Bologna: Nur die Besten kommen weiter…

Bologna, die alte Stadt in der Emiglia Romagna, wird von ihren Bewohnern oft bei einem von drei Beinamen genannt: La rossa, „die Rote“, wegen der Farbe der meisten ihrer noch aus dem Mittelalter stammenden Gebäude, la grassa, „die Fette“, wegen der Lage der Stadt in einer landwirtschaftlich außerordentlich reichen Provinz Italiens, und la dotta, „die Gelehrte“, wegen ihrer Universitätstradition: hier stand die erste christliche Universität Europas, seit dem zwölften Jahrhundert haben junge und alte Menschen hier von- und miteinander gelernt und maßgeblich alle geistigen Strömungen des Abendlandes geprägt. An diesem geschichtsträchtigen Ort unterzeichneten am 19. Juni 1999 die Bildungsminister von 29 Nationen einen Beschluss, an dessen Ende die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes stehen sollte.

Doch in Wahrheit kam es wohl ganz anders…

Nach Aussage des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, hat gerade die Bologna-Reform zu einem Niedergang des einst hohen Niveaus der Universitäten geführt.

(Link: Die Tendenz zur Verschulung und die kürzeren Studienzeiten haben die angestrebte bessere Qualifizierung für den Arbeitsmarkt eher behindert, zunehmend bleibe die Bildung, die immer auch Persönlichkeitsbildung ist, auf der Strecke. Zudem sei das Selbstvertrauen der Studenten, sich im Ausland zu behaupten, gesunken, das Studium somit provinzieller geworden.

Auch wenn die Bildungsministerin Annette Schavan dem obersten Bildungshüter der Bundesrepublik entschieden widerspricht – nicht ungewöhnlich im sensiblen Bereich der Bildungspolitik – lässt seine Kritik doch aufhorchen.

Haben wir es mit einer „lost generation“ zu tun?

Sicherlich haben die jungen Menschen heute weniger Zeit, sich das für ein Studium vorgesehene Wissen anzueignen und ein fundiertes Wissensgebäude aufzubauen als noch in den neunziger Jahren. Auch das früher nur zu gern strapazierte Schlagwort von der „Selbstfindung“ ist sicherlich eher eine Vokabel ihrer Elterngeneration geblieben. Die künftigen Studenten – das sind die Schüler von heute – müssen dank G8 schon in der Schulzeit sehr viel mehr Fakten in sehr viel kürzerer Zeit aufnehmen als frühere Schülergenerationen. Und die ersten Generationen von Abiturienten des verkürzten Gymnasiums drängen erst jetzt ins Studium; noch niemand kann die psychischen und emotionalen Folgen einer solchen Hetzjagd durch die heiligen Hallen der Wissenschaft jetzt schon absehen.

Doch wie es auch sei – die demographischen Faktoren und die enorme jährliche Zunahme an Faktenwissen in den einzelnen Wissenszweigen lassen weder eine Reduzierung des Lehrstoffs noch eine Verlängerung der Studienzeiten zu. Auch wird immer weniger Platz sein für all die Unwägbarkeiten des Schicksals, die während der Studienzeit eintreten könnten. Gerade diese Hürden führen dann neben der persönlichen unmittelbaren Katastrophe von Krankheit, Verlust oder Schmerz auch oft noch zum weiteren Verlust der gesamten beruflichen Zukunft. In einer Gesellschaft, die bis ins Letzte marktkonform zu sein hat, diktiert der Markt Konformität.

Gerade die frühzeitige Intensivierung des Wissenserwerbs im individuellen Rahmen, wie ihn die Schule kaum mehr leisten wird können, wird in Zukunft entscheidend dazu beitragen, beizeiten solide Denkgebäude zu schaffen und damit letztendlich auch Freiräume, die Schüler und Studenten für ihre Entwicklung brauchen. Nur wenn Faktenwissen nachhaltig erlernt und verstanden wurde, anstatt immer wieder Wissensfetzen kurz „auf die nächste Schulaufgabe“ zu lernen und danach wieder zu vergessen, kann Lernzeit effektiv genutzt werden. Denn irgendwann muss das verlorene Wissen sonst wieder zeit- und lernaufwändig neu erworben werden. Bei einer konstanten, auf den Entwicklungs- und Wissensstand des jeweiligen Schülers abgestimmten Betreuung hingegen bietet sich die Möglichkeit, das neu erworbene Wissen sinnvoll in ein geordnetes Ganzes zu integrieren.

Und ist das nicht auch das eigentliche Ziel von Bildung?

 

Herzlichst,
Ihr Einzelnachhilfe-Experte von ABACUS-Nachhilfe für die Landkreise Dingolfing-Landau, Freising, Landshut, Rottal-Inn und Straubing-Bogen

Jürgen Chitralla!

 

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Ein Kommentar

  1. [...] nicht unbeträchtliche Rolle beim Lernen spielt der Stellenwert, den Bildung beim Lernenden einnimmt. Dieser wird jedoch nicht allein von [...]

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