Kleine Menschen, große Sorgen…

Ein Drittel aller Grundschüler der Klassen zwei und drei leiden unter Schulstress (LINK: http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/studie-zur-gesundheit-von-kindern-viele-schueler-leiden-unter-stress-a-868476.html ). Dieser Faktor überwiegt sogar noch den seelischen Druck, den häuslicher Ärger oder Streit mit Freunden verursachen.

Dabei scheint sich herauszukristallisieren, dass ein wesentlicher Faktor für den enormen Druck im Unterricht die allzu frühe Auslese bei der Verteilung der Schüler auf weiterführende Schulen ist.

Tatsächlich, auch als Nachhilfelehrer weiß man da ein Lied davon zu singen. Es kommt zuweilen vor, dass bereits Zweitklassler mit Hilfe von Nachhilfeunterricht auf das Übertrittszeugnis vorbereitet werden sollen. Bei Drittklasslern ist es gar nicht mal selten.

Das muss man sich einmal vorstellen!

Der enorme Leistungsdruck und die immer härteren Ausleseverfahren kommen so immer früher bei den Kindern an. In einem Alter, in dem man dem Kind besser die Liebe zur Bildung beibringen sollte, und in dem man von ihrer zarten, verletzbaren Psyche alle schädlichen Einflüsse fernhalten sollte, haben in Deutschland lebende Schüler also bereits denselben Stress wie ihre berufstätigen Eltern.

Dass solche gesellschaftlichen Erscheinungen sich dann auch zunehmend in Verhaltensauffälligkeiten niederschlagen, liegt auf der Hand. Wie viele kleine Kinder müssen heute zusätzlich zum Schulunterricht und den überbordenden Hausaufgaben bereits Stunden beim Logopäden, Bewegungstherapeuten oder anderen Heilberufen nehmen. Das schafft zusätzlichen Stress. Und auf den reagieren die Kinder mit weiteren, stärkeren Symptomen. Dabei verstehen die Erwachsenen oft nicht, dass sich die in der Entwicklung befindliche kindliche Psyche eben jeglichem gesellschaftlichen Wunsch nach Uniformität entzieht; wenn in ihrer Entwicklung nicht oder nicht genug auf ihre individuellen Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, sendet das Gehirn einen Hilferuf. Dann gerät das Verhalten außer Kontrolle. Dabei ist auffälliges Verhalten nichts weiter als ein Hilferuf – wie sonst sollte sich ein Kind artikulieren? Ihm fehlt ja der nötige Wortschatz, um sich dem erwachsenen Gegenüber begreifbar zu machen. Allzu oft, wenn Erwachsene meinen, einem Kind zuzuhören, achten sie nur auf Anzeichen für die Bestätigung ihrer vorgefassten Meinungen. Das gilt übrigens auch für das Verhaltenen der Erwachsenen untereinander: Wer von uns hat nicht schon während einer TV-Debatte, politischen Diskussion etc. bemerkt, dass die Beteiligten gar nicht auf die Argumente ihres Gegenübers eingehen, sondern lediglich einzelne Worte und Sätze herauspicken, die sie dann mit schlagwortartigen Allgemeinplätzen reflexartig  „herunterbügeln“. Wir haben es also mit einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen zu tun, das sich lediglich bei den Schwächsten der Gesellschaft in deutlicher Weise manifestiert.

Vielleicht wäre ein erster Schritt, dass wir alle wieder das Zuhören erlernen?

Doch damit sollte es nicht getan sein.

Der nächste Schritt wäre dann ein gemeinsames Nachdenken, wie wir zu einer Grundschule gelangen können, die den Kleinen wieder Spaß macht.

Ich bin sicher, dass gefestigte Kinder, die während einer längeren Grundschulzeit schonend, aber konsequent an eine bestimmte Lernmethodik herangeführt werden, im späteren Unterricht an der weiterführenden Schule sich als leistungsbereite Schülern erweisen. Doch dazu müssen sie erst auch einige rudimentäre Strategien entwickelt haben, mit Stress umzugehen.

Und darin liegt m.E. nun mal – neben Vermittlung grundlegender Kenntnisse im Lesen, der Rechtschreibung und Rechnen – die wichtigste Aufgabe der Grundschule. Für alles andere ist die weiterführende Schule da.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/ Dr. M. Fritz!

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