Kleiner Leitfaden zum Lernen

Da mich immer wieder Hilferufe verzweifelter Eltern erreichen: Hier mal wieder ein paar Ratschläge zum richtigen Lernen.

Leider stellt es sich jedoch immer wieder heraus, dass diese nicht umgesetzt werden. Meist liegt es daran, dass meine Ratschläge bei den Kindern und Jugendlichen nicht so gut ankommen. Nun, in dem Fall sollten Sie sich überlegen, dass Sie schließlich auch nicht zum Arzt gehen und danach all seine Verordnungen geflissentlich ignorieren. Wenn der Doktor Ihnen sagt, Ihr Kind solle im Falle einer eitrigen Bronchitis pro Tag zweimal Antibiotika nehmen, werden Sie sich daran halten. Auch, wenn das Kind stattdessen lieber eine oder drei Tabletten nehmen möchte, wüssten Sie, dass Sie den Anweisungen des Arztes Folge zu leisten haben. Sonst dürften Sie sich über ausbleibende Erfolge bzw. über Nebenwirkungen nicht wundern. Genau so sollten Sie es auch mit den Ratschlägen des Nachhilfelehrers halten. Dass man ins Gehirn nicht reinschauen kann, heißt nicht, dass dort keine nachweisbaren Reaktionen stattfinden.

Nach diesem kleinen mahnenden Vorwort will ich also beginnen; Da ich aus bitterer Erfahrung aber weiß, dass sich die Hälfte von Ihnen trotzdem nicht daran halten wird, werde ich weitgehend mit Begründungen arbeiten.

Zuerst einmal ist es wichtig, mit dem Sprössling einen festen Lernplan aufzustellen. Diesem ist unbedingt Folge zu leisten. Dieser ist übrigens nur so viel wert, wie er kontrolliert wird.  Ich weiß, ich weiß… Ihr Kind ist seinem Alter weit voraus, und es sieht selber ein, dass es was tun muss, und es kann sich seine Zeit selber einteilen, und außerdem haben Sie ihm erklärt, dass es nicht für Sie lernt sondern für sich selbst… MUMPITZ!

Bis zum Alter von etwa 15 Jahren lernt Ihr Kind für Sie oder eine beliebige andere Bezugsperson (im letzteren Fall werden  Sie im Leben Ihres Kindes allerdings niemals eine wichtige Rolle spielen). Appelle an seine Vernunft halten vielleicht zwei Wochen vor, danach kehrt es zum gewohnten Schlendrian zurück. Finden Sie sich damit ab, Mutter oder Vater sein bedeutet mehr als nur Vorwürfe und Ermahnungen. Gegen die Regeln der Entwicklung von Reifeprozessen kommen Sie nicht an. Also geben Sie ihrem Kind, was es braucht: Es wird zwar motzen, Ihre Zuwendung (denn genau das ist elterliche Kontrolle der Lernzeiten!) aber zu schätzen wissen. Irgendwann jedenfalls.

Übrigens: feste Lernzeiten bedeuten für Sie, dass Sie nicht jeden Tag erneut mit dem Nachwuchs rumdiskutieren müssen, wann er sich denn endlich zum Lernen hinsetzt. Er wird das nämlich verschieben, verschieben, verschieben… und am Ende gar nichts mehr machen, weil er ja so müde ist! Und weil ja morgen sowieso der erste Tag vom neuen Leben anfängt… alles Argumente, die man von hartnäckigen Rauchern so gut wie von Schülern kennt. In letzter Zeit hat man viel lesen können vom wachsenden Problem der „Aufschieberitis“ bei Studenten und anderen jungen Erwachsenen. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum dieses Syndrom in den letzten Jahren so um sich greift?

Also: Dieser Punkt ist nicht verhandelbar!

Zweitens: Die reine Lernzeit pro Woche sollte MINDESTENS dem Lebensalter des Kindes in Stunden entsprechen. Reine Lernzeit bedeutet: Hausaufgaben werden extra gerechnet. Klingt hart? Ihr Kind hat ja viel zu wenig Zeit für sich selbst? Dann sollten Sie vielleicht ernsthaft daran denken, eines seiner fünf Hobbies zu streichen. Außerschulische Aktivitäten sind nett, aber später fragt kein Mensch mehr danach. Und sie nutzen gar nichts, weil bei Bewerbungen in erster Linie auf Noten geschaut wird. Misstrauen Sie allen Beiträgen der Netz-Journaille, die etwas anderes behauptet. Der Verfasser kennt genügend Lehrherren, Personalchefs etc, die noch nie in ihrer Karriere einen Azubi eingestellt haben, weil er etwa die Shamisen spielte oder ein besonders toller Sportler war. Hingegen achten sie auf Schlüsselnoten wie Mathe, Deutsch, Fremdsprachen etc. … ja, ich weiß, in einer besseren Welt würden auch die musischen Qualifikationen mehr beachtet. Aber die Regeln unserer Welt werden von Leuten

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