Integrationsprobleme…

Wie ein aktueller Bericht im Auftrag des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration ergab, wenden deutsche Eltern anscheinend zunehmend alle Tricks und Mittel an, damit ihre Kinder unter sich bleiben. Man möchte nicht, dass sie mit Kindern mit einem Migrationshintergrund aufwachsen. Vorgeblich weil man ein schlechteres Niveau der betreffenden Schulen fürchtet, schickt man sie nicht mehr in den eigenen Schulsprengel, sondern oft weit weg.

Und bestimmt will keiner der betreffenden Erwachsenen zugeben, dass da wohl handfeste Vorurteile, um nicht zu sagen schlecht versteckter Rassismus, im Spiel sind. Schützenhilfe erhalten sie nicht zuletzt von einer Ministerin, die kurz nach ihrem Amtsantritt in einem unglaublich dummen Statement bestritten hat, dass es in Deutschland ein Problem mit Ausländerfeindlichkeit gebe. Dafür will sie ein Problem mit deutschfeindlichen Ausländern sehen. Sie selbst wäre ja schon mal als „deutsche Kartoffel“ bezeichnet worden. Hat diese Frau jemals ihren Elfenbeinturm verlassen und mitbekommen, was sich Menschen mit Migrationshintergrund so alles bieten lassen müssen?

Kurz gesagt: Eine breite gesellschaftliche Mehrheit möchte eigentlich vermeiden, dass die eigenen Kinder mit den „anderen“ allzu sehr Kontakt haben. Das hat nach meiner Erfahrung wenig mit dem gern vorgebrachten Argument zu tun, die ausländischen Kinder würden dem Unterricht nicht folgen können und damit alle anderen in ihrem schulischen Fortkommen behindern. Es ist leider eher so, dass in Deutschland Ausländer an sich ganz allgemein als Behinderung gesehen werden. Aber da wir hierzulande von der Globalisierung ganz gut profitieren, will man das natürlich nicht allzu offen kommunizieren. Stattdessen lässt man es die Betroffenen eben spüren. Das beginnt schon damit, dass man den ausländischen Mitbürgern nie sagt, was eigentlich von ihnen erwartet wird. Es gibt keine positive Definition dessen, wann ein Ausländer als „integriert“ gilt. Stattdessen werden die armen Menschen immer wieder mit dem Totschlagargument „Das ist jetzt aber nicht mit unserem Wertesystem vereinbar!“ konfrontiert – und das oft genug in Belangen, die niemanden auch nur das Geringste angehen.  Der Spruch ist einfach eine bequeme Waffe, um den Gegenüber zu verunsichern, klein zu halten, fertig zu machen. Man muss sich die Integrationsdebatte der letzten Jahre nur ansehen, um zu wissen, wie die Machtverhältnisse verteilt sind: Sehr schnell war man sich einig, dass man zwar ÜBER, aber nicht MIT den betroffenen Ausländern sprach. Ein Beispiel? Sehen Sie sich mal eine beliebige Debatte über das Thema „Muslimische Frauen in Deutschland“ an. In zwei Dritteln der Fälle werden Sie zwar keine Muslima sehen, dafür aber werden Alice Schwarzer, Henryk M. Broder und ihresgleichen ihre zuweilen unerträglichen Ansichten laut quäkend in die Kamera trompeten. Und zwar nach der neuen deutschen Medienregel, je schriller, desto besser. Die arabische Frauenrechtlerin Fatema Mernissi hat zu Recht einmal bemerkt, dass die beiden Hauptgegner der arabischen Frauenbewegung die arabischen Männer und die westliche Frauenbewegung wären. Deren Exponentinnen maßen sich ja ganz gern an, über die Probleme der Frauen aus dem islamischen Kulturkreis besser bescheid zu wissen als die Betroffenen selbst. Wenn die Objekte dieses Diskurses dann keine solchen mehr sein wollen und lieber aktiv den jeweiligen Ansichten widersprechen, entlädt sich mit frustrierender Regelmäßigkeit ein Strom von Vorurteilen und Unterstellungen aus dem Munde ihrer selbsternannten Befreierinnen. Das ist, und darüber muss man sich klar sein, schlimmste postkoloniale Tradition. Immer wieder bin ich entsetzt über das beträchtliche Maß an unverhohlenem Chauvinismus, das selbst bei Zeitgenossen zutage tritt, die einmal in der linken Bewegung der 68er angefangen haben! Die Schlagworte, die solche Leute in die Ohren und Hirne der Fernsehzuschauer gesetzt haben, wirken weiter. Sie meinen ihre Kinder „schützen“ zu müssen – wovor auch immer.

Machen wir uns nichts vor – wir haben ein Rassismusproblem in diesem Land! Dass eine Bande von Neonazi-Terroristen hier jahrelang ungestört morden konnte, ist die Spitze des Eisberges und war nur deshalb möglich, weil wir alle, nicht nur die Behörden, weggesehen haben. Noch immer schenken viel zu wenige Deutsche diesem Fall die Aufmerksamkeit, die dieser Skandal verdient! Stattdessen hat jeder noch ein paar Horrorgeschichten vom bösen Ausländer parat. Gegen den Arbeitskollegen oder Nachbarn, den man seit Jahren kennt, hat man ja nichts, aber der ist schließlich ganz anders als all die anderen… Wissen Sie eigentlich, dass schon zur Zeit des Hitlerfaschismus viele Deutsche so über ihre jüdischen Nachbarn gedacht haben? Und wir wissen ja, wohin das alles führte.

Jetzt werden viele meiner Leser aufheulen und sagen: „Typisch, jetzt holt er die Nazikeule raus!“. Verdammt noch mal, die kann man gar nicht oft genug rausholen, wenn die Leute bis heute anscheinend nichts dazugelernt haben!

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

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