Weihnachten? Da war doch was?

Und es begab sich zu jener Zeit, dass ein gestresster Papa loszog und rasch in letzter Minute etwas kaufen wollte, um sich der Zuneigung seines Kindes zu versichern. Denn siehe – es hatten die Kaiser und Könige auf Geheiß der Märkte das Rentensystem so verändert, dass fürs Alter niemand mehr auf ein Leben in Würde hoffen konnte. Da sahen sie ihre Kinder an und rieben sich die Augen, doch es waren nur noch Dollarzeichen auf zwei Beinen.

 

Naja… ganz so weit ist es dann doch noch nicht.

Aber ein unerfahrener oder unvoreingenommener Beobachter könnte zuweilen schon darauf verfallen, die beiden nicht zusammenhängenden Themenbereiche Rentenängste und weihnachtlicher Kaufrausch miteinander in Verbindung zu bringen. Es wird gehamstert, als ginge es ums liebe Leben.

Alle Welt rennt, hastet, kauft ein und schimpft und flucht und ist komplett fertig mit den Nerven. Und warum? Weihnachten steht an, das Fest der Liebe.

Aber das heißt ja nicht, dass man JEDEN Mitmenschen lieben muss; schließlich ist DAS bekanntlich eher die Aufgabe des ältesten Gewerbes der Welt. Also doch lieber granteln. Ehrlich gesagt: Zu keiner anderen Zeit des Jahres hört man so oft Sprüche wie „Geh mir aus dem Weg, Du Penner!“ oder „Ich hau Dir eine rein, Du Depp!“, wenn der Gegenüber sich als nicht absolut konform mit den eigenen Ansprüchen erweist. Sei es, dass er einem beim Einkaufen den heiß umkämpften Parkplatz wegnimmt, oder dass er nicht schnell genug den Weg zur Kasse frei macht: Wenn Weihnachtswünsche alle wahr würden, wäre es um die Hälfte der Bevölkerung vermutlich geschehen. Und dabei ist das noch gar nichts gegen die Dramen, die sich dann während der Weihnachtsfeiertage im Kreis der Familie abspielen.

Und während das ganze Jahr im Zeichen der Finanzkrise und des drohenden Weltunterganges stand, werden wieder mal Rekordumsätze verzeichnet.

Also doch so eine Art Weihnachtswunder.

Gleichzeitig entdecke ich die unfreiwillig komischen Hinweise, dass ein christlicher Gottesdienst üblicherweise ca. eine Stunde dauert und das Klatschen von Beifall dabei nicht erwünscht ist; Im Übrigen solle man es so halten wie die Banknachbarn, denn „regelmäßige Kirchgänger kennen die Rituale“ (Zitat Funk Uhr Nr. 51/2012, S. 4) und sind daher, das ist wohl der Sinn dieser kryptischen Anweisung, mit den Abläufen dort vertraut. Das alles stammt aber nicht aus einem Fremdenführer für Touristen aus Dubai oder Fernost, die vielleicht mal „altdeutsche Weihnacht“ für ihren Winterurlaub buchen wollten – nein, das sind Tipps für einheimische Christen, die ihren perfekten Weihnachtsabend mit einem Besuch der Christmette abrunden wollen. Angesichts dieser Ratschläge liegt die Vermutung nahe, dass der Kirchgang wohl weniger aus religiösen Bedürfnissen heraus erfolgen wird, sondern eher vergleichbar ist mit einem Rundrumurlaubspaket, bei dem bestimmte Sehenswürdigkeiten abgehakt werden sollen.

Und was werden die Kinder daraus lernen? Alles, aber auch wirklich alles hat sich dem allmächtigen Götzen des Geldverdienens unterzuordnen. Aus eigentlich religiösen Festen wird ein Disneyland gemacht und aus dem Kind in der Krippe somit eine Art Micky-Maus. Dass der ein oder andere Besucher des Gottesdienstes einem echten spirituellen Bedürfnis nachkommt und sich angesichts der einheimischen Weihnachtstouristen vielleicht wie ein Affe im Zoo fühlen könnte, scheint egal zu sein.

Aber warum sollten sie es auch anders machen, als sie es seit Jahren schon im Ausland tun? Wo sie in buddhistische Viharas, Hindutempel und muslimische Moscheen einfallen auf der Suche nach Exotik und pittoresker Fremdheit. Es ist dieser unfassbare Mangel an Feingefühl, der selbst die geduldigsten und gastfreundlichsten unter den Zeitgenossen aus anderen Kulturkreisen so ungemein an uns Europäern befremdet. Mein Rat: Wenn Sie keinen Bezug dazu haben, gehen Sie am Heiligabend besser nicht in die Kirche. Als Staffage für Ihren persönlichen Egotrip sollten Ihnen ihre Mitmenschen zu schade sein. Die werden eine Kerze anzünden für jeden von Ihnen, der sie mit seiner Anwesenheit verschont!

Vielleicht reicht es für das perfekte Weihnachten ja, sich wieder auf die ursprünglichen Werte des Weihnachtsfestes zu besinnen: Auf Liebe, Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Frieden.

Das Abacus Team wünscht eine hektikfreie Vorweihnachtszeit!

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