Gestresste LehrerInnen

Dass der Lehrerberuf kein leichter ist, ist wohl weitreichend bekannt. Dennoch brechen die Zahlen jener nicht ab, die sich für ein Studium entscheiden, um später einmal unterrichten zu können. Überwiegen da die vielen positiven Aspekte des Lehrens? Die Motivationen gehen da in der Tat in die verschiedensten Richtungen. Allerdings beklagen Lehrkräfte oft die hohe Belastung, der sie ausgesetzt seien. Nicht zuletzt haben sie auch mit Mobbing zu kämpfen und das nicht nur seitens der SchülerInnen. So hat eine Studie nun ergeben, dass sich jede sechste Lehrkraft gemobbt fühlt. Dabei seien es gar nicht so sehr die Lernenden, die die Pädagogen fürchteten, sondern eher die Eltern und auch Kollegen.

 

Eigentlich sind Lehrkräfte ja unantastbare Autoritätsinstanzen. Doch dieses Bild scheint sich in den letzten Jahrzehnten stark relativiert zu haben. Es scheint als sinke die Hemmschwelle, den eigenen Unmut gegenüber der Pädagogen loszuwerden. Ältere Generationen bekunden, deren Lehrkräften stets mit Achtung und Respekt begegnet zu sein. Wie ist das heute? Wirft man einmal meinen Blick in die Klassenzimmer oder auf die Pausenhöfe, ist man erschreckt, wie SchülerInnen ihnen nun begegnen. Womöglich ist es die sinkende Angst davor, bestraft zu werden. Vielleicht aber auch das Bewusstsein, in einer Klassengemeinschaft viel Rückendeckung zu haben. Nicht zu vergessen sind auch die Denunziationen, die anonym über das Internet verbreitet werden, die sicherlich auch einen Teil zu dem relativierten Stellenwert von Lehrenden beigetragen haben.

 

Doch wie bereits erwähnt, sind nicht nur SchülerInnen Mobbingtäter. Auch Kollegen und Eltern seien mitverantwortlich für das Unwohlsein der Lehrkräfte, vor allem aber auch deren Chefs. Ein Experte sieht das Problem darin, dass in einer Schule viele Generationen aufeinandertreffen und versuchen, sich einzumischen. Besonders natürlich, wenn ein gewisser Erfolg seitens der SchülerInnen ausbleibt. Dies führe also zu Konfliktpotential: „In welchem Betrieb rufen sonst regelmäßig Außenstehende an, um sich über einen bestimmten Mitarbeiter zu beschweren?“ Da erscheint so einfach wie beim Fußball: läuft es bei einer Mannschaft nicht mehr recht, ist zunächst der Trainer in der Schusslinie, nicht zuletzt auch deshalb, weil er am einfachsten zu ersetzen ist. Kann man das auf die Pädagogen in der Schule analog übertragen?

 

Eine erste Auswertung der erst kürzlich aufgestellten Studie bringt interessante Erkenntnisse. Entgegen der weiter oben angeführten These, dass das Internet eine tragende Rolle spielen könnte, bestätigte dies nur ein kleiner Teil der befragten Pädagogen. Mobbing über das Internet sei also weniger wichtig – im Gegensatz aber zu Mobbing unter SchülerInnen.

 

Auch die Ausprägung des Mobbings haben die Lehrenden unterschiedlich eingestuft: „sie fühlten sich von jemand anderem schlecht behandelt (rund 54 Prozent), unter Druck gesetzt (rund 54 Prozent), ignoriert (rund 47 Prozent), ausgegrenzt (rund 47 Prozent), kritisiert (rund 45 Prozent) oder benachteiligt (rund 40 Prozent)“. Besonders hervorgehoben werden da die SchulleiterInnen (rund 54 Prozent), eigene SchülerInnen allerdings mobbten da eher seltener (rund 16 Prozent).

 

Natürlich sind derartige Umfragen nur ein Meinungsbild und nicht flächendeckend zu sehen. Sie geben aber einen Einblick in die Alltagshürden einer Lehrkraft. Womöglich fehlt unserer Gesellschaft ein wenig das Verständnis, da nicht selten von „faulen Arbeitnehmern“ geredet, oder eher herablassend auf sie geblickt wird. Sicherlich spielen da die Vorteile eine Rolle, die Lehrkräfte (zu) haben (scheinen), wie lange Ferien, kurze Arbeitstage, usw. Dass dies klar überdacht werden und nicht einfach so stehen gelassen werden sollte, bedarf keiner weiteren Bemerkung, wie nicht zuletzt auch ein Blick auf derartige Studien zeigt.

 

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-jeder-sechste-lehrer-fuehlt-sich-gemobbt-a-866808.html

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