Kleiner Leitfaden zum Lateinunterricht…

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Quelle: Ich-und-Du / pixelio.de

Zu den Fächern, die die SchülerInnen am langweiligsten finden, gehört vermutlich das Fach Latein. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Kaum einer von ihnen findet einen Sinn darin.

„Die Leute sind schließlich schon lange tot, was gehen sie mich also an?“, denkt vermutlich nicht nur so mancher Pennäler. Auch von den Eltern ist ab und an ein ähnliches Statement zu vernehmen.

Ganz verdenken kann ich es ihnen nicht. „Latein lebt!“ ist ein oft gehörtes Schlagwort, das leider selbst von vielen Lehrern nicht ernst genommen wird. Obendrein liegt es am Lesestoff: Was soll interessant sein an einer Sprache, in der es gefühlte 20 Wörter fürs Töten, aber kein einziges für „Spaß haben“ gibt? Letztere gibt es zwar, sie werden aber unter altertümlich-angestaubten Übersetzungen wie „Freude empfinden, sich erfreuen“ oder „Freude, Fröhlichkeit“ schamvoll versteckt. Hand aufs Herz: Würden Sie in einen Vergnügungspark fahren, der Ihnen und Ihrer Familie „einen Tag voller Fröhlichkeit“ verspricht? Vermutlich nicht. Lesen Sie hingegen „Fun und jede Menge Spaß garantiert“, dann werden Sie wohl eher hellhörig.

Ein PR-Berater würde dem Fach vermutlich ein Imageproblem bescheinigen und die Ursache dafür höchstwahrscheinlich nicht zuletzt beim Personal ausmachen. Lateinlehrer sind nicht cool. Lateinlehrer sind weltfremde Männer mit seltsamem Humor und ältliche Jungfern. Selbst in jungen Jahren wirken sie älter als jeder Sportlehrer kurz vor dem Ruhestand. Und wer will schon etwas wissen von einem Fach, das samt und sonders von früh vergreisten, humorlosen Bücherwürmern betrieben zu werden scheint?

Schuld daran ist die Geschichte des Faches: Die Auswahl der an Schulen zirkulierenden lateinischen Texte wurde vermutlich bereits in der Kaiserzeit getroffen, als man die Knaben und Jünglinge (so hießen die Jungs zu dieser Zeit!) bereits in der Schulzeit ideologisch auf eine Karriere im preußischen Militärstaat vorbereiten wollte. Mädchen galten ohnehin nicht als fähig, Latein zu begreifen. Die sollten gar nicht aufs Gymnasium, sondern auf die Schule für höhere Töchter, wo man sie auf ein Leben als Mutter und Herrin eines Haushaltes einstimmte. Kein Wunder, dass das Fach nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheint!

Dabei gibt es wirklich spannende lateinische Literatur. Und selbst die scheinbar öden Kriegsberichte römischer Autoren können interessant werden, wenn man sie richtig darstellt. Die Mädchen und Jungen von Heute wollen allerdings nicht mehr die Belehrung über die moralische Festigkeit und Vorbildlichkeit der Feldherren oder der Soldaten – solche Exkurse wirken heute zu Recht suspekt. Eine Generation, die begeistert Egoshooter im Internet spielt, hat einen etwas anderen Zugang zu den antiken Schilderungen von Gewaltexzessen und Brutalität. Langweilig finden sie sie prinzipiell dennoch nicht. Ihnen fehlt meist nur der Bezug zur eigenen Realität, in diesem Fall der der virtuellen Welt.

Glücklicherweise ist man in den letzten Jahren auch vermehrt dazu übergegangen, in den höheren Klassen auch aus der „Liebeskunst“ des Ovid oder ähnlichen Werken zu übersetzen, was früher aufgrund unterstellter „Schlüpfrigkeit“ des Themas unterlassen wurde.

Dass auch die Römer Menschen waren, die atmeten, lebten und liebten, die spielten und scherzten, dies zu vermitteln ist die wichtigste Voraussetzung für einen interessanten Lateinunterricht.

Soweit zur Theorie.

Und was machen, wenn trotzdem alles beim alten Unterricht bleibt?

Darauf werden wir im nächsten Teil dieser Miniserie zu sprechen kommen. Mit Tipps, wie man auch für ein langweiliges Fach lernen kann und dabei den Stoff behält.

Und vor allem mit Tipps zum Übersetzen!

Herzlichts, Ihr Abacus Team/Dr. M. Fritz!

 

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