Überforderung in der Schule…

Dass SchülerInnen seit Einführung des G8 mehr und mehr überfordert seien ist nicht erst seit gestern bekannt. Zu lange seien sie mit Vor- und Nachbereitung der Stunden beschäftigt und auch der Unterricht an sich dauere zu lange. Begriffe wie ‚Turbo-Abi’ haben sich mittlerweile etabliert, wer nicht mehr nach kommt, kann sich an manchen Schulen noch zum G9 entscheiden oder ist zu einem Schulwechsel gezwungen. Da fragt man sich doch, ob das tatsächlich so sein darf.

Ein Erfahrungsbericht einer 16-jährigen Schülerin zeigt, wie eingespannt sie ist: Erst spät am Nachmittag kommt sie unter der Woche nach Hause, dazu am Samstagvormittag noch Nachhilfe. Für Freizeitaktivitäten finde sie kaum noch Zeit. Laut einer statistischen Erhebung sei es keine Seltenheit, dass SchülerInnen somit auf eine 40-Stunden-Woche kommen. Jetzt mögen die Arbeitstätigen anmerken, dass auch sie selbst so viel zu leisten hätten. Die Maßstäbe müssen hier aber klar überdacht werden. Von der Schule nach Hause zu kommen bedeutet nicht, dass man umgehend abschalten kann. Wie bereits angemerkt, kommen dann noch Hausaufgaben und ggf. Nachhilfe hinzu. Darüber hinaus ist das Wissen, das man im Unterricht vermittelt bekommt, bis zur nächsten Stunde zu lernen. Das Gehirn steht quasi ständig unter Strom. Zu richtiger Entspannung kommt es nicht, wie auch die Schülerin anmerkt.

Dabei ist genau diese mentale Erholung auch ein Schlüssel zum Erfolg. Wie Experten immer wieder unterstreichen, muss dem Gehirn auch einmal eine Pause gewährt werden. Sich auf etwas anderes zu konzentrieren oder mal für eine gewisse Zeit nicht an Lerninhalte denken zu müssen sind beispielsweise Strategien für nachhaltiges Lernen. Wenn allerdings die Zeit dafür fehlt, wie soll also der richtige Zyklus gefunden werden? Ein Teufelskreis also, aus dem viele Lernenden nicht auskommen und nur noch zwei vermeintliche Auswege haben: Einerseits natürlich, dass, wie angemerkt, die Wahl des Gymnasiums in Frage gestellt wird, andererseits durch das Wahrnehmen von Nachhilfestunden. Doch die sind nicht nur teuer, sondern belasten zusätzlich noch die Zeiteinteilung des Wochenplans.

Das Problem sieht eine Psychologin bereits in der Grundschule: Für diejenigen, die unmittelbar auf die Realschule oder das Gymnasium übertreten, sei das Bestehen der vierten Klasse kein Problem. Diejenigen aber, die auf die Hauptschule gingen, hielten dem Leistungsdruck oft nicht Stand. Das Gymnasium sei für viele Eltern der goldene Weg ohne Alternativen. Als Tipp gibt sie mit auf den Weg, besonders auf eine bewegungsreiche Freizeiteinteilung zu achten. Diese sei eben wichtig, um ein gutes Alternativprogramm zu den vielen Kopflastigen Anforderungen der Schule zu bieten. Frei nach dem lateinischen Sprichwort: Mens sana in corpore sano (‚Ein gesunder Geist, in einem gesunden Körper’).

Auch Lehrkräfte beobachten die steigenden Zahlen der Überforderten bereits in der Grundschule. Nicht selten würden die Lernenden nur auf die drei Kernfächer Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachkunde reduziert. Nicht verwunderlich, dass auch schon bei den kleinsten Lernenden unter uns die Nachfrage an Nachhilfe steigt. Diese wäre ursprünglich aber dafür gedacht gewesen, den durch beispielsweise Krankheit verpassten Stoff nachzuarbeiten. Heute geht es eben darum, den Notenschnitt zu haben. Doch tatsächlich sollte darauf geachtet werden, dass Schule nicht alles ist. Leider steht immer noch der schulische Erfolg über den tatsächlichen Begabungen. So stellt ein Grundschullehrer richtig fest: „Wir Lehrer machen immer öfters die Beobachtung, dass ein Kind in der dritten oder vierten Klasse wegen einer drei weint. Lernen sollte für die Schüler einen Mehrwert haben und nicht nur auf die pure Bewertung hinauslaufen“.

Ist das womöglich das eigentlich Manko unseres Bildungssystems?

http://www.idowa.de/home/artikel/2012/10/17/zuviel-stress-zu-wenig-freizeit

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