Kinder unerwünscht…

Als der Autor dieses Blogbeitrages in den 70er Jahren in einem kleinen bayerischen Dorf aufwuchs, galten für Kinder noch ganz andere Regeln als heute. Beispielsweise wäre es unsereiner damals nicht eingefallen, sich einem Erwachsenen gegenüber respektlos zu zeigen oder ihn gar anzugreifen – was heutzutage ja nicht mehr unbedingt selten vorkommt.
Dafür fühlte sich aber auch jedermann im Dorf für die Belange der Kinder zuständig, wenn Not am Mann bzw. der Frau war. Und niemandem wäre es eingefallen, Kinder als lästig zu bezeichnen. Und es wäre niemandem in den Sinn gekommen, einem Mieter zu kündigen, weil seine Kinder unerwünscht sind. Solches ist jetzt beispielsweise einem Mann in München passiert – und, halten Sie sich fest: Seine Kinder lebten noch nicht einmal dauernd bei ihm, sondern besuchten ihren Vater nur ab und an.
Wie ich meine, ist diese Situation symptomatisch für unsere Zeit. Kinder gelten als Armutsrisiko, Nervensägen, Kündigungsfaktor… eigentlich kein Wunder, dass unser Land seit Jahren weltweit unter den ersten Plätzen in der Rangliste überalternder Gesellschaften steht. Kaum jemand bekommt noch Kinder, weil sie eigentlich nicht gern gesehen sind. Darüber können auch verlogene Lippenbekenntnisse der herrschenden Kaste nichts ändern. Auch eine Herdprämie von 150 Euro ändert nichts an der Tatsache, dass eine systematische Diskriminierung von Familien mit Kindern stattfindet. Nach neuesten Erkenntnissen hapert es z.B. im Berufsleben immer noch an einer Kultur, die junge Eltern unterstützt. Und das auch bei Firmen, die sich nach außen gerne als familienfreundlich darstellen.
Aber ehe Sie jetzt zustimmend mit dem Kopf nicken und nach einem offiziellen Programm rufen: das Problem sind wir alle. Denn was sich seit den Tagen meiner Jugend grundlegend verändert hat, ist die Frage der Verantwortung. Selbst Eltern hört man heute die meiste Zeit über nur nach einem Zuständigen suchen, an den man die Probleme des Nachwuchses outsourcen kann. Und leider höre ich oft genug, dass man recht froh ist, den lästigen Nachwuchs mal eine Zeit lang vom Hals zu haben. Ein ganzes Heer von Ergo-, Logo- und sonstigen Therapeuten lebt davon. Wenn es aber für alles einen Fachmann gibt, fühlt sich am Ende eigentlich niemand mehr zuständig für das Wohl der Kleinen. Gerade in der Anonymität einer Großstadt lässt sich das gut beobachten. Selbst die Erzeuger fühlen sich heute nicht mehr voll in die Pflicht genommen; Damit ist man letztendlich Erziehungsberechtigter nur noch im Nebenjob. Und das gilt nicht nur für berufstätige Mütter, die vielleicht gar nicht anders können als zu arbeiten. Nein, auch die so genannten Cappuccino-Muttis halten es so. Bleibt halt mehr Zeit fürs Yoga, zum Kaffeetrinken mit Freundinnen und zur Selbstverwirklichung.
Und ich gebe zu: Was am Ende manchmal so rauskommt bei den Kleinen, trägt nicht gerade dazu bei, sie süß und nett zu finden. Aber das kann man nicht den Kindern ankreiden. Die sind übrigens dann am glücklichsten, wenn sich mal jemand Zeit für sie nimmt und nicht dauernd nur in gestresstem Ton mit ihnen spricht. Es muss also nicht die obligatorische Dauerbespaßung sein: Noch so eine Unsitte, die sich im Umgang mit Kindern eingebürgert hat. Wenn sich alle Erwachsenen, mit denen ich zu tun habe, nur noch wie Clowns benehmen, werde ich sie dann noch ernst nehmen? Das erklärt vielleicht ganz gut so manche Respektlosigkeit von Jugendlichen gegenüber erwachsenen Menschen.
Wie kriegt man die Sprösslinge also ruhig?
Hand aufs Herz: ein nicht unbeträchtlicher Teil von Ihnen hat jetzt spontan wahlweise an Yoga für Kinder oder eine Therapie gedacht!
Nein, ich denke, geduldige und liebevolle Zuwendung – primär seitens der eigenen Verwandtschaft übrigens! – ist viel wichtiger und kuriert viele kleine Unzulänglichkeiten. Es muss nicht immer gleich der Therapeut sein, der als eine Art „Reparaturservice“ das nicht „funktionierende Spielzeug“ Kind wieder „richtet“. Nein, mal ruhig kleine „Mängel“ hinnehmen… aber dafür nicht dauernd genervt sein! Unnachgiebig sollte man sich jedoch gegenüber Respektlosigkeit und Unhöflichkeit zeigen. Es schadet dem Nachwuchs sicher nicht, wenn man darauf besteht, dass er sich bei den Großeltern für das Geschenk zu Weihnachten bedankt – auch wenn er keine Lust dazu hat. Oder wenn man ihn „zwingt“, den Nachbarn oder andere Leute, die er täglich sieht, zu grüßen.
Und noch was: Kinder werden nicht quengeln oder sich ständig in Gespräche der Erwachsenen einmischen, wenn sie feste Zeiten haben, in denen Mama und Papa für sie da sind. Wenn sie sich ständig abgeschoben fühlen, werden sie natürlich bei jeder Gelegenheit auf sich aufmerksam machen wollen.
Wohlerzogene Kinder sind niemandem lästig. Und vielleicht klappt´s ja dann auch wieder mit den Nachbarn…

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

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