Thema Schule und Bildung: Was uns von Japan unterscheidet…

Wieder mal lese ich in der Online-Ausgabe des Spiegels einen Essay über die Schule. Diesmal von Dietmar Pieper, der sich darin die Lehrerschaft vornimmt. Der Lehrerberuf, so der Tenor des Artikels, ist viel zu sehr Lehramt und viel zu wenig Dienstleistung.

Unter den Ländern, deren Bildungssystem erfolgreicher ist, zählt er mit Südkorea und Japan auch zwei Länder des fernen Ostens auf.

Das ist sachlich richtig. Trotzdem bedeutet es m.E., Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen, wenn man diese Länder mit Deutschland vergleicht.

Denn der Spiegel-Essayist übersieht, dass nicht nur das Schulsystem ein anderes ist, sondern auch die Eltern.

Zuerst einmal sind diese bereit, ungleich mehr Geld in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren. Denn in Japan ist es durchaus üblich, dass ein Kind nach der Schule noch eine Nachhilfeschule besucht. Und die ist nicht kostenlos.

 

Wenn ich daran denke, wie oft ich als Nachhilfelehrer von Eltern in jammervollem Ton auf die hohen Kosten meiner Stunden hingewiesen werde…

Oft genug werde ich auch zum offenen Betrug an meiner Agentur aufgefordert, wenn man mir nahe legt, doch „an Abacus vorbei“ für weniger Geld zu arbeiten.

So etwas gibt es in Japan nämlich auch nicht, weil die Investition in Bildung dort zugleich Prestige bedeutet.

Und sie haben Recht. Wenn Bildung etwas wert sein soll, darf und muss sie es auch durchaus im Wortsinne sein.

Es sind übrigens meistens gar nicht die armen Familien, die sich über die hohen Tarife bei Abacus beschweren.

Wenn der Lehrer oder Nachhilfelehrer als billige Arbeitskraft gesehen wird, der doch bitteschön zu den selben Minilöhnen arbeiten soll wie all die anderen ausgebeuteten Niedriglöhner, weiß man doch genau, dass Bildung hierzulande für viele nur schmückendes Beiwerk ist anstatt Selbstzweck. Genau letzterer ist sie aber in Fernost.

Machen wir uns nichts vor: in unserer Bierzeltgesellschaft sind Akademiker – allen voran die Lehrer – oft genug nichts weiter als Witzfiguren fürs grölende Volk.

Entsprechend ist dann halt auch oft der Unterricht ein Witz.

Auch das ist übrigens ein sehr deutsches Problem: Der Tendenz, anderer Leute Arbeit gering zu schätzen. Auch hier sind wir Meilen entfernt von den asiatischen Standards, wo der Lehrer eine Respektsperson ist für Eltern und Schüler. Denn wie sollen die Kinder etwas von jemandem lernen, wenn sie zuhause ständig ihre Eltern abschätzig über ihn reden hören?

Wenn wir wirklich mit Ländern wie Japan und Südkorea in Vergleich treten wollen, müssen auch die Eltern ihren Teil dazu beitragen.

Es genügt nun mal nicht, ständig Lehrerbashing zu betreiben. Ein wenig eigene Bemühung sollte schon sein, wenn man will, dass der Nachwuchs zu den Besten gehört.

Wer glaubt, dass ein einzelner Lehrer 30 Kinder individuell betreuen kann, lebt in einer Traumwelt.

Womit wir zuguterletzt beim Problem des Geldes angelangt wären.

Anerkennung bedeutet auch finanzielle Anerkennung. Nun sind Lehrergehälter in Deutschland nicht schlecht. Aber die anderen Berufe, die im Bildungsbereich sonst so anfallen, werden in Japan sehr viel besser bezahlt. So verdient dort ein Sozialpädagoge ein Mehrfaches von dem, was sein deutscher Kollege nach Hause bringt.

Wenn Sie also motiviertere Lehrer wünschen, Herr Pieper, schreiben Sie bitte auch die andere Wahrheit.

Unsere Gesellschaft muss bereit sein, viel mehr in Bildung zu investieren. Vielleicht werden dann auch die Lehrer wieder lieber in die Arbeit gehen.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team, Dr. M. Fritz!

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