Cybermobbing oder der Balken im eigenen Auge

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Quelle:Gerd Altmann / pixelio.de

 

Zu den schüler-bezogenen Themen, die derzeit immer wieder mal hochkommen, zählt das Problem des Cyber-mobbings. Dieses Phänomen bezeichnet das Fertigmachen seiner Mitmenschen im Internet. Dabei werden vor allem soziale Netzwerke zum Problem, wo die Jägermeute sich schon aufgrund der Natur des Treffpunktes gegen ihre wehrlosen Opfer zusammenrottet. „Sozial“ im Wortsinne sind Netzwerke nämlich nur selten, wenn sich die Gattung Homo Sapiens darin tummelt. Was auch für alle anderen Orte in der realen Welt gilt.

 

Nun wird mit großer Ratlosigkeit auf den virtuellen Raum gesehen, und auf einmal scheint es, als sei einmal wieder mit einer neuen Technologie ein neuer Schrecken über die entsetzte Menschheit gekommen.

Und wir, wir Erwachsene, blicken mit grimmiger Entrüstung darauf und sagen selbstherrlich: „Na also, wir haben es ja schon immer gesagt, dass mit diesem ganzen Social Media-Mist nichts als Missbrauch und Unglück verbunden ist.“

Als ob das in unserer eigenen Jugend anders gewesen wäre.

Ich persönlich erinnere mich noch recht gut an die meine, und damit auch an jede Menge sozial gestörter Mitmenschen, die ich in denkbar schlechtem Andenken halte. Wenn Sie in den 80er Jahren mit dem, was man heute als Migrationshintergrund bezeichnet, an einem Gymnasium in einer bayrischen Kleinstadt waren, wissen Sie, wovon ich spreche. Wenn Sie dann auch noch eine gewisse Lernbereitschaft mitbrachten, forderte das so manchen Zeitgenossen zu hasserfüllten Reaktionen geradezu heraus. Soll einer sagen, in der Schule lernte man nicht fürs Leben. Einige der Lehrer waren übrigens auch nicht besser als ihre Schülermeute. Ich erinnere mich da durchaus an ein oder zwei, die ihre eigenen völkischen Vorurteile ungehemmt raus ließen. Wie würde man das heute nennen? Mobbing?

Nur dass wir damals nichts von Mobbing wussten, obwohl wir es tagtäglich erlebten.

Wollen wir wetten? Dieselben Leute, die in ihrer eigenen Jugend und noch später „die Sau raus gelassen haben“, schlagen heute in geheucheltem Entsetzen über die Zustände bei der Jugend von heute die Hände über dem Kopf zusammen und gefallen sich als Apostel der öffentlichen Moral.

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Menschen sind von Grund auf schlecht, und nur strenge Regeln verhindern, dass sie ins Neandertal zurückfallen. Und da setzt in der Tat unsere Verantwortung als Erwachsene ein. Denn Jugendliche mit ihrem noch schwach ausgeprägten Empfinden für richtiges Sozialverhalten können die Folgen ihres Handelns nicht selbst abschätzen. Daher brauchen sie eine starke Hand, die ihnen Grenzen setzt. Leider  interessieren sich viel zu viele von uns Erwachsenen viel zu wenig dafür, was in den Jugendzimmern vor sich geht. Und ich meine nicht nur die Eltern derjenigen, die gemobbt werden, sondern gerade auch die der Mobbenden. Denn sie sollten sich vor Augen führen, dass es ihre Erziehung ist, die aus einem Kind ein Ungeheuer werden lässt. Doch dieser bitteren Erkenntnis des eigenen Versagens wollen sich die meisten Eltern noch immer nicht stellen. Stattdessen finden sie willfährige „Experten“, die etwas von „Erziehung zum Opfer“ faseln, den Fehler also bei den Eltern derjenigen verorten, denen ihre Brut gerade das Leben zur Hölle macht. Dabei ist es recht einfach: Wenn ich meinem Kind vorbete und vorlebe, dass es sich unter allen Umständen und um jeden Preis durchsetzen muss, brauche ich mich nicht darüber zu wundern, wenn es diese Lehren am Ende in die Tat umsetzt. Wenn ich ihm dagegen sage und zeige, dass antisoziales Handeln negative Konsequenzen haben wird, wird es sich im Zweifelsfall lieber für soziales Verhalten entscheiden. Durch Bestrafung, aber nicht allein durch diese: das muss ich nämlich auch selbst vorleben. Wenn ich dagegen zuhause vor dem Kind ständig über Nachbarn, Vorgesetzte und Kollegen lästere, mich an billiger Schadenfreude ergötze und dem Nachwuchs einen brutalen Sozialdarwinismus eintrichtere, sollte ich wenigstens nicht über die täglichen Meldungen übers Cybermobbing entsetzt sein.

 

Ein Kommentar

  1. Helmut sagt:

    Was das Cybermobbing noch mal besonders schlimm macht, ist die Anonymität die die Täter in den meisten Fällen genießen. Eigentlich ist es das beste seinen Kindern ganz die Benutzung des Computers zu untersagen, doch dies ist heutzutage leider nicht mehr machbar bzw. nicht mehr überprüfbar. Da gilt es erste Anzeichen einer Mobbing-Attacke rechtzeitig zu erkennen, damit dies unterbunden werden kann.

    Was tun bei Cybermobbing?

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