Homeschooling

Stellen Eltern fest, dass deren Sprösslinge nicht gern in den Kindergarten gehen, aus welchen Gründen auch immer, so können sie ohne weiteres entscheiden, sie dort nicht mehr hinzuschicken. Dann übernimmt also ein Elternteil die Aufgaben der Kindergärtner. In der Schule geht das allerdings nicht so leicht. Da wir in Deutschland eine Schulpflicht von 9 Jahren haben, können Eltern nicht einfach bestimmen, ihr Kind dort nicht mehr hinzuschicken. Anders ist das in den USA. Hier hat sich in den letzten Jahren das so genannte homeschooling immer weiter verbreitet, rund zwei Millionen Kinder werden dort zuhause und nicht mehr in der Schule unterrichtet.

Grob umrissen sieht das dann so aus, dass die Eltern einen gewissen Lehrplan von einer Art Fernschule erhalten und selbst die Inhalte vermitteln. Hierbei sind sie an keinerlei Vorgaben gebunden, es gibt weder Hausaufgaben, noch Noten, noch Zeugnisse. Die Zeiteinteilung bleibt da völlig in der Verantwortung der Eltern, die sich damit brüsten, viele Kapazitäten auch für außerschulische Aktivitäten aufbringen zu können, wie zum Beispiel Bogenschießen, Schlittschuhlaufen oder Fußballspielen. Ein Argument dafür ist, dass deren Sprösslinge schlichtweg gelangweilt waren von der Schule und kein schönes Leben mehr hatten. Diese sei ohnehin nur ein künstliches Konstrukt, die Wirklichkeit finde draußen statt.

Tatsächlich gibt es Lernende, die einfach in der Schule nicht Fuß fassen können. Sie können dann aber zuhause in einer ruhigen und bekannten Umgebung lernen, was für sie tatsächlich von Vorteil sein kann. Es gibt mehr Zeit für praktische Dinge und kann somit mehr Fertigkeiten in die verschiedensten Richtungen entwickeln. Auch Mobbing und Hänseleien sind kein Thema mehr, man kann ebenso ein individuelles Lerntempo vorgeben. Natürlich lässt sich die Liste der Vorteile noch weiterführen und das auch zu Recht. Doch sollte man nicht vergessen, dass bei dieser Form der Lehre doch wichtige Inhalte einer Entwicklung verloren gehen.

Schon allein das Lernen in einer Klassengemeinschaft fordert von SchülerInnen Teamfähigkeit und Kooperationsvermögen. Wo sonst sollten sie das nachhaltig lernen, wenn nicht in der Schule? Gerade für den späteren Berufsweg sind dies Schlüsselqualifikationen, die nicht zu ersetzen sind. Sozialkompetenzen allgemein können nur nachhaltig durch das Anwenden erlangt werden. Es erscheint ein wenig, als ziehe man die Handbremse und behaupte, das Kind erleide durch die Schule nur Schaden. Doch das kann man später im Leben auch nicht machen, insofern sollte wohl doch eine gewisse Herausforderung bestehen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was genau der Schulabschluss denn ist, mit dem sich die Lernenden später einmal bei Universitäten oder Arbeitgebern bewerben. Liegt nicht nahe, dass eher diejenigen bevorzugt werden, die auf einer ‚richtigen’ Schule waren? Ebenso stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit der Stoffvermittlung. Zwar gibt es Prüfungen am Ende eines ‚Schuljahres’ seitens dieser Lehrpläne der Fernschulen, doch welche Aussagekraft haben diese im Vergleich zu kontinuierlich stattfindenden Leistungserhebungen?

Natürlich bedeutet homeschooling, dass mindestens ein Elternteil die Zeit zum Unterrichten aufbringen kann. Das ist natürlich verbunden mit Verdiensteinbußen.

Man kann nun Befürworter sein oder den Kopf schütteln, für beide Seiten finden sich sicher gute Argumente. Doch aus unserer Sicht würde sich die Frage wohl gar nicht erst stellen, ob man das Kind aus der Schule nimmt oder nicht und das nicht nur deshalb, weil es hier illegal wäre. Schule ist doch Teil eines immens wichtigen Lebensabschnittes in der Entwicklung und sollte nicht so einfach unter den Tisch fallen. Denn wie viele Menschen auf der Welt hätten liebend gern die Möglichkeit zu lernen und eine Schule zu besuchen? Es ist schlichtweg ein Privileg. Verständlich aber auch, dass Lernende es noch nicht so sehr wertschätzen können. Das kommt dann meistens erst in späteren Jahren. Nicht dass es den ‚homeschoolern’ irgendwann auch so geht.

Herzlichst, Ihr Abacus Team!

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Ein Kommentar

  1. Ich muss sagen, dass auch ich mir eine Kindheit ohne Schule nicht vorstellen kann. Ich denke, dass die Schulzeit eine immense soziale Erfahrung ist, die sehr wertvoll ist. Auch sind sicherlich nicht alle Eltern geeignet, ein solches homeschooling duchzuführen, obwohl diese das natürlich anders sehen. Ich denke, die Gefahr besteht, dass das Wissen hier zu subjektiv vermittelt wird. Bei Problemen in der Schule können Eltern meiner Meinung nach immer noch helfen und ihrem Kind Nachhilfe bieten.

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