Urlaubsfreuden

402388_web_R_by_BirgitH_pixelio.deJetzt hat er also begonnen, der Urlaub in Bayern. Endlich. SchülerIn kann sich jetzt ganz entspannt zurücklehnen und die freie Zeit genießen.
Moment.
War da nicht was?
Beginnen die Sommerferien in Bayern nicht erst Anfang August (Freising war zwar mal ein unabhängiger Staat, wurde aber mit der Säkularisation Bestandteil des damaligen Königreiches und heutigen Freistaates Bayern)?
„Ach was“, sagt mein Schüler Max* da, „Notenschluss ist jetzt und damit kann nichts mehr passieren. Also warum noch sich reinstressen?“
Sagt´s und lehnt sich mit der ostentativen Gelassenheit eines 16-Jährigen im Stuhl zurück.
Stimmt das wirklich? Immerhin hat der Betreffende, seines Zeichens praktizierender Milchmädchen-Rechner und (Über-)Lebenskünstler, bereits eine längere schulische Karriere hinter sich. Der junge Mann ist also gewissermaßen ein Fachmann und sollte daher wissen, wovon er spricht.
Auf der anderen Seite benötigt er allerdings auch meine Nachhilfestunden.
Ich will es genau wissen und rufe meine alte Freundin Patricia* an. Selbige muss als Lehrerin eigentlich genaue Kenntnis des Sachverhaltes haben.
Ich brauche mehr als drei Anläufe, um sie überhaupt an die Strippe zu kriegen. Endlich hebt jemand ab. Wie erwartet spielt laute Musik im Hintergrund. „Aha“, denke ich, „man feiert wilde Partys. Hoffentlich ist sie überhaupt noch nüchtern nach den vielen Cocktails!“. Immerhin ist es ja schon vier Uhr am Nachmittag.
„Hallo, ach Du bist´s!“, ruft eine sehr nüchterne, leicht gestresst klingende Stimme am anderen Ende der Leitung. Und weiter: „Was willst Du?“.
Mist. Ich sollte vielleicht nicht immer nur dann bei ihr anrufen, wenn ich etwas brauche. In meinem Hinterkopf speichere ich „Pralinen, mittelgroße Schachtel, gehobene Qualität“ fürs nächste Treffen.
„Wie ist das denn mit dem Notenschluss?“ frage ich sie.
Ein leichtes Ächzen knarrt mir aus dem Telefonhörer entgegen: „WIE? Jetzt bitte nicht du auch noch! Ein derart weiser Gelehrter, ein durch und durch kluger und erleuchteter Geist wie du!** Wer setzt bloß diesen Mist in Umlauf?“.
Und ich erfahre, dass der Notenschluss zwar immerhin existiert, der Lehrer aber durchaus das Recht dazu hat, nachträglich noch Änderungen vorzunehmen.
„Gut, planmäßig abfragen werden wohl nur die wenigsten Lehrer“, gibt Patricia zu. „Aber bei ganz groben Ausrutschern kann auch der bestmeinende Pädagoge sich zu einer Fünf oder Sechs in der Mitarbeit hinreißen lassen. Man ist ja schließlich auch nur ein Mensch, und die sind rachsüchtig!“.
Ich weiß. In der gesamten Geschichte des Christentums hat nie jemand auch nur ein einziges Mal die andere Wange hingehalten. Außer er hätte aufgrund mangelnder Ausrüstung nicht anders gekonnt.
„Im Endeffekt ist es so: gerade die Schüler, die sich auf das Ende der Benotung verlassen, provozieren am ehesten eine nachträgliche Korrektur. Praktisch tut man das natürlich nicht sehr oft. Erstens ist man selber froh, wenn man die ganze Rechnerei für all die Klassen, die man hat, überhaupt fristgerecht hinkriegt. Zweitens will sich niemand auf die dann unweigerlich folgenden Diskussionen mit den Erzeugern der ganzen Brut einlassen. Nur – verlassen würde ich mich nicht darauf.“
Zuguterletzt klärt sich recht schnell die Frage der Hintergrundbeschallung. Patricia hat seit ihrer eigenen Schulzeit die unschöne Eigenschaft beibehalten, während der Arbeit laute Musik laufen zu lassen. Wobei sie in diesem Fall allerdings am Fensterputzen ist. Womit sich auch meine letzte Frage geklärt hat. Ich bedanke mich, lege auf und bereite mich darauf vor, den Maxl mit den harten Realitäten des Schulwesens vertraut zu machen.
Also, liebe Schülerinnen und Schüler: Verlasst Euch nicht auf den Notenschluss! Arbeitet lieber fleißig bis zum Schluss mit. Sicher ist sicher!

*Namen sicherheitshalber vom Autor geändert. Beide können recht unangenehm werden.
** Schon gut, schon gut, DIESEN Satz hat sie nicht gesagt. Aber nach meinem Geschmack hätte sie ihn sagen SOLLEN!

 

Herzlichst, Ihr Abacus- Team/Dr. M. Fritz!

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