Online-Nachhilfelehrer im Interview

Erst vor kurzem haben wir uns ein wenig mit Online-Nachhilfe auseinander gesetzt. Nun wurde hierzu ein interessanter Artikel veröffentlicht (http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/38581/Mein-Traum-ist-es-dass-Bildung-ein-Menschenrecht-wird), in dem ein Online-Nachhilfelehrer aus den USA befragt wurde. Dieser hilft Lernenden mittels YouTube-Videos weiter. In der Einleitung des Artikels heißt es: „Vielleicht sind Filme einfach besser als klassischer Unterricht“. Ist dem wirklich so? Salman Khan jedenfalls hat mit seiner Initiative Erfolg: die SchülerInnen sind begeistert.

Er sieht die Euphorie darüber darin begründet, dass nicht alle gleich schnell lernen. Während die einen nicht nachkommen, kann es für andere nicht schnell genug gehen. Diese Ungleichheit sei die Grundlage für Misserfolge. Daher sieht er in seinen Lehrvideos den Vorteil, dass der Stoff auf individuelle Art und Weise aufgenommen werden kann, ohne Druck von außen. Außerdem kann nach dem Ansehen einfach der ‚Wiederholen’-Button gedrückt werden und schon startet die Erklärung von Beginn an. Lernstrategisch ist das mit Sicherheit eine tolle Sache, prägen sich Sachverhalte dadurch nachhaltiger ein. Er ist davon überzeugt, dass jeder Mensch lernen möchte, aber wenn etwas nicht verstanden wird, stellen sich schnell Frustration und Missmut ein. Tatsächlich ist das Verstehen die elementare Basis des Lernens. Was bringt es, etwas andauernd zu wiederholen, aber im Grunde nicht zu begreifen, worum es geht? Daher ist es dann auch schwer, das Wissen anzuwenden, was immer gewisse Lücken lässt. Diese tun sich dann meist in Klassenarbeiten auf. Kahn möchte eben jene Lücken füllen. Seine Devise: „Du hast keine eins? Es gibt keinen Grund, es nicht zu schaffen!“

Das Medium Video bleibt allerdings ein gewisser Stolperstein. Die Süddeutsche merkt hierzu an, dass eine gewisse persönliche Bindung zu einer Lehrkraft nicht entstehen kann, wenn man nur deren Stimme kennt. Diese emotionale Bindung sei beim Lernprozess aber wichtig. Und nicht nur das kommt wohl zu kurz. Lernen in Gruppen ist stets effektiver als allein. Eine Klasse lebt ja gerade von der Dynamik, die sich mit der Zeit entwickelt. Natürlich gibt es nicht nur perfekte Klassengemeinschaften, doch hat ein jeder und eine jede immer gewisse Menschen um sich herum, mit denen man sich gut versteht. Wird nun der Unterricht vor den heimischen PC verschoben, sind diese sozialen Kontakte nicht da. Die Frage ist, ob dann Cyber-Nachhilfe tatsächlich die Schule ersetzen kann. Sicherlich ist es gut, wenn SchülerInnen den Stoff noch einmal aufbereitet bekommen, doch was, wenn tatsächlich komplexere Fragen bestehen? Womöglich hat man diese bis zur nächsten Mathestunde schon wieder vergessen. Da wäre eine körperlich anwesende Nachhilfelehrkraft wohl doch von Vorteil.

Die Idee Khans und sein Enthusiasmus verdienen zweifelsohne Respekt. In dem Interview kommt klar seine Hingabe für das Projekt heraus. Das Schöne daran: es ist unverbindlich, anonym, immer abrufbar und kostenlos. Warum sollte man also nicht auch davon Gebrauch machen? Allerdings ist es (zumindest was die aktuelle Entwicklungsstufe anbelangt) wohl kein valider Ersatz für Unterricht oder private Nachhilfestunden, kann aber durchaus als Erweiterungsangebot fungieren. Die Lernenden können sich selbst einteilen, inwieweit sie sich über den bereits gelernten Stoff hinaus informieren wollen, bzw. ob nicht eine Vertiefung gut wäre. Hierzu gehört allerdings eine gehörige Portion Disziplin.

In der Praxis ist das noch etwas schwer vorstellbar, hat man ja oft den Eindruck, dass zusätzlicher Lernaufwand die SchülerInnen nur überfordern könnte. Faktisch ist es ja so, dass sie sich mit den vielen verschiedenen Fächern die unterschiedlichsten Sachverhalte merken müssen. Dennoch findet Khans Projekt Anklang, wenn auch zunächst überwiegend in den USA. Sicherlich ein Angebot, das man im Auge behalten sollte, womöglich hat das Ganze ein gewisses Potential.

Bis bald, Ihr Abacus-Team!

 

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