PISA auf dem Prüfstand…

 

 

PISA 2012 ist mittlerweile wieder in vollem Gange. Jährlich finden diese Leistungserhebungen statt, die eine internationale Vergleichsgrundlage darstellen (sollen). Hierbei werden repräsentativ an 250 deutschen Schulen rund 6.300 15-Jährige getestet. Anlässlich dessen äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen stark kritisch: PISA sei schlichtweg der falsche Weg.

 

Diese Studie führe dazu, Schulen immer mehr zu Produktionsstätten abfragbaren Wissens umzubauen. Es ginge nur noch um Erfolg und Leistungsfähigkeit, andere Faktoren blieben außer Acht. Denn viele SchülerInnen stöhnen so oft ob der großen Belastungen, denen sie ausgesetzt sind. Ihr Arbeitstag ist schon beinahe vergleichbar mit denen der großen Manager. Sind denn gute Noten, bzw. das gute Abschneiden in eben jenen Tests heutzutage alles, was noch zählt? Zu effektiver Bildung gehört aber doch noch mehr, das Wissen sollte hinterfragt, verstanden und angewandt werden können. Die GEW spricht allerdings von einem ’Bulimielernen’, das sich in den Dreischritt ’Lernen, Testbestehen, Vergessen’ gliedern lasse. Ein Blick in die Schulen scheint diesen Trend zu bestätigen: sind nicht zwei Wochen nach der Englischschulaufgabe die gelernten Vokabeln schon wieder vergessen? Die GEW sieht also Parallelen zur PISA-Studie, die auf genau diesen Prinzipien fußt. ‚Bildungsabbau’ sei hier der passende Begriff.

 

Doch wird die Studie vielerseits begrüßt: Nicht nur die Politik, sondern auch große Unternehmen stünden dahinter. Mit ’Recht auf gute Bildung für alle’ habe dies jedoch nichts zu tun, woraufhin die GEW fordert, auch politisch Verantwortliche sollten beginnen, PISA kritisch hinterfragen.

 

Wolfram Meyerhöfer, Professor für Mathematikdidaktik, schließt sich der GEW an: PISA teste nicht Bildsamkeit, sondern die Fähigkeit, das Denken der Tester zu erraten. Steckt hinter diesem so normativen Testverfahren also bloße Willkür? Weiter sagt er nämlich, „[…] dass die am Ende präsentierten Länderrankings ebenso gut großflächig ausgewürfelt werden könnten.“ Die grundlegende Frage, die sich stellt, ist, inwieweit Bildungssysteme allgemein vergleichbar sind, spielen ja auch kulturelle Unterschiede eine nicht unbedeutende Rolle. Ganztagsschulen, unterschiedliche Fächer(Kombinationen), schließlich komplett anders strukturierte Schulsysteme. Wie aussagekräftig ist PISA also wirklich?

 

Grundsätzlich ist die Idee der Vergleichbarkeit sicher keine schlechte. Das bringt Anreiz, bestehende Normen zu überdenken, Verbesserungen einzuläuten und voneinander lernen zu können. Dies fördert nicht zuletzt auch ein Zusammenarbeiten der verschiedenen Länder. Ob allerdings die Mittel und Wege adäquat gewählt sind, steht weiterhin im Raum. Beispiel Bachelor-/Masterstudiengänge: auch hiervon hatte man sich internationale Angleichung erhofft, doch sind dessen Kritiker immer noch recht zahlreich. Gute Idee – weniger gute Umsetzung?

 

Es scheint schwierig, Bildungsniveaus anhand ausgewählter Gruppen grundlegend zu bestimmen und folglich vergleichen zu können. Meyerhöfer schließt hier mit einer klaren Aussage: „Wir verlieren nichts, wenn wir PISA einfach einstellen.“

 

Würden Sie ihm zustimmen?

Schreiben Sie uns doch einfach Ihre Meinung dazu!

Herzlichst, Ihr Jürgen Chitralla!

Hier können Sie noch mehr Infos dazu bekommen:

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17715

Ein Kommentar

  1. [...] geschultes Aufsichtspersonal, sollte hier Abhilfe schaffen können? 12 Jahre nach Einführung des PISA-Tests sei das Zauberwort ’Evaluation’ in aller Munde und bei Schulen kein Tabuthema [...]

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