Liebe zur Bildung…?

Liebe Eltern, Liebe Schüler!

Ich kann es nicht mehr hören: immer wieder gern wird der schwarze Peter für die Bildungsmisere den Schwächsten in der Gesellschaft zugeschoben. Das sind vor allem die Armen und die Migranten. Armut scheint schon per se zu schlechterer Bildung zu führen, während sich die Gutsituierten in der vermeintlichen Sicherheit wiegen, ihr Nachwuchs sei vor allen schulischen Fährnissen sicher.

Dabei wird übersehen, dass eine gute Ausbildung ebenso wenig automatisch vererbt wird wie eine Armutskarriere im Hartz IV-System. Die calvinistische Einteilung in die einen, denen Erfolg im Leben von Gottes Gnaden zuteil wird und die anderen, die zu ewiger Bitternis verdammt sind, entbehrt nach modernen Erkenntnissen jeder Grundlage. Aber genauso wenig darf man sich nur auf die üblichen Institutionen wie Schule, Staat etc. verlassen, wenn es um die Zukunft der Kinder geht.

Eine nicht unbeträchtliche Rolle beim Lernen spielt der Stellenwert, den Bildung beim Lernenden einnimmt. Dieser wird jedoch nicht allein von ihm selbst bestimmt, sondern in hohem Maße auch von seinem Umfeld. Hier spielen die Einstellung der Familie, des sonstigen sozialen Umfeldes sowie gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.

Werden Lernen und Wissen in der Familie hoch geschätzt, erhöht das logischerweise die Motivation des Heranwachsenden, sich selbst ebenfalls mit Lerninhalten auseinanderzusetzen. Auf das Einkommen der Eltern kommt es dabei meiner Erfahrung nach nicht so sehr an. Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis viele gebildete Menschen mit eher niedrigem Einkommen, deren Kinder aber trotzdem eine gute Schulbildung genießen. Allerdings ist auch hier entsprechendes Verhalten kein Selbstläufer: die Eltern investieren sehr viel von ihrer Freizeit ins Lernen mit ihrem Nachwuchs. Die Studierfreude ist also nicht erblich – wie einfach wäre das! – sondern rührt aus der einfachen Tatsache, dass die Eltern ihr einen hohen Stellenwert einräumen und ihren Kindern ein Vorbild geben.

Umgekehrt gibt es auch Gutverdiener, die der Bildung ihrer Kinder zwar ebenfalls einen hohen Stellenwert einräumen, ihnen aber dann ein Wertesystem vorleben, in dem alle anderen Betätigungen wichtiger sind. Erfahrungsgemäß beinhaltet eine solche Situation ein gewisses Konfliktpotential: die Schüler haben dann leicht das Gefühl, es werde mit zweierlei Maß gemessen und von ihnen werde etwas verlangt, was der fordernde Elternteil selbst nicht vorlebe. Da Jugendliche oft schon aufgrund altersgemäßer Entwicklung Erfahrungen nicht unbedingt immer richtig einordnen können, auf der anderen Seite aber weitaus kritischer gegenüber vermeintlichen Inkonsequenzen sind als Erwachsene, verlieren sie jegliche Motivation. Ähnlich wie in dem – allerdings sehr geringen! – Prozentsatz an Familien, in denen gute Ausbildung gar keinen Stellenwert hat, wird ihnen letztendlich ein meist am Konsum orientiertes Wertesystem vorgelebt.

Nun ist nicht jeder in der Lage, die Ausbildung seiner Sprösslinge selbst in die Hand zu nehmen. Scheitert es bei dem einen an der eigenen Schulbildung, hat der andere vielleicht schlicht keine Zeit. Letzteres ist oft bei gut ausgebildeten, gut verdienenden Upper-Middle-Class-Eltern der Fall. Für beide Probleme ist ein Nachhilfelehrer die Lösung. Denn längst ist die Nachhilfe nicht mehr nur eine zeitlich begrenzte Krisenintervention, sondern eine dauerhafte Institution.

Ich rede hier nicht davon, sich von der oben genannten Verantwortung „freizukaufen“. Auf der anderen Seite gilt: Angesichts des zunehmenden Drucks des modernen Arbeitslebens wäre es illusorisch, von den Eltern den enormen Zeitaufwand zu erwarten, den Schule nun mal kostet. Aber irgendjemand muss diesen Job machen. Outsourcing nennt man das, und das ist heutzutage in fast allen Lebensbereichen ganz normal.

Um ein Kind zu zeugen, bedarf es zweier Elternteile, doch um es groß zu ziehen, bedarf es eines ganzen Dorfes. Und in dem sollte es nicht zuletzt Lehrer geben.

Herzlichst, Ihr Abacus Team/Dr. M. Fritz!

Hier sehen Sie einen Filmbeitrag  zum Thema:

 

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