Schule und Handyverbot?

Gibt es heutzutage überhaupt noch Jugendliche, die kein Handy besitzen? Diese gehören heutzutage einfach dazu und sind schlichtweg nicht mehr entbehrlich. Doch gerade an Schulen löst das immer wieder Kontroversen aus. Sollen sie lautlos geschaltet oder ganz aus sein, oder ist das Mitbringen allein schon verboten? Hier gibt es unterschiedliche schulinterne Regelungen. Eine Schule in Berlin brüstet sich aber damit, die Mobiltelefone komplett zu verbieten. Wieso das so ist und ob das tatsächlich der richtige Weg ist, soll im Folgenden ein wenig beleuchtet werden.

Das Thomas-Mann-Gymnasium in Berlin zählt rund 1000 SchülerInnen, von denen ausnahmslos jede(r) ein Mobiltelefon besitzt. Doch an dieser Schule herrscht striktes Handyverbot. Schon bei Betreten des Geländes wird das durch ein großes Schild signalisiert. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren diverse Missbräuche der Geräte, bei denen Bilder und Videos von SchülerInnen und Lehrkräften gemacht und teilweise auch im Internet verbreitet wurden. Daraufhin beschlossen nicht nur LehrerInnen, sondern auch Eltern und die Lernenden selbst bei einer Schulkonferenz das Verbot. Seither ist das Schulgelände (offiziell) handyfreie Zone. Wer erwischt wird, darf es sich am nächsten Tag wieder abholen – allerdings nur in Begleitung der Eltern. Das sei SchülerInnen besonders peinlich. 24 Stunden ohne Handy tue ihnen besonders weh, so Schulleiter Piekarski. Darüber hinaus beschränkt sich das Verbot aber nicht nur auf Mobiltelefone, sondern auf jegliche technische Geräte, mit denen man Videos aufzeichnen oder Bilder machen könne.

Doch zu 100% ließe sich das nicht kontrollieren, lassen diverse Stimmen verlauten. Und auch der Schulleiter räumt ein, nicht immer gleich das Telefon einzukassieren. Den Lernenden wird demnach nicht der Stöpsel aus dem Ohr gerissen, nur weil sich an dessen Ende eines dieser verbotenen Geräte befinden könnte. Natürlich kann man nicht davon ausgehen, diese vollends vom Schulhof verbannt zu haben.

Zweifelsohne bergen derartige Geräte Gefahren, die es zu unterbinden gilt. Doch ist so ein bedingungsloses Verbot tatsächlich der richtige Weg? Nur einmal folgendes Szenario: Der Nachmittagsunterricht endet, der letzte Bus wird verpasst und niemand mehr in Reichweite, um die Eltern zu verständigen. Auch bei Unfällen auf dem Schulhof könnte es tatsächlich zu schwierigen Situationen kommen. Was immer mehr in den Hintergrund rückt, ist, dass ein Handy ja eigentlich zum Telefonieren gemacht ist. Doch der technische Fortschritt umnebelt das immer mehr, sodass es heutzutage hauptsächlich für Internet, Spiele oder Mitteilungen verwendet wird. In welche Richtung man auch denkt, es könnte tatsächlich zu prekären Situationen kommen, wenn kein Telefon in Reichweite ist.

Auf der anderen Seite ist das Handeln der Schule nachvollziehbar. Welche Ausmaße ein ins Internet gestelltes Video haben kann, wird von TäterInnen oftmals erst zu spät erkannt. Wie anders als durch ein rigoroses Verbot kann dem also vorgebeugt werden? Vielleicht geht es hier vielmehr um eine Frage des ‚Wie’ und nicht des ‚Ob’. Nutzt jeder das Handy verantwortungsbewusst, kommen derartige Szenarien gar nicht erst auf. Natürlich ist das ein Wunschdenken, das man nur schwer erreichen kann. Doch womöglich könnte eine Erziehung zum richtigen Umgang mit den Geräten ein differenzierterer Schritt sein.

Andere Schulen, so auch eine benachbarte des Thomas-Mann-Gymnasiums, haben so genannte Handy-Inseln eingerichtet. Hier sei es Lernenden und Lehrkräften erlaubt, die Mobiltelefone zu nutzen. Die Schulleiterin: „Es wäre kontraproduktiv, so etwas komplett zu verbieten“. Ein ähnlicher Vorschlag solle in naher Zukunft auch Piekarski vorgelegt werden. Vielleicht ist ja das ein erster Weg hin zum richtigen Umgang mit der neuen Technik.

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/handy-verbot-an-schule-wenn-die-eltern-im-unterricht-anrufen,10809148,21094486.html

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