Latein übersetzen – aber richtig!

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Quelle: Ich-und-Du / pixelio.de

Im letzten Teil meiner Miniserie über die richtigen Lernmethoden fürs Lateinische möchte ich nun also endlich zum richtigen Übersetzen kommen.

Hat man nämlich die Vokabeln gelernt und die Grammatik verinnerlicht, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch Texte aus dem Lateinischen ins Deutsche übertragen kann.

In erster Linie kommt es darauf an, die ellenlangen Wortketten aufzubrechen.

Und hier setzt die erste Schwierigkeit ein – die meisten SchülerInnen haben das zwar einmal ganz am Anfang gelernt, es dann aber irgendwann nicht mehr praktiziert und schließlich vergessen. Kommen dann aber etwa ab der neunten Jahrgangsstufe etwas anspruchsvollere Texte, funktioniert die mittlerweile erlernte Übersetzungstechnik „Wort für Wort“ nicht mehr.

Wie also macht man sich die zähe Sprache der Klassiker gefügig?

Wer bisher nur Vokabeln gelernt und die Grammatik vernachlässigt hat hört jetzt besser gleich zu lesen auf und ruft unter nebenstehender Telefonnummer an. Ihr bzw. ihm kann jetzt kein Lerntipp der Welt mehr helfen, sondern wirklich nur noch ein kompetenter Nachhilfelehrer. Unser freundliches Team hilft Ihnen gerne bei der Vermittlung. Tut mir leid, aber spätestens jetzt kommen Sie ohne Grammatik nicht mehr weiter. Es reicht absolut nicht mehr, einfach die Wörter zu übersetzen und sich den Sinn irgendwie zusammenzureimen.

Diejenigen von Ihnen, die jetzt noch weiterlesen, können dagegen hoffen.

Es ist eigentlich gar nicht so schwer: Wenden Sie die seit langer Zeit verschüttete Technik der Satzerschließung an: Zuerst suchen Sie das Prädikat. Sie wissen nicht, was das ist? Dann haben Sie sich beim Lesen dieses Textes genauso durchgemogelt wie durch Ihr bisheriges Lateinstudium. Zurück nach oben und anrufen!

Wer es wusste: Gut so, weiter nun zum Subjekt! Jetzt das Objekt suchen. Sie finden keines? Vielleicht liegt es daran, dass das Prädikat ein intransitives Verb ist! Sie wissen nicht, was das ist? Nun reicht´s aber wirklich! Habe ich Ihnen nicht grade geschrieben, dass es keinen Sinn macht, sich weiter hier durchzumogeln? Vielleicht ist diese tief verankerte Unehrlichkeit der eigentliche Kern Ihres Problems!

Als nächstes finden Sie das (eventuell vorhandene) indirekte Objekt. Dann die Adverbien. Relativsätze ignorieren wir zunächst solange, bis der Hauptsatz übersetzt ist. Auch andere Arten der Nebensätze müssen warten. Bei Satzreihen gehen wir Satz für Satz vor.

Wenn Sie bis hierher gekommen sind, wissen Sie natürlich vermutlich auch, dass Adjektive nicht unbedingt länger direkt bei ihrem Bezugswort stehen. Daher – und auch aufgrund zahlreicher anderer Gemeinheiten – brauchen Sie jetzt unbedingte Sicherheit in der Grammatik. Latein hat eine sehr exakte Grammatik. Das hat zur Folge, dass in der Dichtung (Lyrik und Prosa gleichermaßen) eine sehr freie Wortstellung möglich ist. Die grammatikalischen Endungen verraten ja hinreichend, welche Funktion das jeweilige Wort im Satz hat. Ganz anders z.B. als im Englischen, das den flektierenden Charakter der älteren indoeuropäischen Sprachen beinahe ganz verloren hat und jetzt zum isolierenden Sprachtyp gehört. Das heißt, im Englischen bestimmt die Stellung eines Wortes, ob es Subjekt oder Objekt ist. Leider bleibt diese Erkenntnis so mancher Schülerin / so manchem Schüler allzu lange verborgen.

Übrigens empfehle ich durchaus auch routinierten Lateinern, immer die Grammatik zur Hand zu haben und im Zweifelsfalle zu benutzen. Die Beispielsätze im Kapitel zum Ablativus absolutus z.B. erleichtern mitunter ungemein die Entscheidung, ob er die vorliegende Stelle nun temporal, kausal oder konzessiv zu übersetzen ist. Entsprechendes gilt natürlich auch für andere grammatikalische Phänomene. Gleichzeitig werden Sie bemerken, wie theoretisch erlerntes Wissen nun auf einmal praktisch anwendbar wird – auch das ist nicht immer gleich selbstverständlich!

Generell gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, also ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN!

Bei ihrem Lieblingssport reicht es ja auch nicht, nur die Theorie zu kennen…

Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. M. Fritz!

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