Verständigungsprobleme durch Dialekt?

Es wird mal wieder Zeit, mich bei einigen meiner Leser in die Nesseln zu setzen. Auslöser ist eine Nachricht aus Penzberg, wo sich der Direktor der dortigen Realschule etliche Feinde gemacht haben dürfte mit der Aussage, er halte nichts vom Dialekt im Unterricht.

Dass er – wohl schon aufgrund der Tatsache, dass er selber Dialektsprecher ist – nichts gegen den Dialekt als solchen hat, dürfte bei den reflexartigen aufjaulenden Bayerntümlern dabei untergegangen sein. Schließlich ging es nur um die Frage, ob der Dialekt im Unterricht gepflegt werden oder den Eltern überlassen bleiben solle.

Und natürlich werden, genauso reflexartig, etwas bizarre Studien über die höhere Hirnleistung von Dialektsprechern herangezogen. Wobei außer acht gelassen wird, dass mehr als nur ein paar Einzelstudien nötig sind, um eine Tatsache einwandfrei zu untermauern.

Übrigens – gerade die Klientel, die das Sprechen der bayerischen Mundart am liebsten gleich ins Grundgesetz festschreiben würde, ist oft gar nicht begeistert, wenn Migranten nicht schon nach drei Wochen in Deutschland perfekt Deutsch und ihre eigenen Sprachen tunlichst gar nicht mehr sprechen. Eine solche selektive Sicht der Dinge aber ist in der heutigen, globalisierten Welt nicht vertretbar. Die Zeiten, in denen deutsche Politiker in einem Atemzug die mangelnde sprachliche Anpassung mancher hier lebender Ausländer verdammt und dieselbe mangelnde Integrationsbereitschaft der Aussiedler, die in ihrer osteuropäischen Heimat oft Jahrhunderte die dortigen Landessprachen nicht gelernt haben, als „Festhalten an ihrem Deutschtum“ gelobt haben, sollte doch mittlerweile endlich überwunden sein.

Um gleich vorweg meinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich selbst spreche (auch) Bayerisch und bin durchaus dafür, dass Kinder in bayerischen Familien Bayerisch lernen. Doch ich bin andererseits – wie der Direktor der Penzberger Realschule – eben auch der Meinung, dass die Pflege des Dialektes nicht Aufgabe der Schulen sein kann.

Man kann nicht immer alles dem Staat aufbürden, ein bisschen sollten die Familien schon auch noch selber machen. Und wer darauf Wert legt, dass seine Kinder in dieser Tradition erzogen werden, sollte sich selbst die Mühe machen. Nicht nur, weil eine von oben verordnete Ausrichtung auf den Dialekt als Zwang meines Erachtens abzulehnen ist, sondern auch, weil die Sprache nur Teil einer ganzen Reihe von familiären Traditionen sein kann. Und wer sich die Mühe gibt, dem Kind die Familiengeschichte, die Einhaltung bestimmter Feiertage und die für die jeweilige Familie spezifische Art und Weise, diese zu feiern, nahe zu bringen, wird ihm zweifellos ganz von selbst auch die dazugehörige Sprache beibringen.

Ansonsten ist das alles ohnehin nur dumpfe Bayerntümelei, die sich im Oktoberfestbesuch und einer als gschert falsch verstandenen parterre-bayrischen Redeweise wie im schlimmsten Bauerntheater erschöpft. Und das lohnt sich ohnehin nicht zu erhalten, wenn wir Bayern endlich ernst genommen werden wollen.

Wie wird es denn anderswo gemacht? Abgesehen von den zahlreichen Ländern, in denen die Hochsprache einfach der Dialekt der jeweiligen Hauptstadt ist (so z.B. in Japan), überlässt man in nahezu allen Ländern der Welt die Pflege lokaler Sprachvarianten dem Privatsektor. Ganz ohne staatliche oder halbstaatliche Regelungswut, die gerade viele Bayern ja so stört.

Und leider mache ich in den letzten Jahren zunehmend die Erfahrung, dass viele meiner deutschen Schüler ihren ererbten Dialekt ganz gut können, dafür aber ihre Kenntnis des Hochdeutschen zu wünschen übrig lässt. Gerade die Kenntnisse einfachster Fremdwörter lassen zu wünschen übrig. Was sich dann im Studium verheerend auswirken kann.

Die beste Lösung wäre wohl gegenseitige Toleranz im Sinne der viel beschworenen Libaralitas Bavariae : In der Schule sollten die Lehrer nicht gleich an die Decke gehen, wenn ein Schüler mal was in seinem ererbten Dialekt sagt – das sollte aber bitte nicht nur fürs Bayerische gelten, sondern auch für andere Mundarten, inklusive der in den Plattenbauvierteln gebräuchlichen. Aber langfristig sollte man sich schon auf das Hochdeutsche als Kommunikationsmedium einigen. Denn das ist der Sinn von Sprache.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

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