Überforderung in der Schule durch Schlafmangel?

Wer mit älteren Jugendlichen arbeitet, bemerkt des Öfteren eine gewisse Unausgeschlafenheit seiner Schützlinge beim Unterricht. Und zwar egal, um welche Uhrzeit der stattfindet. Die Augen sind dann – je nach Charakter des konsternierten Beobachters – entweder halbgeschlossen oder halbgeöffnet, man mag es pessimistisch betrachten oder optimistisch,  auf jeden Fall halb. Entsprechend schöpft der Schüler dann auch nur noch sein halbes Leistungspotential aus. Den Rest der Energie benötigt er ja, um die Augen offen zu halten und nicht vom Stuhl zu rutschen.

Ich schlucke mein Ego herunter und erinnere die hoffnungsvolle junge Dame / den hoffungsvollen jungen Mann daran, dass ich aus Anhänglichkeit an antiquierte Umgangsformen doch gerne die volle Aufmerksamkeit meines Gegenübers hätte. Meist ist ein müdes Lächeln das Ergebnis. Oder die Erklärung, dass man am Vorabend wieder mal viel zu lange beim Chatten mit den Freunden im sozialen Netzwerk oder ganz einfach beim ziellosen Rumsurfen im Internet  verbracht habe. Computerspiele hingegen scheinen einen geringeren Stellenwert einzunehmen. Kaum einer meiner Schüler interessiert sich dafür, und wenn, dann ist er in der Regel weit von einem Suchtverhalten entfernt.

Es geht also in erster Linie neben dem Entdeckerdrang um das soziale Interagieren, wenn man sich mal wieder nicht vom Bildschirm losreißen konnte.

Nun könnte man´s von der positiven Seite sehen: das sind doch ganz normale Interessen für einen jungen Menschen. Er erkundet seine Welt (selbst wenn die nur virtuell ist) und sucht seinen Platz in der altersgemäßen Peergroup. Nichts, was Menschen nicht schon seit jeher tun.

Ich gebe es ja zu: das große, anstrengende Phänomen des Erwachsenwerdens kostet einen Heranwachsenden einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Zeit. Es zeugt vom Humor des lieben Gottes, dass er diesen Teil der menschlichen Entwicklung in denselben Lebensabschnitt hineinverlegt hat, in dem der Mensch durch fleißiges Lernen seine spätere Karriere vorbereitet. Leider bringt das auf Seiten der Betroffenen einen gewissen Interessenskonflikt mit sich: lieber ein Schulversager sein, aber beliebt, oder doch ein sozial isolierter „Streber“?

Es wohnen, ach, zwei Seelen in einer Brust!

Dabei ist, wie so oft im Leben, der goldene Mittelweg die beste Lösung. Nur, den sehen die Jugendlichen nicht in einem Alter, in dem es sowieso nur Schwarz oder Weiß, aber kein Grau gibt.

Man kann durchaus fleißig lernen, und doch noch genug Zeit übrig haben für seine Freunde. Hilfreich dabei ist ein Lernplan mit festen Studierzeiten. Diese sollten genauso viele Wochenstunden zählen wie der Schüler in Jahren alt ist. Zumindest ein Nachmittag sollte ganz frei bleiben. Mit diesem Lernplan habe ich durchweg gute Ergebnisse erzielt. Sobald die Schüler sich daran gewöhnt hatten, waren sie auch ganz froh, weil sie in dieser Zeit ungemein konzentriert arbeiten und dann den Rest der Zeit für ihre Hobbies, Freundschaften usw. nutzen konnten, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Der Erholungswert dieser Freizeit war dann um ein vielfaches größer.

Aber auch das Privatleben sollte eben festen Zeiten gehorchen. Es ist wichtig für die Disziplin und das Zeitmanegement des späteren Erwachsenen, dass der Jugendliche oder junge Erwachsene beizeiten lernt, auch hier Maß zu halten. Wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen und in die Schule oder zur Arbeit muss, kann ich mir nicht die Nacht zuvor um die Ohren schlagen. Und gerade hier sind Computer und ähnliche Kommunikationsgeräte gefährlich. Wie soll der noch labile Charakter sich entwickeln, wenn die Ablenkung stets in Reichweite ist? Gefragt ist nun der kompetente Erwachsene. Vielleicht findet er gemeinsam mit der Tochter/dem Sohn eine Lösung, indem man sich darauf einigt, das I-Phone/Laptop/Handy ab einer bestimmten Uhrzeit außerhalb des Zimmers bei den Eltern zu hinterlegen? Das mag zwar „uncool“ sein, aber wissen muss es ja keiner von den Freunden und effektiv ist es allemal!

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