Letzter Ausgang Referat…

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Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Nun, da sich das Schuljahr unaufhörlich seinem Ende zuneigt, hört man immer wieder Verzweiflung aus den Statements der SchülerInnen. Die Noten stehen nun fest, und so manche Milchmädchenrechnung stellt sich als das heraus, was sie ist: Eine Milchmädchenrechnung eben.

 

Und siehe, „es wird sein ein Heulen und ein Zähneklappern“… muss aber nicht.

Jedenfalls nicht in allen Fällen.

Oft kann man noch ein wenig an der Note schrauben, und mit ein wenig persönlichem Einsatz kann man durchaus was rausreißen.

Wie aber dies, wenn vielleicht schon alle Schulaufgaben geschrieben sind?

Die Lösung ist ein Referat.

Dieses anzupeilen erfordert vom beteiligten Schüler allerdings den unbedingten Willen dazu, sich ein wenig Mühe zu geben. Schließlich soll ja ein sichtlicher Ausgleich zur bisherigen Untätigkeit und dem Mangel an Fleiß gezeigt werden, um dem Lehrer etwas zu beweisen. Nämlich, dass es sich lohnt, den Schüler doch noch eine Klasse weiter vorrücken zu lassen.

Nun ist das Verfertigen eines Referates durchaus ein Grund dazu. Schließlich muss sich Tochter bzw. Sohn dazu erst mal mühsam in ein Thema einarbeiten, dann reflektieren, was davon sie bzw. er in der vorgegebenen Zeitspanne vorstellen will, muss abwägen, werten, was wichtiger ist und was weniger wichtig… kurz gesagt: Es sollte im Idealfall eine kleine wissenschaftliche Arbeit werden, immer gemessen natürlich am Alter der oder des Vortragenden.

Dabei ist es durchaus vonnöten, wenn Eltern, Großeltern und Nachhilfelehrer ein wenig zusammenarbeiten und die ersten Schritte des angehenden Dozenten in die richtigen Bahnen lenken: Aller Anfang ist schließlich schwer, und man muss erst mal lernen, mit dieser Aufgabe umzugehen. Man kann dem Nachwuchs also mit der Recherche helfen, mit ihm zusammen eine Gliederung entwerfen und ihn das ein oder andere durch kritisches Hinterfragen in den Vortrag hineinholen oder herauskürzen lassen.

Es sollte allerdings nicht so gehen wie bei einem bereits erwachsenen Schüler, den ich vor ein paar Jahren einmal hatte. Als ich ihn am Vortag des Referates bat, mir seine Gliederung zu zeigen, fragte er mich kurz: „Hast Du heute länger Zeit?“. Leider bedeutete das nicht, dass er eine so umfangreiche Arbeit verfasst hatte, dass er sie mir in eineinhalb Stunden nicht ganz vortragen konnte. Er hatte gar nichts verfasst. Ich hatte ihm zwei Wochen zuvor ein wenig Literatur vorbereitet, kopiert und ausgehändigt, nur um nun festzustellen, dass er nichts davon auch nur angesehen hatte. Er hatte sich schlichtweg darauf verlassen, dass ich ihm mehr oder weniger das gesamte Referat schreiben würde.

Doch abgesehen von solchen Ausnahmefällen habe ich mit Referaten eigentlich stets gute Erfahrungen gemacht. Vor allem die kleineren SchülerInnen sind ganz begeistert bei der Sache, sobald die anfängliche Unsicherheit weicht. Dann diskutieren sie teilweise schon richtig erwachsen mit mir, wie die Gliederung werden soll, oder mit dem berühmten „Aber das gibt es doch auch noch…!“ auf Aspekte des Themas hinweisen, die sie unbedingt in der Gliederung haben wollen. Und so gibt man nur dezente Hinweise, was vielleicht wichtig sein könnte und was man selbst als weniger wichtig erachtet, aber überlässt natürlich die Entscheidung demjenigen, der sich die Arbeit macht. Die „Alten Hasen“ wissen natürlich schon, worum es geht, die begleitet man aber vielleicht bei der Recherche, gibt ihnen Tipps, wo sie sonst noch nachforschen könne außer im Internet, und gibt ihrer Vortragstechnik den letzten Schliff.

Und wenn dann das erwünschte Resultat vielleicht sogar übertroffen wird, hat die Sache längst einen erzieherischen Wert, der das Vorrücken in die nächst höhere Klasse alle Mal rechtfertigt.

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