Chinesisch statt Latein?

 

Neben Englisch und Französisch stellt Latein noch immer eine der wichtigsten Sprachen, die an deutschen Schulen unterrichtet werden. Allerdings wird man sich schnell fragen, wozu diese ‘tote Sprache’ in unserer heutigen globalisierten Welt noch gut sein möge.

Latein genießt aber nicht nur an der Schule einen hohen Stellenwert. So ist ein Latinum (zumindest das kleine) Zulassungsvoraussetzung für viele Fächer an den Universitäten, wie natürlich den romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Rumänisch, etc.), aber auch Englisch. Wozu, fragen sich da viele Studenten. Denn wer Latein in der Schule nie hatte, muss bei entsprechendem Studienwunsch das Latinum nachholen. Und das, wo ja Latein so schwer sein soll. Berechtigt also, dessen Stellenwert in Frage zu stellen.

Hauptkritikpunkt neben der mühsamen Aneignung ist natürlich der funktionale Aspekt. Es fehlen einfach Anwendungsbereiche, eine Sprache sollte auch gesprochen werden können. Das ist mit dem Lateinischen natürlich nicht gegeben, da – im Normalfall – auch nur das geschriebene klassische Latein unterrichtet wird (wie ein Unterricht des Sprechlateinischen wohl aussehen möge?). Was nutzen einem also grammatische Strukturen, die mühsam gelernt werden müssen. Ein Bewerber, der den AcI* perfekt beherrscht, ist für einen späteren Arbeitgeber normalerweise nur in bedingtem Maße von Nutzen.

 

 

Was bewegt denn immer noch so viele Schüler in Deutschland dazu, Latein zu wählen? Sicherlich haben viele noch im Hinterkopf, es könnte ja für das Studium gebraucht werden. Unterrichtende unterstreichen häufig, dass Lateinkenntnisse ungemein hilfreich seien, wenn man eine weitere Sprache lernt. Und auch für das Deutsche soll Latein wichtige Grundkenntnisse vermitteln. Damit haben sie sicherlich recht, obwohl Deutsch zur germanischen Sprachfamilie gehört. Die sich doch zu einem gewissen Grad deckenden grammatikalischen Strukturen, sowie Parallelen in der Wortbildung sind hier besonders gemeint. Somit könnte es insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund hilfreich sein, Lateinkenntnisse zu besitzen. Das Deutschlernen könnte ihnen leichter fallen.

Allerdings haben Bildungsexperten bereits darauf hingewiesen, SchülerInnen sollten doch eher zu ‘lebenden Sprachen’ tendieren. Doch nicht nur Spanisch oder Portugiesisch sollten in die engere Auswahl geraten, auch Exoten wie Russisch oder Chinesisch seien zukunftsträchtig. Wenn man sich einmal die globalen Relationen Deutschlands ansieht, so wird das schnell klar, allerdings bleibt hier der Zweifel, ob diese Sprachen nicht zu schwer seien. Schließlich sollte ja auch eine entsprechende Note im Zeugnis stehen.

Ob der allgemeine Trend sich weiter weg vom Latein bewegen wird, bleibt abzuwarten. Noch ist wohl zu viel für und wider in beiderlei Hinsicht, als dass eine Bereitschaft zum Wechseln zustande käme. So bleiben SchülerInnen doch wohl eher noch bei alt bewährtem. Die Globalisierung allerdings fordert ein Umdenken.

*Accusativus cum Infinitivo (‚Akkusativ mit Infinitiv’; ein sehr bekanntes Beispiel hierfür ist Socrates’ Ausspruch: Scio me nihil scire ‚Ich weiß, dass ich nichts weiß’)

Weiterlesen unter: http://www.derwesten.de/politik/schueler-sollen-lieber-spanisch-oder-chinesisch-statt-latein-lernen-id6585877.html

Ein Kommentar

  1. Ali Yildirim sagt:

    Ich wusste nicht, dass Latein noch so nachgefragt ist. Hatte eher das Gefühl, dass jüngere Generationen kein Interesse mehr an Latein haben. Was ich persönlich bedauerte.

    Wir haben auf unserer Plattform sowohl Latein- als auch Chinesisch-Lernkarten. Ich muss aber gestehen, dass Chinesisch gefragter ist.

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