Thema: Erziehung

Eltern und Lehrer sollten mehr loben…

Kürzlich las ich in einer Fachzeitschrift, dass es verschiedene Projekte in Schulen zum Thema Loben gibt. Welche Auswirkungen hat das Lob der Eltern auf die Entwicklung und das Lernverhalten bei den Kindern?

Aus der Forschung wissen wir, dass unser “emotionales Gehirn” mehr als 90% unseres Handelns steuert. Aber nicht nur Entscheidungen, sondern auch das Lernen wird durch unsere Gefühle maßgeblich beeinflusst. Wir kennen das doch auch aus unserer eigenen Beobachtung: Werden wir gelobt, haben wir auch mit größeren Anstrengungen wenig Probleme. Ob im Sport oder im Beruf, Loben verleiht unserem Tun Flügel.

Als Lehrkraft oder Eltern müssen wir uns die Frage stellen: Suche ich bei den Kindern nach “Schätzen” oder bin ich der “Polizist”, der nur  die Fehler und Übertretungen im Blick hat?

 

 

In der Kritik und dem Aufdecken von Fehlern, finde ich nicht selten das eigene Versagen wie in einem Spiegel wieder. Welche Gefühle kommen in diesem Moment in  mir hoch?  Ich kann meinen Frust entladen, stelle mich in der Situation auch über das Gegenüber und kontrolliere die Situation. Ich fühle mich in diesem Moment gut!

Aber was passiert bei unseren Kindern oder Jugendlichen, unserem Gegenüber? Schlechte Gefühle und Wut machen sich breit, innere Abwehr und der Wunsch nach Flucht, bestimmen die Situation.

 

Wiederholt sich dieser Prozess, automatisert sich auch ein entsprechendes Verhalten. So kann es zu ständigen Wiederholungen dieser Abläufe kommen und alles frisst sich in die Seele der Betroffenen. Die Worte, die manchmal Verwendung finden, sind  wie giftige Pfeile. Sie bohren sich tief ein und verletzten.

Moment,  werden Sie vielleicht denken. Ich kann doch nicht immer klein beigeben und alles von den Kindern unkommentiert hinnehmen. Das ist damit auch nicht gemeint, ganz im Gegenteil.

Zuerst sollten wir uns über unsere Wortwahl Gedanken machen: Was ist mein Vokabular, wenn ich unter Druck stehe oder so richtig sauer bin. Hilfreich ist es, sich mit dem Thema ” Gewaltfreie Kommunikation” zu beschäftigen. Marshall Rosenberg, der Erfinder der gewaltfreien Kommunikation,  hat zu diesem Thema viele gute Bücher geschrieben und Wege zu einem veränderten  Umgang mit der Sprache aufgezeigt.

Video zur GFK

Diese Veränderung muß erlernt werden und wir können es in unserem Alltag einüben.

Daran sollten wir immer wieder denken: Wir sind Vorbilder in der Schule, in der Familie und generell im Umgang mit Jugendlichen. Was wir Eltern fühlen und wie es kommuniziert wird, prägt unsere Kinder und unser Umfeld.

Der Prozess der Veränderung:

Kennen Sie Muggelsteine? Nein, die haben nichts mit Harry Potter zu tun. Es sind kleine Glassteine in verschiedenen Farben. Schön anzufassen! Nehmen Sie sich doch mal vor, in die linke Hosentasche 10 solcher Steine zu stecken,  immer wenn Sie zu Hause oder im Unterricht ein Kind loben und was gutes und wertschätzendes sagen, wandert ein Stein in die rechte Tasche. Ein Ziel könnte es sein, am Abend alle Steine auf der rechten Seite zu fühlen. Sie glauben das funktioniert nicht? Probieren Sie es doch einfach mal einige Wochen aus.

Üben Sie das Vokabular von Marshall Rosenberg im Alltag und es werden sich Veränderungen und kleine Wunder einstellen.

Wenn sich unser Verhalten und unsere Wahrnehmung vom “Polizisten” zum “Schatzsucher” wendet, dann wird sich auch unser Verhältnis in der Familie, Schule und am Arbeitsplatz spürbar positiv verändern.

Manche unangenehme und aggressive Kinder und Jugendliche wollen eigentlich nur geliebt werden. Für diese Menschen ist  negative Zuwendung besser, als überhaupt keine zu bekommen. Eben ein Schrei nach Liebe!

Nicht nur die Handlung  oder das Tun loben

Nicht nur das, was ein Kind macht können Sie loben. Sie können auch die Person loben: “Du bist der beste Junge, das beste Mädchen, der beste Partner”…

“Ich hätte nicht gedacht, dass du das schaffst”

Kinder nehmen solches Verhalten auch unbewusst wahr. Sie orientieren sich an den Vorbildern und werden es vielleicht irgendwann  kopieren.

Veränderung braucht Zeit

Wir sollten auch nicht sofort die riesigen Veränderungen erwarten. Es wird auch Rückschläge geben. Erlernen eines neuen Umgangs miteinander braucht Zeit und ganz viel Geduld.

Ich habe es häufig erlebt, wie sich die Gesichter der Kinder und Jugendlichen aufhellen, wenn ich etwas positives sage.

 

Herzlichst, Ihr Jürgen Chitralla

 

 

 

3 Kommentare

  1. [...] Als Vater spürt man sofort das “Helfergen” in sich aufblinken, denn der Junge scheint so überhaupt keine Idee zu haben. “Was hat denn der Lehrer an Hilfsmitteln mit gegeben”, fragt der Vater? Maxi schaut ein wenig betroffen zu Boden. Vater und Sohn setzen sich am Wochenende zusammen, stöbern im Internet, lesen Artikel in Zeitungen und Büchern. “Zuerst die Gliederung”, meint der Vater. Nach gefühlten 3 Tagen ist das Referat fertig. Stolz kommt Maxi nach Hause und präsentiert die 2. “Das haben wir doch toll gemacht”,  meint er zu seinem Vater. [...]

  2. [...] die schlechten Noten ihrer Kinder verantwortlich machen. Dazu kommen Kinder, die weder Grenzen noch Disziplin [...]

  3. [...] 30. April fand der internationale Tag zur gewaltfreien Erziehung statt. Bildungsdezernentin Sarah Sorge sagte unmissverständlich, dass Gewalt in der Erziehung von [...]

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