heusweiler, Saarland, übernommen. Offensichtlich verspricht man sich dort viel von der Neuerung. Motto des Ganzen ist es, „(selbstständiges) Lernen [zu] lernen“. Wie das im Einzelnen aussieht und inwiefern dieses Konzept womöglich auch zukunftsträchtig sein könnte, soll im Folgenden ein wenig erörtert werden.

Die wohl größte Änderung in dem neuen System ist die Ausweitung einer Unterrichtsstunde von 45 auf 90 Minuten. Nun mögen erste Stimmen bereits laut werden und das (berechtigterweise) kritisieren. Allerdings werde der Frontalunterricht stark zurückgefahren. Es steht also die Autonomie der Lernenden im Vordergrund, die durch eigenes Erfahren lernen sollen. Hier greift Klipperts Spiralprinzip, bei dem man sich langsam an die schweren Stoffeinheiten annähert, indem man zunächst mit leichteren Inhalten beginnt. Das Ganze soll dann einerseits selbstständig, andererseits in Kooperation mit anderen Lernenden erarbeitet werden. Ein weiterer Effekt, der damit erzielt werden soll, ist, dass so nun schwächere SchülerInnen von den Besseren lernen können. Umgekehrt sollten auch die Erklärenden dadurch besser verstehen. Dies sei insofern vonnöten, so Schulleiter Geiser, als das Einführen der Gemeinschaftsschulen eine sehr heterogene Schülerschaft bedinge, die Bildungsniveaus der Kinder seien also sehr unterschiedlich. Er vergleicht die Klippert-Methode mit einem Bohrer, der immer tiefer in die Materie eindringt. Die entscheidende Neuerung dabei ist, dass der Weg dorthin eben in erster Linie durch die SchülerInnen zurückgelegt und daher auch besser verstanden werden kann.

Natürlich bleibt da auch viel Raum für Individualität. So gibt es ja die verschiedensten Lerntypen, beispielsweise jene, die visuell besser lernen, andere wiederum brauchen eher auditiven Input. Den vielen verschiedenen Lerntypen gerecht zu werden ist seit jeher eine der größten Herausforderung der Bildung. Auch durch die steigenden Klassengrößen wird dem nicht entgegengewirkt. Auch hierfür bemühte sich Klippert um eine Lösung. Durch seine Methode könnten viele verschiedene Lerntypen erreicht werden. Des weiteren sieht Geiser Vorteile darin, dass „[…] die Schüler ihr Wissen nicht mehr konsumieren, sondern in methodischer Vielfalt selbst erwerben“. Darüber hinaus würden sowohl die Nachhaltigkeit des Lernens, als auch die Sozialkompetenz der Kinder bestärkt.

Auch die Integrierung in den Unterrichtsalltag scheint reibungslos zu funktionieren: am Lehrplan ändere sich nichts, auch die Zweiteilung der SchülerInnen in zwei Leistungsstufen im Laufe der Schulkarriere bleibe wie bei anderen Gemeinschaftsschule erhalten.

Wie bei jeder Innovation lassen auch hier Gegenstimmen nicht lange auf sich warten. Kritiker stellen in Frage, ob damit nicht der Lerninhalt an Bedeutung verliere, bzw. inwieweit das ‚Trainieren’ von Lernmethoden überhaupt möglich sei. Doch auf der anderen Seite ist das eigentlich keine Neuerung. Schon in herkömmlichen Unterrichtsmethoden wurde LehrerInnen bei ihrer Ausbildung mit auf den Weg gegeben, SchülerInnen mit Lernstrategien auszustatten und sie zu einem autonomen Lernen zu erziehen.

Selbstredend kann man nie behaupten, die perfekte Lehr-/Lernmethode gefunden zu haben. Klipperts Ansatz scheint aber durchaus gut anzukommen und wirkt zunächst einmal vielversprechend. Inwiefern auch weitere Schulen für diese Reform sein werden, bleibt zunächst noch abzuwarten. Die Frage, die sich bei näherem Beschäftigen mit seiner Methode aufdrängt, bleibt wohl: „Warum eigentlich nicht?“

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/saarbruecken/Wenn-Schueler-auch-das-Lernen-lernen;art2806,4526859#.UMhVo6z4KSo

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