Bayerns neues Superministerium für Bildung

Na, wenn das mal kein Schleudersitz wird: Ludwig Spaenle steht jetzt an der Spitze des neuen Superministeriums für Bildung, in dem Schul- und Hochschulressorts vereint sind. Über ein Drittel des Staatshaushaltes des Freistaates Bayern wird damit in seinen Händen liegen.

Nur mal so nebenbei – es ist ein erstaunlich hoher Anteil seines Haushaltes, den Bayern in die Bildung steckt.[fblike layout_style='standard' show_faces='true' verb='like' font='arial' color_scheme='light']

Eine Menge Probleme kommt damit auf den Minister zu. Nicht nur die bisherigen Baustellen der bislang getrennten Ministerien, sondern auch die Herkulesaufgabe der Koordinierung zweier Welten, die ineinander greifen. Denn die Schule soll die Schüler studierfähig machen, und die Universitäten sollen Lehrpersonal für die Schulen ausbilden. Und da der Bereich Bildung und Erziehung einer ist, in dem jeder alles besser weiß, beineide ich Herrn Spaenle nicht um seinen Job.

Es sind eine Menge Baustellen, die da in den nächsten Jahren auf ihn zukommen. Er muss eine Lösung für den gordischen Knoten des ungeliebten G8 finden, er muss mit gewaltigen Studentenzahlen an Unis rechnen, die auf diesen Ansturm gar nicht ausgelegt sind, er muss den Wegfall der Studiengebühren ausgleichen, und er muss nicht zuletzt eine weitere gefährliche Altlast schultern. Es mag eine sein, die zuerst ganz harmlos klingt, eigentlich aber eine Grundlage vieler weiterer Bildungsprobleme ist: Denn für viele Schul- und Universitätsgebäude in Bayern läuft die Uhr des Verfalls unaufhörlich. Sanierungen sind daher unumgänglich, und auch die kosten Geld. Eine Menge Geld sogar.

Abgesehen vom Equipment vor allem der naturwissenschaftlichen Lehrsäle, die oft noch auf dem Stand vergangener Dekaden sind, sind manche Gebäude renovierungsbedürftig, ab und an sogar aufgrund ihres Bauzustandes einsturzgefährdet. Sie erinnern sich sicher noch an die Geschichte mit dem Camerloher-Gymnasium in Freising? Das wird es bald öfter geben.

Doch können wir unseren wissenschaftlichen Nachwuchs, ebenso wenig wie unsere Kinder und Jugendlichen, nicht inmitten von Ruinen lernen lassen.

Und auch den aufkommenden Forderungen nach einem vermehrten Ganztagsschulangebot wird man begegnen müssen. Denn entweder, der Staat gibt eine erhebliche Menge an zusätzlichem Geld aus, um ihnen nachzukommen, oder er begegnet ihnen mit guten Gegenargumenten und einem annehmbaren Angebot an all diejenigen, die sich aus diversen  Gründen selbst nicht ganztags um ihre schulpflichtigen Kinder kümmern können. Eine solche Maßnahme könnte z.B. aus einer Erhöhung der Zuschüsse für qualitativ gute  Nachhilfestunden bestehen, damit auch Kinder aus sozial schwachen Familien mit selbst nicht oder nicht gut ausgebildeten Eltern die Chance erhalten, eine höhere Schule zu besuchen und auch erfolgreich abzuschließen.

Daneben tut sich für Herrn Dr. Spaenle noch eine weitere Baustelle auf, die allerdings wenigstens für uns Freisinger aufgrund des ständigen Wachstums im Großraum von München zum Glück kein Thema ist: Die schrumpfenden Schülerzahlen in den ländlichen Klein- und Kleinstschulen und die daraus resultierende Frage, wie man ihren Erhalt noch rechtfertigen bzw. gewährleisten kann. Denn die verbleibenden Schüler wollen verständlicherweise nicht stundenlange Anfahrten in Kauf nehmen müssen, nur um zur Schule zu gelangen.

Ich beneide Herrn Dr. Spaenle also nicht um seinen Posten und wünsche ihm viel Glück, Weisheit und Geschick bei der Ausübung seines Amtes.

Herzlichst, Ihr ABACUS Team/Dr. M. Fritz!

 

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