Kinder als lebende Schutzschilde gegen den Flughafen?

Fluglärm

Quelle:Ulla Trampert / pixelio.de

 

Dieser Tage machte eine Entscheidung in Freising die Rede, die bei näherem Hinsehen doch ein wenig an in manchen Ländern des Nahen Ostens gebräuchliche Praktiken erinnert.

Oder wie soll ich die Entscheidung zum Standort der Realschule in Lerchenfeld anders verstehen, auf einem Areal, das im Fall des drohenden Startbahnbaues zur etwa zur Hälfte innerhalb der Schallgrenze von 55 Dezibel erinnert?

Da verkündet der zuständige Landrat, dass man bei der Planung davon ausgegangen sei, dass die dritte Startbahn nicht komme, und dass er den Schulstandort durchaus als politisches Signal verstanden wissen wolle. Ein Verzicht auf den Standort wäre laut Statement eine Kapitulation gewesen.

Na dann.

Also, sprechen wir mal Tacheles: Die Schule wird wider besseres Wissen an einen Ort gestellt, für den eine Sondergenehmigung zum Schulbau vonnöten ist, weil die drohende Lärmbelastung vom Gesetzgeber als für Schüler schädlich gilt. Und zwar ausdrücklich aus dem Grund, um dem berechtigten Widerstand gegen die dritte Startbahn weiteren Nachdruck zu verleihen.

Das erinnert doch stark an eine in manchen Ländern des Nahen Ostens beliebte Praxis, militärische Objekte in der Nähe von Krankenhäusern und Schulen zu positionieren – und dann, wenn was passiert, unter Tränen und Geschrei auf die Gewissenlosigkeit der anderen Seite hinzuweisen.

Na gut, etwas überzogen mag der Vergleich schon sein – immerhin sind die zukünftigen Besucher der Realschule ja nicht in Lebensgefahr.

Aber trotzdem hat so eine Entscheidung doch „a Gschmäckle“. Denn was ist, wenn sie doch kommt, die dritte Starbahn? Immerhin hat sich die bayerische Regierung bislang noch immer über den Bürgerwillen hinweggesetzt, wenn er nicht im Einklang mit den Interessen der Herrschenden war. Siehe den Münchner Bürgerentscheid zur dritten Startbahn: Erst ließ man unter großem Getue eine Volksabstimmung zu, und als sie dann nicht so ausging wie erwünscht, hat man halt kurzerhand angekündigt, sie faktisch zu ignorieren.

Und da unsere geschätzten Freisinger Lokalpolitiker Teil ebendieses Systems sind, sollten sie wissen, wie das hierzulande funktioniert.

Ich finde es einfach nur schäbig, die Schüler der neuen Realschule da mit hineinzuziehen. So werden sie nämlich eventuell am Ende doppelt zu Opfern: zu Hause in ihren fluglärmgeplagten Wohnorten und in der Schule als Einsatz bei einem kranken Wettbewerb des Starrsinns zwischen der Staatsregierung auf der einen Seite und ihren lokalen Interessensvertretern auf der anderen.

Schließlich geht es hier um das Wohlergehen und den schulischen Erfolg unserer Jugend.

Und damit spielt man nicht!

 

Herzlichst, Ihr ABACUS – Team, Dr. M. Fritz.

Quelle:Ulla Trampert / pixelio.de

 

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