Ratschläge zum Lernen Teil II:

Im ersten Teil dieses kleinen Ratgebers war ich bereits auf die Wichtigkeit fester Lernzeiten und deren Kontrolle durch die Eltern eingegangen. Dieses Thema möchte ich nun noch etwas vertiefen: Denn natürlich ist es nicht praktikabel den ganzen Tag neben ihrem Kind zu sitzen. Leider bringt es erfahrungsgemäß aber auch nichts, es einfach in sein Zimmer einzuschließen und zu sagen: „Nun lern mal schön!“.

Denn das wird es nicht tun. Sehen Sie sich mal im Zimmer eines durchschnittlichen Halbwüchsigen um: Es wimmelt darin von Ablenkungsmöglichkeiten. Zugriff auf soziale Netzwerke, Internetspiele und Musik- und Filmbörsen sind prima Spielwiesen, die alle mehr Spaß machen als das Lernen. Das Internet bietet eine unendliche Welt, in der sich nicht nur Kinder und Jugendliche verlieren können.

Ihre / Ihrer macht so was nicht, gell? Das beweist nur, dass sie / er gerissener ist als Sie.

Also bleibt nur eines: Lassen Sie den Sprössling bei offener Zimmertür laut lernen. Das hat neben dem Vorteil, dass Sie die Einhaltung der Lernzeiten nebenher immer kontrollieren können auch einen ganz anderen, psychologischen Grund:

Erfahrungsgemäß macht Schule keinen Spaß. Und allen Motivationsprogrammen zum Trotz: Gegen die Konkurrenz oben genannter virtueller Bespaßung hat Schule nie eine Chance. Selbst wenn der Schüler lernt: Das Gehirn klassifiziert das Erlernte als uninteressant und vergisst es damit bei nächster Gelegenheit. Bleibt nur, das Gehirn zu überlisten. Nun ist es so, dass der junge Mensch, wenn er Spaß an etwas hat, unwillkürlich laut wird – oder haben Sie schon mal eine leise Teenagerparty oder einen ruhigen Kindergeburtstag erlebt? Beim lauten lernen gaukelt die reine Lautstärke dem Hirn automatisch vor, dass das, was da memoriert wird, Spaß macht und damit von gewisser Wichtigkeit ist. Beim Vokabellernen empfiehlt es sich, jeder Wort etwa 20 Mal laut hintereinander zu lesen.

Was mich gleich zum nächsten Ratschlag kommen lässt: Wiederholung.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Informationen nun mal eine Zeit lang brauchen, um vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis einzusickern. Wenn Ihr Kind die Vokabeln an einem Tag lernt, wird sie sie am nächsten Tag vergessen haben. Fällt der Groschen? Vielleicht haben Sie sich schon mal darüber gewundert, dass es Wörter, die es doch beim Ausfragen vor ein paar Wochen noch wusste, in der Schulaufgabe nicht mehr konnte. Da haben Sie die Lösung. Es hat sich als sinnvoll herausgestellt, Wörter eine Woche lang täglich zu wiederholen. Beim Abfragen dann fragen Sie kreuz und quer, ebenso die von der Vorwoche und die vom Wortschatz einen Monat zuvor. Gelegentlich sollten Sie auch mal beliebig in den älteren Wortschätzen blättern und das ein oder andere „alte“ Wort beliebig abfragen. Jedes Wort, das gar nicht gewusst wird oder bei dem das Kind länger als drei Sekunden überlegen muss, müssen aufgeschrieben werden und sollten nochmals gelernt werden. Übrigens ausfragen: Ja, das ist sehr langweilig, aber leider unumgänglich. Gönnen Sie ihrem Nachwuchs doch das Erfolgserlebnis! Bis zum Alter von etwa 15 lernt er für Sie: Erfolg beim Abfragen heißt also, sich die Anerkennung der wichtigsten Bezugsperson aktiv erarbeitet zu haben! Das ist m.E. nicht unwichtig für die Psyche des Heranwachsenden: Er erhält damit in einem gewissen Rahmen das Gefühl der Kontrolle über sein Leben. Aber das heißt im Umkehrschluss natürlich auch, dass Sie sich bitte nicht mit halben Leistungen zufrieden geben sollten. Später im Berufsleben wird das ja auch nicht gehen. Und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wenn mehr als drei Wörter pro Wortschatz nicht sitzen, schicken Sie Ihr Kind noch mal zum Lernen.

Klingt alles sehr hart, nicht?

Leider ist der Druck in der Schule eben sehr groß. Und die Chancen, nachzulernen oder vergessenes Wissen wieder neu zu lernen, sind seit der Einführung von G8 und Konsorten immer schlechter geworden. Irgendwann steht der junge Mensch sonst vor der Abschlussprüfung und merkt, dass er riesige Lücken hat. Wissen baut aufeinander auf wie Ziegelsteine in einer Mauer – deshalb spricht man ja von einem Lerngebäude. Und spätestens am Ende der Schullaufbahn sollte sich ein solches zeigen. Wer sein ganzes Schülerleben lang  nur von Schulaufgabe zu Schulaufgabe gelernt hat, wird da schlecht abschneiden. Spätestens jetzt wird das Kind – mittlerweile wahrscheinlich eher ein junger Erwachsener – Ihnen dankbar sein für jeden Tag, an dem Sie seiner Bequemlichkeit oder seiner Lust auf kurzfristige Vergnügungen nicht nachgegeben haben.

Schule ersetzt natürlich nicht eine herzliche, liebe- und verständnisvolle Beziehung zum Kind. Aber für einen erfolgreichen Start ins Leben zu sorgen, auch wenn es unbequem ist, ist genauso Pflicht der Eltern. Es ist ein Teil der Verantwortung, die man übernommen hat an dem Tag, als man sich für ein Kind entschieden hat.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

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