Nutzen Sie den Winter!

Winterwetter Quelle: M. Großmann  / pixelio.de

Winterwetter
Quelle: M. Großmann / pixelio.de

Jetzt fängt er anscheinend an, der Winter! Allerdings, so versichern uns fast alle Wetterexperten, wird es wohl kein Winter für Sportfans. Eher für die Teetrinker.

Und schon geht es das Gejammere weiter. Nachdem erst monatelang über das viel zu warme Wetter gemosert wurde, passt es jetzt auch nicht.

Warum?

Meist geht es eben darum, dass das Matschwetter (und jetzt eben die eisige, aber schneefreie Witterung) nicht freizeitkonform ist.

So können doch nur einseitig Sportfixierte reden! Wer auch andere Interessen hat, weiß sich zu helfen.

Immerhin haben wir in Freising zweieinhalb Buchläden (wenn ich die Gimmicks wegrechne, die heutzutage im Buchhandel neben der eigentlichen Ware so angeboten werden, komme ich auf diese Zahl). Und, knick knack, gerade die Jugendbuchabteilungen lohnen sich. Werden doch die Kinder- und Jugendbücher generell auch äußerlich ansprechend aufgemacht, vom Inhalt ganz zu schweigen, der auch immer mehr Erwachsene in seinen Bann zieht.

War es in meiner Jugend noch so, dass die Lehrer gegen bestimmte Spartenliteraturen lautstark gewettert haben – gerade die heutzutage so populäre Fantasy war damals bei den Berufsgermanisten verpönt! – sind sie heute schon froh, wenn die Mädchen und Buben überhaupt lesen. Wobei viele Mädchen das auch aus eigenem Antrieb und gern tun. Nur bei den Jungs gibt es da leider oft Probleme, was dann dazu führt, dass sie überdurchschnittlich häufig Deutschunterricht brauchen.

Woher kommt das?

Meiner Meinung nach greifen hier drei verhängnisvolle Faktoren: Zuerst einmal gesellschaftliche: Man redet ihnen ein, dass Lesen nichts für echte Männer ist, und dazu kommen dann auch noch meist weibliche Deutschlehrer, die ihre männlichen Schüler anscheinend für geistig minderbemittelt halten – jedenfalls fördern sie beim Lesen meist die Mädchen. Für ein weiteres Problem halte ich die weit verbreitete Hip-Hop- und Rap-Kultur. In dieser Szene ist es Konsens, dass die Liebe zum Lesen eine feminine  Eigenheit ist. Was übrigens merkwürdig inkonsequent ist für eine Subkultur, die sich über eine Art der Poesie definiert: Denn nichts anderes sind die gereimten und mit Wortspielen arbeitenden Texte ja.

Und so brauchen wir nach all den Jahren diverser Befreiungsbewegungen endlich eine, die Jungs den Zugang zur Kultur wieder ermöglicht, sonst verlieren wir die eine Hälfte unserer Bevölkerung. Was ich hier übrigens gleich mal mit einem Aufruf an die oben erwähnten Deutschlehrerinnen verbinden möchte: Wenn Ihr die Jungs aufgebt oder bei der Diskriminierung sogar mitmacht, braucht Ihr Euch nicht wundern, dass es später allerorts nur so wimmelt von bildungsfernen, verständnislosen Ehemännern. Sich nur darüber wortreich zu beklagen, ist dann eigentlich nichts weiter als ein Eingeständnis der eigenen beruflichen Unfähigkeit (eines der populärsten Lieder unter weiblichen Lehrern soll ja seinerzeit „Neue Männer braucht das Land“ gewesen sein…).

Und auch an die Eltern möchte ich mich hier wenden: Wenn Sie gute Deutschnoten und eine gute Sprachbeherrschung bei Ihrem Sohn wünschen, bringen Sie ihn zum Lesen.

Hier gilt übrigens: Das wird nur dann gelingen, wenn man selbst glaubwürdig ist. Wer von seinen Kindern verlangt, dass sie Lesen sollen, selbst aber nur dauernd vor am Computer, Smartphone oder vor dem Fernseher rumhängt, wird seinem Sohn kaum ein glaubwürdiges Vorbild sein. Wir brauchen Väter, die gemeinsam mit ihren Söhnen lesen und das Gelesene mit ihnen gemeinsam rezipieren und diskutieren.

Stattdessen beschränken sich selbst die engagierten jungen Väter der „neuen Elterngeneration“ allzu oft auf Fußball und andere Sportarten.

Warum aber sollte ein Vater nicht auch ein Vorbild im kulturellen Bereich sein?

Übrigens: Lesen ist eine Sportart fürs Gehirn, in die man jederzeit einsteigen kann. Es gibt in der alten Schul- und Kulturstadt Freising neben den erwähnten Buchläden auch noch Bibliotheken (das ist so eine Art geistiges Fitnesscenter), wo man eine große Auswahl an Trainingsmaterial fürs Gehirn ausleihen kann. Beschränken Sie sich aber nicht auf irgendwelche Technikratgeber, lesen Sie gezielt Literatur! Die freundlichen, fachlich hervorragend ausgebildeten Fitnesscoaches (man nennt sie dort nur Bibliothekarinnen und Bibliothekare, aber eigentlich sind Sie Personal Trainer für Bildung!) stehen übrigens gerne jedem Einsteiger mit Rat und Tat zur Seite. Den Lesesport kann man übrigens bis ins hohe Alter ausüben, und das Verletzungsrisiko ist minimal. Eine ideale Beschäftigung!

Also: Nutzen Sie das Schietwetter doch mal und bringen Sie Ihrem Nachwuchs das Lesen nahe!

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