Lernen ist nicht gleich Lernen…

Auf stern.de wurde erst kürzlich eine Stellungnahme des Reporters Uli Hauser veröffentlich, der mit dem deutschen Bildungssystem hart in die Kritik geht. Schule sei Energieverschwendung, so seine These. Punkte möchten wir Ihnen nicht vorenthalten und im Wesentlichen im Folgenden aufführen.

Eingangs spricht Hauer an, dass das Wissen, das einem in der Schule vermittelt wird, nicht nachhaltig gespeichert wird. Er bedauert, dass die Grundlagen, die ihm beispielsweise in Physik vermittelt wurden, nicht weiter vertieft wurden und er nun wieder fast alles vergessen habe. Zweifelsohne spricht er da einen Punkt an, der seine Berechtigung hat. Wie viele unterschiedliche Sachverhalte müssen sich SchülerInnen merken und das auch noch in über zehn verschiedenen Fächern gleichzeitig. Der Stoff, so unterstreicht auch Hauser, ist einfach zu viel. Dabei geht es ja auch nicht einfach nur um das Verstehen, sondern auch um das Merken des Lernstoffes. Und Lernen ist doch an sich eine besondere Gabe des Menschen. Hauser: „So ist ihm [seinem 14-jährigen Sohn] Lernen, die schönste, die edelste, die erfüllendste Begabung des Menschen, zu einem Schimpfwort geworden“.

Lernen. Ein wichtiger Prozess im Heranwachsen eines Menschen. Ebenso wie die Schule. Wieso also scheinen diese zwei Bereiche nicht miteinander vereinbar? Klar, man muss Dinge lernen, die einen womöglich gar nicht interessieren und die auch in der Zukunft keinerlei Bewandtnis mehr haben werden. Doch muss man auch ganz klar sagen, dass die Schule ein gewisses Grundwissen vermitteln möchte. Die Vielfalt ist also nötig, hapert es daher nur an der Umsetzung? Doch wie sollte man beispielsweise in der Grundschule schon entscheiden können, wo ein Kind seine Stärken hat? Das ist etwas, was sich mit der Zeit herauskristallisiert und nicht von vorn herein festgelegt werden kann. Ist es da nicht gerade richtig, zunächst auf die Grundlagen zu setzen? Womöglich aber meint man es da im Bildungssystem zu gut und versucht, zu viel auf einmal zu vermitteln. Das ist jedenfalls Hausers Meinung zu den Leistungserwartungen seitens der Schule an seinen Sohn: „Es ist einfach zu viel, was er in kurzer Zeit aufnehmen, bewerten und einordnen soll.“ Man fühlt sich ein wenig hin- und hergerissen, macht er damit auf den Leistungsdruck aufmerksam, der von vielen Seiten so angeprangert wird.

Weiter spricht Hauser vom „Wirkungsgrad“ der Schule, der seiner Ansicht nach gegen Null geht, Schule sei somit Energieverschwendung. Er erklärt dies mit der einfachen Gegenüberstellung: ‚was investiere ich, was bekomme ich dafür?’ Durch die Schule bekommt Lernen einfach eine neue Bedutung: weg vom gerne, bereitwillig etwas aufnehmen, hin zum sturen Einpauken von Sachverhalten, die dann in Prüfungen abefragt werden. Hat man diese nicht richtig verstanden oder tut sich damit schwer, hagelt es schlechte Noten. Hausers Schlussfolgerung: Lernen wird zur Bestrafung. Und das sollte es doch nicht sein. Er fasst das in einem Satz zusammen, der fast schon philosophischen Charakter hat: „Über unsere sich fast ausschließlich an kognitiven Fähigkeiten orientierende Definition von Begabung vergessen wir das Wundern.“ Individuelle Begabungen verlieren immer mehr an Wert, es geht nur noch darum, sich das vorgesetzte Wissen so gut es geht einzuprägen und dann anzuwenden – ohne Neugier, ohne Staunen, ohne Motivation.

Hauser geht mit dem Schulsystem hart ins Gericht und spricht vielen Eltern wahrscheinlich aus der Seele. Unterm Strich bleibt aber die Frage, wie man diese Missstände denn beseitigen kann? Für eine noch stärkere individuelle Förderung fehlen oft Mittel und Wege, so heißt es. Wahrscheinlich sind hier mal wieder die Eltern gefragt, die versuchen sollten, die Neugier der Kinder immer wieder anzuregen und nicht zu sehr auf die Noten zu schauen.

Was sagen diese denn tatsächlich über die Begabungen der Sprößlinge aus?

http://www.stern.de/panorama/kritik-am-bildungssystem-schule-ist-energieverschwendung-1902379.html

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