Gruppennachhilfe wirklich besser?

Corinna

Wie ich einem am ersten Mai im Freisinger Forum veröffentlichten Artikel entnehmen konnte, macht ein Mitbewerber  nun Werbung mit einer Studie, derzufolge Gruppennachhilfe angeblich viel besser ist als Einzelnachhilfe.

Leider wurde in dem Beitrag keine überprüfbare Quelle angegeben, sodass es mir nicht möglich war, diese Veröffentlichung selbst auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Daher muss ich mich auf das Offensichtliche stützen.

Bei unserem Abacus-Modell der Einzelnachhilfe, so der Text, würden die SchülerInnen nur überfordert. In der Gruppe dagegen könnten sich die Kinder viel besser auf den Stoff einstellen, das Gelernte sich setzen und hätten viel mehr Ruhe.

Das ist eine nette Umschreibung dafür, dass Sie Ihr Kind gegebenenfalls in eine Lerngruppe stecken, in der es mit Schülern mit zum Teil ganz anderen Problemfächern sitzt, und in der der / die LehrerIn sich nicht persönlich auf seine Probleme einstellen kann.

Darüber hinaus wage ich doch zu bezweifeln, ob in einer Gruppe, die aus Kindern und Jugendlichen besteht, genügend Ruhe und Muße herrscht, dass die Schüler das Erlernte reflektieren und erlernten Stoff sich setzen lassen können. So ungefähr nämlich war das in dem genannten Artikel zu lesen.

Woher nehmen die Verfasser dieser Studie die Sicht, uns Einzelnachhilfelehrern eine Überforderung der Kinder zu unterstellen? Gerade im Frontalunterricht kann sich der Lehrer auch auf etwaige Schwankungen in der Tagesverfassung einstellen. Ich persönlich habe schon Unterrichtsstunden auf eigene Kosten abgebrochen und nachgeholt, wenn meine Schüler in allzu schlechter Verfassung waren. Die Anfahrt und die angefangene Stunde wurden nicht in Rechnung gestellt. Vermutlich wird jeder Lehrer so handeln, der einen Schüler besser kennt.

Zumindest aber wird sich ein Nachhilfelehrer auf die Tagesform des Schülers einstellen, indem er den Lernstoff der Stunde dieser anpasst. Ob die geschätzten Kollegen in der Gruppennachhilfe auch dazu in der Lage sind? Ich wage zu bezweifeln, dass sie in einer Gruppenstunde Schwankungen in der Leistungsfähigkeit ihrer Schüler überhaupt bemerken, geschweige denn ihr Konzept darauf einstellen können.

Ein weiterer Punkt ist das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler. Für viele unserer Schüler sind wir nicht nur Lehrer, sondern auch Ansprechpartner bei persönlichen Problemen. Ich denke nicht, dass ein Schüler in einer Gruppe davon sprechen wird, dass er in der Schule von den Klassenkameraden gemobbt wird. Umso weniger, wenn eventuell noch der ein oder andere mobbende Klassenkamerad in derselben Gruppe sitzt. Manchmal sind wir Nachhilfelehrer die ersten, die von solchen Problemen erfahren.

Es sind oft genug die alltäglichen, menschlichen Probleme, deretwegen ein Schüler Schwierigkeiten in der Schule hat. Die wird es aber nicht in der Gruppe diskutieren.

Ob den Verfassern der betreffenden Studie solche Faktoren bewusst waren?

Wahrscheinlich waren sie ihnen aber einfach nur egal. Geht man von der Effizienz aus, ist eine Gruppe oft die teuerste Variante. Denn um Vergleichen zu können, müsste man ja auch die Kosten des Unterrichts mit der Anzahl der Schüler in der Gruppe multiplizieren. Denn der einzelne Schüler bekommt eben selten mehr als 20% der Aufmerksamkeit seiner NachhilfelehrerIn.

Vielleicht sollten die geschätzten Kollegen erst mal Nachhilfe nehmen, ehe sie Studien veröffentlichen.

Herzlichst, Ihr Abacus Team/heute, Nachhilfelehrer/Dr. M. Fritz!

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