G8 – das war´s!

Nun ist es ziemlich sicher: Das achtstufige Gymnasium wird auf Dauer nicht überleben. Noch ist das Geschiebe und Gezerre nicht vorbei, ob man es neben dem neunstufigen Gymnasium beibehalten wird oder nicht. Aber das Resultat wird doch in jedem Fall sein, dass man zur alten Schulform zurückkehrt. Im Zeitalter schrumpfender Schülerzahlen werden sich in den meisten Orten außerhalb der Ballungszentren nicht zwei Gymnasien nebeneinander halten können.

Und so jubilieren nun SchülerInnen, Eltern und Philologenverband einstimmig und im Chor, weil nun endlich einer besseren, fundierten Bildung der Weg bereitet wurde. Endlich ist der einzige Grund beseitigt, warum die Abiturienten von heute in etwa den Bildungsstand eines Hauptschülers in den 80er Jahren haben.

Ja, ja…

Man hätte doch besser die Sportverbände verbieten sollen, um dieses hehre Ziel zu erreichen.

Dort werden sich die Sprösslinge herumtreiben, nicht in Bibliotheken, Musikschulen oder Museen.

Werden die Kindlein nun wenigstens für die Schulbildung mehr lernen, wie nun verbreitet wird?

Sicher nicht. Ich kenne doch meinen Pappenheimer.

Denn was haben Schüler- und Elternschaft aus all dem gelernt? Dass man nur lang genug Krach zu schlagen braucht, und schon passen sich die Realitäten dem eigenen Wunschdenken an. Warum also sich herumplagen? In der Idiocracy ist der Durchschnittsmensch das Genie, und folgerichtig – man will ja das Kind nicht überfordern! – sorgt man dafür, dass der Durchschnitt fortlaufend nach unten angepasst wird. Bildung ist, was man als solche definiert, und die Deutungshoheit ist längst bei RTL angekommen.

Stattdessen haben sie jetzt noch mehr Zeit für ihre außerschulischen Hobbies. Oh, keine Angst, ich will nicht etwa behaupten, dass musische Betätigung nicht sein muss. Und es wäre schön, wenn nun endlich der heilige Geist der Bildungsbeflissenheit in Gestalt einer Taube vom Himmel stiege und den Nachwuchs endlich in Zungen reden und musizieren machte.

Aber das wird er nicht tun. Es wird die Freizeitindustrie ein tolles Umsatzplus verzeichnen können, aber das wird es denn wohl sein. Und soll es wohl sein: Schließlich ist Freizeit nur dann keine verlorene Zeit, wenn jemand daran verdient. Sonst gilt sie als liederlich, weil auch für Arme dieselbe.

Nicht das achtstufige Gymnasium ist / war der Feind des Bildungsbürgertums. Es ist das neoliberale Denken, das alles im Leben dem Grundsatz der Nützlichkeit unterwirft. Und genau das ist Bildung nicht: Nützlich. Zumindest ist sie nicht primär darauf ausgerichtet. Muße, die Freude am Schönen – all das hat nun mal keinen „Zweck“, der sich platten marktwirtschaftlichen Prinzipien unterordnet. Und doch hat all dies einen Nutzen für denjenigen, der sich daran zu freuen gelernt hat.

Aber in einer Zeit, in der Theater und Opernhäuser schließen, weil sich für sie keine Förderer finden, und dafür immer plattere Fernsehformate alle so genannten „Kultur“– Preise absahnen, rechne ich nicht mit sonderlich viel Verständnis.

Heutzutage ist man ja schnell des elitären Schnöseltums verdächtig, wenn man Freude an Brahms hat anstatt an Bohlen, wenn man derbe Kölner Klamauk-Clowns nicht lustig findet und Mangas nicht für den Höhepunkt der Malerei hält.

Dass man sich dafür schon entschuldigen muss, ist ein deutliches Symptom dafür, woran das System wirklich krankt.

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