Sommerferien – und alle guten Absichten schmelzen dahin

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Quelle:Dieter Schütz / pixelio.de

Sommerferien, aus der Sicht eines Nachhilfelehrers…

Jedes Jahr dasselbe Theater: so etwa kurz vor Pfingsten fragen Schüler und Eltern nach, ob man nicht vielleicht Zeit habe in den Sommerferien. Da wollen sie dann alles nachholen, was das Jahr über zu kurz gekommen ist. Selbstredend erwarten sie dabei, dass man auf ihre Urlaubsplanung Rücksicht nimmt. „Schließlich braucht das Kind ja auch seine Erholung“.

 

Eigene Urlaubspläne? Werden mit Schnappatmung und entsetztem Augenrollen quittiert. Es folgt stürmisches Flehen, das arme, bildungshungrige Kind doch bitte nicht gerade dann allein zu lassen, wenn es endlich mal den Ernst des Lebens verstanden hat. Und so weiter. So Anfang Juli rum hat man dann eine stattliche Liste mit Schülern, die man in den Ferien unterrichten soll.

Doch kurz vor dem Notenschluss fängt es dann an: die Absagen kommen reihenweise. Eigentlich mache es doch gar nicht so viel Sinn, mit dem Lernen in den Ferien. Besser sei es doch, sich erst mal richtig zu erholen und dann ab Herbst wieder richtig einzusteigen. Wobei sich erfahrungsgemäß gerade zu Schulanfang der Wiedereinstieg in die Nachhilfe immer weiter hinausschiebt.

Ende Juli bleiben dann – wenn überhaupt – ein Viertel der ursprünglich eingeplanten Schüler übrig. Meistens die, die in der Schule ohnehin gut sind und Nachhilfe nur haben, um noch besser zu werden. Macht ja nichts, mit der Elite zu arbeiten macht ja auch Spaß.

Aber woher kommt diese Unart, zuerst Nachhilfe einzuplanen und dann doch abzusagen?

Und warum immer so um den Notenschluss herum?

Alle Einsicht in die Notwendigkeit fleißigen Lernens ist weg, wenn die Noten im Großen und Ganzen stehen. Ist es so, dass einfach nur der Druck weg ist und dann der natürliche Hang zur Faulheit wieder die Oberhand gewinnt? Aber wenn doch, warum bleibt dann der Lerneffekt aus? Spätestens im nächsten Jahr kann man dann wieder bei Null anfangen.

Der Ethnologe in mir mutmaßt ja, dass es ganz andere Gründe hat. Es hat mit dem Steinzeitmenschen in uns allen zu tun.

Wir haben es hier mit einem magischen Phänomen zu tun. Wenn die Noten so schlecht sind, dass die Versetzung gefährdet scheint, nehmen Schüler und Eltern Zuflucht zu einer Art überirdischem Kuhhandel. Den Göttern soll mit einem Gelöbnis gezeigt werden, dass man ja zum Äußersten bereit wäre, wenn man doch nur die Chance bekäme. Sprich: Wenn die Noten in der kommenden, alles entscheidenden Schulaufgabe nur gut genug werden, damit es zum Bestehen des Schuljahres reicht, dann wäre man bereit, auch ein wenig von der kostbaren Freizeit zu opfern…

Ähnliches berichtet Cäsar in seinem „Gallischen Krieg“ von den Kelten, und die waren ja schließlich die Vorfahren der meisten heute in Bayern lebenden Menschen: Im Unglück, bei Krankheit oder im Krieg gelobten die Kelten den Göttern Menschenopfer, und wenn sie überlebten, wurden diese auch vollzogen.

Ja, ich bin sicher: Es muss sich hier um ein Überleben alter Bräuche handeln. Nur was die Umsetzung der Gelübde angeht, haben die heutigen Mitteleuropäer mittlerweile stark nachgelassen. Na ja, es war ja wahrscheinlich für die alten Kelten auch einfacher, einen (anderen) Mitmenschen abzuschlachten als auf die eigene Freizeit zu verzichten…

Spaß beiseite: Im nächsten Schuljahr ist es dann Jahr für Jahr dasselbe. Die Schüler kommen von sechs Wochen Nichtstun zurück in die Schule, und sie haben alles vergessen. Damit kann man wieder bei Null anfangen. Es nervt mich auch jedes Jahr aufs Neue wieder. Aber was will ich machen?

Alte Bräuche halten sich nun mal hartnäckig…

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