Schwänzen und Überwachungschips

Immer wieder bleiben SchülerInnen widerrechtlich von der Schule fern. Die Gründe dafür sind vielschichtig: seien es Lustlosigkeit, Desinteresse oder gar Angst, die Liste scheint sich beliebig fortführen zu lassen. Allerdings können die Schulen da nicht einfach darüber wegsehen. Im schlimmsten Falle ist die Polizei zu alarmieren, die dann Nachforschungen anstellt, wo sich die betreffende Person befindet. Es geht also bei weitem nicht mehr nur um ein Kavaliersdelikt, die Schule zu schwänzen ist tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem.

Heutzutage ist es fast schon gang und gäbe, dass beide Erziehungsberechtigte erwerbstätig sind. Somit sind die Kinder und Jugendlichen in der Früh oft auf sich allein gestellt. Dass es dann auch schon mal vorkommen kann, dass diese verschlafen, scheint nicht überraschend. Doch gerade jene, die bewusst von der Schule fernbleiben, haben da viel mehr Spielraum. Ein freier Tag erscheint ohnehin so viel interessanter als sechs Stunden die Schulbank drücken zu müssen. Nicht selten bekommen die Eltern erst viel zu spät davon mit. Dabei ist das ein Teufelskreis: Bleibt man von der Schule fern, muss der Stoff ja früher oder später nachgeholt werden. Ansonsten drohen schlechte Noten, das Klassenziel gerät in Gefahr und schlussendlich droht womöglich sogar noch ein Schulwechsel.

Eine Studie will in diesem Zusammenhang herausgefunden haben, dass Schulschwänzen in engem Zusammenhang mit dem Begehen von Gewalttaten steht. Kriminologen des Forschungsinstituts Niedersachsens stellten einen sechs Mal höheren Anteil an Gewalttätern unter Schulschwänzern fest, als unter jenen, die regelmäßig dem Unterricht beiwohnen. Es wird von einem signifikanten Zusammenhang dieser Delikte gesprochen. Worauf das nun zurückzuführen ist, steht dabei noch ein wenig im Raum, allerdings legt es die Vermutung nahe, dass eher jene zum Schulschwänzen neigen, die es ohnehin mit Straftaten nicht allzu genau nehmen. Schnell kommt man auch wieder auf das Elternhaus zurück, ohne dabei aber zu voreilig urteilen zu wollen. Informationen und den Link zu der Studie finden sich unter: http://www.news4teachers.de/2012/11/studie-schule-schwanzen-steht-im-zusammenhang-mit-gewalttaten/
Doch nicht nur hierzulande sind Schulschwänzer Ziel der Behörden. Erst kürzlich wurde darüber berichtet, wie in San Antonio, Texas, USA dagegen vorgegangen wird, nämlich mit Kontrollchips in den Schülerausweisen, mit deren Hilfe überprüft werden kann, ob sich ein Lernender denn auf dem Schulgelände befindet oder nicht. Allein schon die Vorstellung vermittelt umgehend den Eindruck eines Überwachungsstaates und damit liegt man gar nicht einmal so falsch. Entsprechend groß sind natürlich auch die Proteste. Die genannte Schule erhält 30 US-Dollar pro Tag und pro SchülerIn, die anwesend sind. Durch das Schwänzen entgingen der Schule somit viele Millionen Dollar im Jahr, was die Anschaffungskosten der Chips um ein vielfaches schon wieder deckte. Frei nach dem Motto als: Desperate times call for desperate measures (zu Deutsch etwa: „Harte Zeiten erfordern harte Maßnahmen“). http://www.news4teachers.de/2012/11/texanische-schulen-kontrollieren-schuler-mit-rfid-chips/

Natürlich ist das Vorgehen gegen Schwänzen der texanischen Schule effektiv, doch ist es das überhaupt ethisch korrekt? Hier in Deutschland wäre eine solche Maßnahme wohl undenkbar und würde noch viel weitreichendere Demonstrationen hervorrufen. Wie sollte man SchwänzerInnen aber sonst schnell auf die Spur kommen?

Daher lässt sich festhalten, dass nicht erst im Nachhinein gehandelt werden sollte, sondern präventiv. Demnach ruft auch das oben genannte Kriminalamt in Niedersachsen Eltern dazu auf, ein genaues Auge auf deren Sprösslinge zu haben. Auch Lehrkräfte seien hier in der Bringschuld. Ebenso sollte der Freundeskreis mit eingeschlossen sein und nicht nur auf einzelne SchülerInnen eingegangen werden. Nur kollektiv kann Schulschwänzern also das Handwerk gelegt werden.

Herzlichst, Ihr Abacus-Team!

 

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