Keine schlechte Idee…

415845_web_R_B_by_Dieter Schütz_pixelio.deEine Frage vorweg: Würden Sie Ihr Haustier im Urlaub bei einem erklärten Tierfeind unterbringen?

Würden Sie Ihr Auto zu einem erklärten Autogegner zur Reparatur bringen?

Nein?

Aber Ihr Kind Leuten anvertrauen, die gar keine Kinder mögen, das würden Sie schon!

Zumindest stehen die Chancen dafür nicht schlecht, wenn Sie es auf eine deutsche Schule schicken.

Wie?

Das haben Sie nicht gewusst?

Aber das macht doch nichts! Denn die meisten Lehrer werden gar nicht danach gefragt, ehe sie zum Lehramtsstudium zugelassen werden! Was wohl bedeutet: Kinder und Jugendliche zu mögen und ihnen gerne etwas beizubringen, ist keine notwendige Voraussetzung für den Lehrerberuf…

Und so ist es eine ebenso lobenswerte wie beunruhigend einzigartige Ausnahme in Bayern, dass die Universität Passau für angehende Lehramtsstudenten einen Bewerbungsparcour anbietet, an dem nicht wenige Aspiranten scheitern (Nachzulesen in der Süddeutschen Zeitung).

Ziel dieser Maßnahme ist es, zukünftige Lehrer auf Herz und Nieren zu prüfen, ob ihre Motive für die Wahl des Studienfaches die richtigen sind.

Denn leider werden viel zu viele junge Leute Lehrer, weil sie auf die Verbeamtung, den heimlichen Traum des deutschen Mittelstandbürgers, hinarbeiten, oder weil ihnen mangels Interessen kein besseres Studium eingefallen ist.

Und von dieser Klientel ist jeder einer zu viel in einem Beruf, der eigentlich wie kein zweiter Hingabe an das Fach und Freude am Unterrichten erfordert.

Wie viele meiner Leser hier haben nicht schon selbst mit überforderten, weltfremden oder einfach nur schlechten Pädagogen zu tun gehabt? Wohl jeder kennt da so einen oder mehrere Fälle. Traurig genug!

Denn unser an Bodenschätzen armes Land mit seiner schrumpfenden Bevölkerung hat eine wichtige Ressource: Die Bildung unserer Jugend. Nur mit qualifizierten, gut ausgebildeten Fachleuten können die Folgen des demoskopischen Wandels und der Druck globaler Konkurrenz ausgeglichen werden.

Und solche Leute kriegt man nun mal nicht, indem man inkompetente, desinteressierte Stümper mit ihrer Ausbildung betraut.

Damit wir uns richtig verstehen: Hier soll nicht in den allgemeinen Chor der Lehrerbeschimpfung eingestimmt werden. Noch will ich mich dem weit verbreiteten Lehrerbashing anschließen.

Die vielen engagierten, begeisterten Pädagogen in unserem Schulsystem sind nicht gemeint.

Aber wenn der in dem Artikel in der „Süddeutschen“ zitierte Professor für Schulpädagogik, Norbert Seibert, recht hat, sind bis zu 40 Prozent der Lehrer nicht für ihren Beruf geeignet.

Stellen Sie sich vor, wie unsere Wirtschaft dastehen würde, wenn 40 % der Angestellten in den Autowerken ihren Beruf verfehlt hätten! Das Label „Made in Germany“ stünde wohl kaum für Qualität.

Wie viel weniger darf so etwas also bei dem Berufsstand der Fall sein, dem wir unsere Jugend zur Erziehung anvertrauen.

Und so erscheint es mir wünschenswert, wenn das bisher freiwillige Verfahren der Uni Passau an allen Universitäten des Landes für die angehenden Lehramtsstudenten verbindlich würde.

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