Gütesiegel auch für Schulen?

 

Ein erst kürzlich veröffentlichter Artikel zur Bewertung des deutschen Schulsystems wirft einen interessanten Vorschlag auf. Der Autor Rainer Werner, ein pensionierter Lehrer, findet, dass auch Schulen weitreichenderen Kontrollen unterworfen werden sollten, wird in Deutschland ja so ziemlich alles akribisch genau geprüft. Er sieht die Einführung des PISA-Tests als entscheidende Wende, da seiner Meinung nach in den vorangegangenen Jahrzehnten eine Lehrkraft ohne Kontrollen im Klassenzimmer nach Belieben schalten und walten konnte: die akademische Ausbildung der Lehrkräfte sei umstandslos mit der Qualität des Unterrichts gleichgesetzt worden.

Dabei sieht er externe Kontrollen als durchaus notwendig. Auf diesem Wege kann gleichzeitig auch der Lehrkraft geholfen werden, Missstände zu umgehen, die im ersten Moment gar nicht offensichtlich erscheinen. Nach vielen Jahren Lehrerfahrung schleichen sich schnell Automatismen ein, die man nur schwer wieder ablegen kann. Wer, wenn nicht geschultes Aufsichtspersonal, sollte hier Abhilfe schaffen können? 12 Jahre nach Einführung des PISA-Tests sei das Zauberwort ’Evaluation’ in aller Munde und bei Schulen kein Tabuthema mehr.

 

Ein Blick auf die Ergebnisse eben jenen Tests verdeutlicht, dass im ’Bildungsland Deutschland’ nicht alles reibungslos abläuft. In allen drei geprüften Grundkompetenzen (Lesen, mathematische und naturwissenschaftliche Grundkenntnisse) belegten deutsche SchülerInnen jeweils enttäuschende Plätze (22, 21,21). Um dem entgegenzuwirken, haben die Bildungspolitiker auch schon reagiert. Neben dem viel diskutierten G8 steht aber auch das Konzept einer Gesamtschule, sprich Haupt- und Realschule zu vereinen. Hierdurch wurde den Eltern vermittelt, dass das „längere gemeinsame Lernen“ sich positiv auf die Kinder auswirken würde, wobei Leistungsdefizite an den Gesamtschulen weitestgehend verschwiegen worden seien, so Werner. Und das kommt auch im PISA-Test zum Ausdruck: Die Bundesländer, die auf die Gesamtschule setzen, schnitten schlechter ab als die, die es nicht tun. Allein hieran zeigt sich schon, dass externe Schulbewertungen durchaus Aufschluss über das Gelingen oder Nicht-Gelingen eines Systems ist. Verständlich also, dass Werner sehr für einheitliche Qualitätskontrollen plädiert.

 

Auch über das gegliederte Schulsystem nennt er ein paar interessante Fakten am Beispiel Bayern. Das größte Bundesland hält nach wie vor an der Trennung Haupt- und Realschule fest und fahre damit wesentlich besser. Es gebe dort Hauptschulen, bei denen sämtliche Absolventen eine Lehrstelle erhalten. Aufgrund dessen ruft Werner dazu auf, die Gleichstellungsvorstellungen aus der Sozialpolitik nicht auf die Schule zu übertragen. Intelligenz sei schlichtweg nicht einheitlich verteilt und SchülerInnen sollten entsprechend ihrer Stärken und Schwächen gefördert werden. Sie also alle in einen ‚Topf’ zu werfen, erreicht da anscheinend genau das Gegenteil.

 

Was bei all der Evaluation von Schulen zu beachten ist, ist, dass sich ein gewisses Vorurteil gegenüber der ‚niedrigen’ Hauptschulen eingestellt hat. ‚Nur’ den Quali zu haben, ist sicherlich ein Denken, das nicht selten Ausdruck findet. Muss es denn immer das Gymnasium sein? Ist dies wirklich das Beste für jeden Lernenden?

 

Gerade hier könnten die einheitlichen Bewertungen, wie Werner sie fordert, hilfreich sein. So könnte besser entschieden werden, welche Schulart sich am besten für ein Kind eignet. Trotz allem bleiben die Ansprüche aber hoch, was er als positiv sieht: „Von Schülern Leistung zu verlangen, ist nicht unmenschlich, sondern Ausdruck der Wertschätzung der geistigen Gaben unserer Kinder.“

 

http://www.welt.de/print/die_welt/article108766965/Guetesiegel-fuer-die-Schulen.html

Herzlichst, Ihr ABACUS Team!

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