G8 ist unbeliebt

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Quelle:Christian Steiner / pixelio.de

 

Eine aktuelle Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ für die aktuelle Wochenendausgabe zeigt, dass das achtstufige Gymnasium bei den Eltern weiterhin unbeliebt ist. Und obendrein bringt der Vergleich mit Baden-Württemberg zutage: Wo immer die Wahl zwischen G8 und G9 besteht, entscheiden sich die Eltern künftiger Gymnasiasten fürs G9.

Das dürfte eine schwierige Situation für Bayerns Regierung werden: Denn ablassen kann man vom G8 nicht, hat man den Wechsel seinerzeit doch besonders aktiv betrieben. Aus Gründen der Raison d´état kann man also nun nicht gut einfach umschwenken und Fehler einräumen. Vor allem nicht so kurz vor der Wahl.

Auf der anderen Seite käme nun aber auch die Einführung eines parallel dazu laufenden neunstufigen Gymnasiums einem politischen Supergau gleich. Denn wenn man die  Möglichkeit der Wahl schafft, will ohnehin niemand seine Kinder ins G8 schicken.

Da könnte man es genauso gut gleich abschaffen.

Doch lassen Sie uns einmal genauer hinschauen: Welche Gründe werden von Eltern und Schülern für die Entscheidung fürs G9 angeführt?

Wieder einmal an vorderster Stelle ist es der Sport. Wer jeden Tag Tennis spielt, hat natürlich wenig Zeit zum Lernen. Aber ehrlich gesagt: Als ich in den 80er Jahren auf dem Gymnasium war, gab es auch nur sehr wenige Schüler, die mehr als einen oder zwei Abende pro Woche Zeit für ihr Hobby hatten. Der aktuelle Trend, vor allem sportliche Aktivitäten derart hoch zu bewerten, dass ihnen die Schule sogar untergeordnet wird, ist besorgniserregend und, reden wir Tacheles, nicht normal.

Natürlich brauchen Kinder und Jugendliche Freiräume, um sich auch außerhalb des Bereichs  Schule zu entwickeln. Sie müssen auch im Zusammenspiel mit ihren Altersgenossen die soziale Reife erlangen, die sie später im Leben als Erwachsene brauchen werden.

Davon rede ich nicht.

Aber vermehrt stelle ich in den letzten Jahren fest, dass SchülerInnen trotz Erstellung von Lernplänen und festem Lernpensum nicht gewillt oder fähig sind, etwas für ihre Schule zu machen, weil sie von ihren bis zum Exzess betriebenen Freizeitaktivitäten derart in Beschlag genommen werden. Besorgnis erregend ist auch die Reaktion auf meine wiederholten Appelle an ihre Vernunft: Regelmäßig enden solche Diskussionen mit verstocktem Blick auf den Boden und einer Art Wachkoma, in dem sie meine Argumente einfach über sich ergehen lassen wie ein Unwetter, ohne sie wirklich zu hören. Die Eltern der betreffenden SchülerInnen berichten übrigens dasselbe.

Allerdings stellt sich auch schnell der Grund dafür heraus: Kaum jemand ist bereit, die zu Gebote stehenden elterlichen Sanktionsmöglichkeiten anzugreifen. Wenn der Heranwachsende nicht von selber will – wozu er oft aufgrund seiner mangelnden Reife nicht in der Lage ist – lassen ihn die Erziehungsberechtigten einfach gewähren.

Und was hat das Kind dann mal wieder gelernt? Eben, gelegentliche Vorträge einfach aussitzen und dann weitermachen wie bisher.

Umgekehrt mache ich ebenso die Erfahrung, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die im G8 prima zurechtkommen. Das sind diejenigen SchülerInnen, bei denen die Freizeitaktivitäten auf ein normales Maß beschränkt sind und bei denen Schule an erster Stelle steht.

Die anderen werden meines Erachtens auch im G9 Probleme haben.

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