Unsere Teenager werden immer unglücklicher

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Quelle: twinlili / pixelio.de
Teenies am Strand

Zugegeben – sie ist schon eine Zeit her, die Umfrage unter Deutschlands Teenagern. Aber sie hatte es in sich. Unsere Teenager werden immer mehr zu denen, als die wir sie haben wollten. Sie rauchen immer weniger, sie trinken immer weniger, sie lernen mehr, sind ziel- und karriereorientiert und wollen auch später nur das studieren, was Mamas und Papas ihnen aussuchen würden. Die befragten Jugendlichen, so habe ich den Eindruck, wollten den Erwartungen gerecht werden, die wir an sie haben.

Wahrscheinlich hätten sie sogar zugestimmt, den oder die zu heiraten, die ihre Eltern ihnen aussuchen würden. Nur bei der Zufriedenheit mit ihrem Leben, da haben sie endlich mal eine entlarvend ehrliche Antwort gegeben: Sie sind kreuzunglücklich. Vielleicht ist das der Schlüssel zu den anderen Punkten im Fragekatalog: Haben sie am Ende all das angekreuzt, was ihre Eltern freut, damit sie möglichst schnell wieder ihre Ruhe haben?

Diese letzte Antwort sollte uns aufhorchen lassen.

Denn sie zeigt uns, dass wir sie verlieren.

Bisher haben wir Erwachsenen zu sehr darauf geachtet, was aus den Kindern perfekte und marktkonforme kleine Roboter macht. Darüber haben wir vergessen, dass es sich um Persönlichkeiten handelt, Menschen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen.

Oh, keine Angst, ich rede nicht einer Freiheit von Leistung das Wort. Gerade diese ist auch ein wichtiger Bestandteil von Zufriedenheit. Der Nachwuchs kann durchaus in einer nicht rundum nur auf Vergnügen ausgerichteten Gesellschaft gedeihen.

Aber wenn ich einem jungen Menschen das Gefühl gebe, nur seine Noten und Erfolge zählen, während mir seine persönlichen Interessen, Meinungen und Probleme völlig egal sind, muss ich mich über die genannten Ergebnisse nicht wundern.

Wie viele von Ihnen verbringen nach der Schule und dem gemeinsamen Essen erst mal eine halbe Stunde damit, dem Kind oder Jugendlichen zuzuhören. Sie oder ihn reden zu lassen über seine Erfolge, über freudige, aber auch über unerfreuliche Erlebnisse, über Niederlagen oder darüber, wo er sich ungerecht behandelt fühlte an dem Tag? Darüber, was es bewegt? Was es interessiert und was es langweilt?

Kennen Sie Ihr Kind wirklich?

Wo würden Sie es suchen, wenn es nicht nach Hause kommt?

Zwar würden noch relativ viele Eltern kleinerer Kinder diese Fragen beantworten können, doch bei den Eltern von Teenagern sieht das schon ganz anders aus.

Oft genug lebt man nur noch nebeneinander her, manchmal auch in einer Art, die die meisten  Wohngemeinschaften bei ihren Mitbewohnern so nicht akzeptieren würden.

Denken Sie an die Eltern, deren Töchter oder Söhne eines Tages nicht nach Hause gekommen sind. Manche von ihnen mussten mit einem Mal feststellen, wie wenig sie eigentlich über sie wussten. Über Hoffnungen, Träume, Ängste. Schmerzlich wurde manch einem von ihnen bewusst, wie sehr sie sich im Lauf der Jahre voneinander entfremdet hatten. Wie sie das Kind, das einmal ihr ganzer Lebensinhalt gewesen war, schon lange vor seinem Tod verloren hatten. Und dass sie die verlorenen Momente nie wieder würden nachholen können.

Niemand denkt gern darüber nach.

Vielleicht finden Sie in Zukunft kleine Nischen in der täglichen Routine, in denen Sie als Eltern sich ihrem Nachwuchs wieder mehr annähern.

Lernen Sie den jungen Menschen, der in Ihrem Haus wohnt, ruhig etwas näher kennen. Sie werden vielleicht überrascht sein, was für eine tolle Persönlichkeit da bei Ihnen wohnt.

Dann wird auch von Ihnen nach Ihrem Tod einmal mehr übrig bleiben als ein Bankkonto und ein paar Bilder im Fotoalbum.

Letztendlich leben wir alle in und mit unseren Kindern.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

 

 

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