Wissen über deutsche Geschichte lässt zu wünschen übrig…

Eines der wohl am häufigsten im Geschichtsunterricht angesprochenen Themen ist der Zweite Weltkrieg. Natürlich verbindet Deutschland damit ein dunkles Kapitel der Vergangenheit und so werden auch NS-Zeit und die Teilung und Wiedervereinigung oft behandelt. Umso überraschender erscheint nun das Ergebnis einer Studie, der zufolge deutsche SchülerInnen nur über mangelndes Wissen verfügten, insbesondere in Bezug auf Staatsformen und Menschenrechte: zwischen Nationalsozialismus, DDR und Bundesrepublik sahen rund 40 Prozent kaum Unterschiede.

Was ist der Grund für diese Ergebnisse, die Wissenschaftler alarmiert? Da ja der Geschichtsunterricht fester Bestandteil des Lehrplans ist, und somit auch genau diese Zeitspanne, lässt sich eine nicht adäquate Vermittlung des Stoffes vermuten. Andererseits könnte auch ein gewisses Desinteresse seitens der SchülerInnen ausschlaggebend dafür sein. Sicherlich muss von Schule zu Schule differenziert werden. Tendenziell gab ein Großteil der Probanden allerdings an, dass gerade diese der Ort sei, wo sie ihr Geschichtswissen vermittelt bekämen. Darüber hinaus ließ sich ein generelles Interesse an den Geschehnissen in der Vergangenheit festmachen.

Womöglich sind die Ursachen an anderer Stelle zu suchen. So gut der Stoff auch vermittelt wird und so sehr sich Lernende dafür interessieren, so bleibt doch immer noch ein gutes Stück nicht abgedeckt. Hierbei über die Schule hinaus zu recherchieren, machen wohl die wenigsten. Das Fach Geschichte genießt dafür vielleicht schlichtweg zu wenig Priorität, d.h. dass es sich immer mehr zu einem reinen ’Auswendiglern-Fach’ entwickelt hat. Eine gewisse Bandbreite an Grundwissen wird somit zwar vermittelt, Hintergründe und Zusammenhänge bleiben jedoch eher außen vor. Ganz abgesehen davon, dass ein auf diese Weise angeeignetes Wissen nach Ablegen der Prüfung ohnehin schneller in Vergessenheit gerät. Ähnliches könne man auch für das Fach Sozialkunde festhalten.

Was auch oft in den Unterricht integriert wird, sind Besuche in Gedenkstätten. Dies ist insofern pädagogisch wertvoll, als SchülerInnen eine willkommene Abwechslung geboten wird und in dieser authentischen Umgebung lernen. Wissenschaftler halten hierbei dazu an, diese Exkursionen gezielt vor- und nachzubereiten, damit ein entsprechender Lerneffekt erzielt werden kann.

Die Testergebnisse könnten aber auch auf die unterschiedliche Wahrnehmung jener Epochen beruhen. Gerade SchülerInnen, deren Eltern die DDR miterlebt hatten, äußerten sich positiver dieser gegenüber, als andere. Grund hierfür sicherlich die Tatsache, dass einiges als gut oder besser empfunden wurde (Arbeitsstellen, kostenlose Kinderbetreuung, etc.). Die Hintergründe scheinen hierbei des öfteren ausgeblendet zu werden.

Unabhängig davon bleibt natürlich festzuhalten, dass das Unwissen der SchülerInnen durchaus zum Handeln bewegen sollte. Eine kritische Auseinandersetzung auf sachlicher Grundlage könnte dies vorantreiben. Beispielsweise durch eine Projektarbeit oder ähnliches. Selbstredend stellt sich hier immer wieder die Frage, inwieweit das mit dem Lehrplan vereinbar ist, der ja, gerade in Zeiten des G8, ohnehin sehr straff gestaltet ist.

Die Vergangenheit zu verstehen und kritisch zu betrachten ist wohl gerade in Deutschland wichtig, werden auch heutige Generationen des öfteren damit in Verbindung gebracht. SchülerInnen könnten aufgrund des ausgeweiteten Wissens besser verstehen, wieso nicht alles besser, bzw. warum auch vieles schlechter war.

Hier gibt es mehr zu diesem Thema:

www.zeit.de/gesellschaft/schule/2012-06/geschichte-studie-diktatur-demokratie-schueler/seite-1

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