Nach der Wahl ist vor der Wahl

Ich weiß nicht, wie es Ihnen in den letzten Wochen ging, aber ich war am Ende doch ganz schön genervt vom ewigen Wahlkampf. Noch mehr aber davon, dass die endlosen Diskussionen um die Gestik der Kanzlerin, die eingebildeten oder echten Fehltritte ihres Herausforderers oder andere teils recht schrille Mitteilungen alle anderen, an sich wichtigeren Herausforderungen ins Abseits drängten oder noch schlimmer: Dass Stillstand herrschte. Alles wurde auf die Zeit nach der Wahl verschoben.

Aber nun, wo der ganze Spuk endlich vorüber ist, können wir hoffen. Nämlich darauf, dass sich endlich wieder etwas tut.

Gerade die drängenden Probleme im Bildungsbereich müssen endlich angegangen werden. Eine Politik der allzu ruhigen Hand kann in der Tat fatal werden, denn je mehr wertvolle Zeit verstreicht, desto schlimmer werden die Auswirkungen auf die heranwachsenden Generationen sein. Sind wir nun für das G 8 oder das G 9? Oder wollen wir eine Zwischenlösung, die jedem die freie Wahl gestattet? Wie sollen die Unterbringungsmöglichkeiten für Schüler jenseits des Hort-Alters geregelt werden? Wollen wir eine Ganztagesschule, die eine Menge Geld kosten wird? Haben wir überhaupt noch genug Geld für den Bildungsbereich? Werden wieder mehr Lehrer verbeamtet werden, oder sollen wir jedes Jahr dieselben Lehrkräfte einstellen, die wir am Ende des letzten Schuljahres in die Arbeitslosigkeit entlassen haben? Und was die ehemaligen Schüler betrifft, denn die wollen wir ja nach der Schule nicht einfach sich selbst überlassen: Wie wollen wir das Universitätssystem regeln? Wie vermeiden, dass die Absolventen der Hochschulen nach dem Studium von einem Praktikum ins nächste geschoben werden, wo sie so lange ausgebeutet werden, bis sie durch einen jüngeren Bewerber ersetzt werden?

Das alles sind drängende Fragen, die keinen weiteren Aufschub dulden.

Und was für die Bundes- und Länderpolitik gilt, gilt in kleinerem Maßstab auch für den Landkreis und die Stadt Freising. Auch hier sind in den nächsten Jahren Entscheidungen und auch Taten fällig, die nun nicht weiter warten dürfen. Ich erinnere nur daran, dass neben dem Bau der Realschule in Au noch weitere Schulprojekte der Zuwendung unserer lokalen Politgrößen bedürfen. Zahlreiche Schulen sind stark renovierungsbedürftig; andere müssen erweitert oder in ihrer Ausstattung auf den neuesten Stand gebracht werden, wenn unsere Kinder dort für ihre Zukunft wettbewerbsfähig gemacht werden sollen. Und schließlich ist zu bedenken, dass der Landkreis Freising zu den wenigen Regionen Deutschlands gehört, denen ein steter Zuzug von jungen Familien bevorsteht.

Mit der Westtangente und anderen Verkehrsprojekten allein wird es nicht getan sein: im Gegenteil, damit fängt es erst an. Neben günstigen und familienfreundlichen Wohnmöglichkeiten müssen auch Infrastrukturmaßnahmen erfolgen, die die Gründung einer Familie ermöglichen. Dazu gehören vor allem Bildungs- und Unterbringungsmöglichkeiten für die Kinder.

Die nächsten Jahre liegt viel Arbeit vor unseren Politikern.

Aber dafür haben wir sie ja gewählt: Wir haben ihnen damit unser Vertrauen ausgesprochen, dass sie die anstehenden Aufgaben bewältigen werden.

Denn eines sollten sie im Taumel der Freude über die gewonnenen Wahlen nicht vergessen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team, Dr. M. Fritz!

 

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