Nachhilfe nur für Reiche?

Wird ein Kind eingeschult, so sind stets die Hoffnungen auf eine vielversprechende Schullaufbahn groß. Gerade Eltern träumen davon, in vier Jahren den Übertritt aufs Gymnasium gemeinsam feiern zu können. Oder ist schon vor der Einschulung Vieles entschieden? Oftmals entscheidet nämlich die finanzielle Situation der Eltern über den weiteren Werdegang. Da helfen auch Bildungspakete nicht, die vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Dabei werden doch die Rufe nach Bildungsgleichheit immer lauter.

Sicherlich ist es gut, wenn einkommensschwächere Familien durch den Staat unterstützt werden und Anspruch auf finanzielle Hilfe haben. Allerdings ist auch beim Bildungspaket nicht alles Gold, was glänzt: nur drei Monate wird die Förderung aufrechterhalten, viele Anträge werden gar nicht erst bewilligt. Dann bleibt auch die Frage, ob innerhalb so kurzer Zeit ein schulischer Erfolg erreicht werden kann – und das nachhaltig. Also müssen die Eltern in die eigene Tasche greifen, was dazu führt, dass deren Kinder so gut wie gar keine zusätzliche Hilfe bekommen, anders als bei einkommensstarken Familien. Leider ist das bittere Realität und ebenso ratlos, wie man vor diesem Problem steht, bleibt man bei der Findung eines möglichen Auswegs aus dieser Lage. Ein Bericht der Sendung Monitor bringt Licht in das aktuelle  “Bildungspaket”:

 

 

Die Zahlen sprechen klar für sich: Nachhilfe boomt. 1,5 Milliarden Euro werden dafür jährlich von Eltern aufgebracht. 45% der Gymnasiasten nehmen diese in Anspruch, sowie 20% der Realschüler und bereits jeder sechste Grundschüler ist angewiesen auf Zusatzstunden (www.sz-online.de/Nachrichten/Chemnitz/Bildungspaket_in_der_Kritik_Kaum_genutzt_nicht_gerecht/articleid-3057586). Der größte Teil dieser Summe wird  jedoch im Rahmen von Schwarzarbeit generiert. Was in dieser Statistik nun nicht enthalten ist, sind diejenigen, die Nachhilfe eigentlich bräuchten, die Mittel hierfür aber einfach nicht vorhanden sind. Wie soll man das auch messen? Also bleibt die logische Folge: die Leistungen sacken ab, der Übertritt aufs Gymnasium wird nicht erreicht und dass dieser ein paar Jahre später ein Ding der Unmöglichkeit ist, ist wohl jedem bewusst. Zu sehr gehen die Leistungsniveaus der einzelnen Schularten auseinander, als dass man den gesamten Stoff innerhalb von sechs Wochen aufholen könnte. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen SchülerInnen diesen Sprung gemeistert haben.

Wenn Nachhilfe für manche Familien zu teuer ist, wie kann diesen dann unter die Arme gegriffen werden? Zuschüsse sind zwar ein Mittel, das helfen kann, doch wie eingangs festgestellt, werden diese, wenn sie denn einmal genehmigt sind, auch nur über einen begrenzten Zeitraum hinweg ausgeschüttet. Und dann kommt leider noch die folgende Erfahrung: was Eltern nichts kostet – ist ihnen auch nichts wert.

Daher sollte Nachhilfe nicht zur Normalität werden, so fordern es Experten. Idealtypisch sollten die Lernenden den Schulalltag auch ohne externe Hilfe meistern können, auch wenn natürlich nicht in jedem Fach eine berauschende Note Voraussetzung sein soll. Wie aber soll das gehen, wenn bereits in der Grundschule erste Defizite entstehen, die nicht so ohne Weiteres ausgemerzt werden können? Eltern sind hier angehalten, diese frühzeitig zu erkennen. Ohne den Austausch mit den betreffenden Lehrkräften ist dies allerdings effektiv kaum möglich. Es ist wichtig, gezielt auf die Stärken und Schwächen des Kindes einzugehen. Denn gerade in der Grundschulzeit können Eltern noch als Nachhilfelehrer funktionieren. Ab einer gewissen Jahrgangsstufe wird der Stoff so spezifisch, dass sie das nötige Wissen schlichtweg nicht mehr haben. Daher sollten sie sich besonders in den ersten vier Schuljahren stärker um das Kind kümmern. Ziel soll es doch sein, auf die weiteren Schulformen vorzubereiten. Das mag gerade bei größeren Familien schwierig sein, kann im späteren Lebensweg aber Nerven schonen – so wie auch den Geldbeutel.

Ein gutes Fundament kann viel bewirken. Sicherlich liegt das Problem des hohen Nachhilfebedarfs nicht einzig und allein in der Grundschule, leider gibt es nun einmal in Deutschland eine größere soziale Schere, als wir es wahrnehmen mögen. Und die Herkunft, sowie der Status bildungsnah/bildungsfern,  entscheidet statistisch gesehen eben immer noch in großem Maße, wo der Weg eines Sprösslings hinführt – leider.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

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