Tipps zum Lernen: Eigenständigkeit

Quelle:Paulwip  / pixelio.de

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Nachdem ich nun schon länger keine Lerntipps verteilt habe, möchte ich dieses Versäumnis hier und heute nachholen.

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, über das eine Menge Missverständnisse zirkulieren: Die Eigenständigkeit beim Lernen.

Ich erlebe es immer wieder, dass Eltern unsicher sind, ab welchem Alter das eigenständige Lernen einsetzen sollte. Grundsätzlich gilt die Regel – und ich beziehe mich hier auf die gängigen Thesen der Kinder- und Jugendpsychologie – dass bis zum Alter von etwa 15 Jahren vor allem für die Eltern, Lehrer oder andere Bezugspersonen gelernt wird. Die Kontinuität hängt stark von der Aufmerksamkeit ab, die jene im Gegenzug dem Schüler bzw. der Schülerin dafür schenken. Das bedeutet, dass von einer echten Eigenständigkeit nicht die Rede sein kann. Ohne festen Lernplan und ohne Kontrolle durch eine Bezugsperson – ich spreche hier von Abfragen gelernter Vokabeln, Hausaufgaben etc. – wird das Kind vielleicht ein, zwei Wochen durchhalten und dann das Lernen bleiben lassen.

Ausnahmen bestätigen die Regel, aber warum sollten Sie ausgerechnet bei Ihrem Kind herumexperimentieren wollen? Sie sollten bis zu diesem Alter also noch darauf achten, ob gelernt wird oder nicht. Erwartungen seitens der Eltern, dass z.B. ein Zwölfjähriger oder ein Vierzehnjähriger allein lernen soll, überfordern den Schüler und können das Verhältnis zu seinen Eltern schwer belasten. Zu einer altersgerechten Behandlung gehört schließlich nicht zuletzt ein Bewusstsein dafür, was man dem Sprössling zumuten darf und was nicht.

So etwa ab dem Erreichen der zehnten, spätestens jedoch mit der elften Klasse sollte der Nachwuchs jedoch so weit sein, dass er auch ohne elterliches Zutun sein Lernpensum erfüllt. Ich sage hier aber ausdrücklich dazu: NUR, WENN ER DAS ZUVOR GELERNT HAT!

Wer da die Zügel hat schleifen lassen bzw. es an Kontrolle und damit Interesse am schulischen Werdegang des Jugendlichen hat fehlen lassen, braucht sich nicht zu wundern, wenn es dem später an einer entwickelten Lernkultur fehlt. Trotzdem ist es auch dann nicht zu spät für eine Umkehr; um die Konflikte, die Sie dann ausfechten müssen, beneide ich Sie allerdings nicht.

Was aber bedeutet Eigenständigkeit eigentlich?

Gemeint ist damit nicht nur das unaufgeforderte und alleinige Erledigen der Hausaufgaben und gegebenenfalls noch ein wenig Üben auf die Schulaufgabe.

Sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn aufs Gymnasium gehen, wird er ja ab der elften Klasse sich auf das Abitur vorbereiten, d.h. das Ziel besteht im Erwerb der Studierfähigkeit. Dazu gehört aber weit mehr als stupides Rezipieren vorgekauten Stoffes. Tatsächlich beinhaltet Eigenständigkeit beim Lernen, dass bei Beginn eines neuen Themas auch Bestrebungen sichtbar werden, sich mit der neuen Materie auch mal vorab zu beschäftigen. Im Zeitalter allgegenwärtiger und allgemein verbreiteter Internetzugänge – wozu haben Sie Ihrem Nachwuchs das teure „Pseudo-Handy-weiß-nicht-Dingsbums-mit-dem riesigen Display“ schließlich gekauft? – heißt das, in den einschlägigen Wikis zu recherchieren. Gegebenfalls kann man mit den dort angegebenen Links noch ein wenig tiefer in die Materie eindringen. Eine solche Vorbereitung ist eigenständig.

Natürlich kostet sie Zeit. Aber gehört zur Reife (das ist die Bedeutung des Wortes „Abitur“!) nicht auch, Prioritäten zu setzen? Wem sein Fussballtraining wirklich wichtiger ist als ein guter Schulabschluss, der verdient ihn auch nicht.

Ich hoffe, diese kleine Einführung hat Ihnen bei der Beantwortung der Frage geholfen, welches Maß an Eigenständigkeit Sie von Ihren schulpflichtigen Kindern erwarten dürfen und welches nicht.

Im nächsten Teil werden wir dann ein wenig vertieft auf die Frage eingehen, welches Maß an außerschulischer Vorbereitung für junge Leute mindestens nötig ist.

 

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz.

 

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