Vom Zwischenzeugnis…

Wer auch immer die Idee hatte, das Zwischenzeugnis nach den Faschingsferien herauszugeben, hatte einen boshaften Sinn für Humor.
Naja, natürlich weiß ich, dass eine Regelung dahinter steht, die nichts mit sadistischem Humor auf Kosten der SchülerInnen zu tun hat. Das Zwischenzeugnis gibt es nämlich grundsätzlich am Ende der zweiten voll unterrichtspflichtigen Woche im Februar. Und das ist diesmal eben etwas spät.
Nur die Auswirkungen sind etwas ungünstig. Da kommt man aus dem Skiurlaub heim, und dann hat man gerade ein paar Tage Gnadenfrist, ehe es mitunter heißt: Du musst Dich ab jetzt gewaltig anstrengen, wenn Du nicht sitzenbleiben willst.
Nun könnte man ja nicht zu Unrecht anführen, dass unsere in der Notenarithmetik – im Volksmund auch „Milchmädchenrechnung“ geheißen – erfahrenen Epheben das doch sicher schon vor den Ferien wussten.
Wer solches meint, hat von Schülerpsychologie nicht die geringste Ahnung.
Ich habe noch nie einen Schüler gesehen, der sich selbst nicht allzu optimistisch eingeschätzt hätte. Meist wird nämlich übersehen, dass es auch noch Mitarbeitsnoten gibt. Und keiner von den SchülerInnen, die sich die Mühe komplizierter Notenberechnung machen, bringt im Unterricht noch den Fleiß auf, den er ja schon bei den Vorbereitungen für die schriftlichen Noten hat vermissen lassen.
Man versucht es also mit einer Art Vogel-Strauß-Politik (hat nichts zu tun mit dem verblichenen bayerischen Landesvater gleichen Namens) und rechnet sich das Zeugnis schön. So kommt man prima durch die Ferien. Spaß garantiert, und nach uns die Sintflut, so könnte man meinen. Doch wenn dann der bewusste Termin näher rückt, schwindet das Selbstvertrauen. Nun muss Kind/Teenager von heute im Gegensatz zu früheren Generationen keine Sanktionen in Form von physischer Gewaltanwendung mehr befürchten, doch unangenehm ist ihnen die Sache dann schon.
Aber leider – da hat man schon wertvolle Zeit verloren. Denn die Ferien hätte man doch so schön nutzen können, um ein wenig zu lernen. Erfahrungsgemäß ist die Zeit vom Zwischenzeugnis bis Notenschluss nämlich sehr kurz bemessen.
Und dann regelmäßig dieselben Szenen: Nachhilfe ja, aber es soll sich bitte nichts an den eingefahrenen Gewohnheiten ändern. Wer allerdings meint, dass man in nur vier Monaten entscheidende Fortschritte machen kann, wenn man gerade einmal pro Woche für eineinhalb Stunden einen Privatlehrer hat, ist auf dem Holzweg. Tägliches Lernen, und das nicht zu knapp, ist der einzige Weg aus der Notenfalle. Und weil wir gerade dabei sind: Die betroffenen SchülerInnen sind sicherlich nicht in der Position, ihren Eltern Bedingungen zu stellen.
Also lassen Sie sich gar nicht erst auf Kuhhandel ein in der Art von: „Ich nehme die Nachhilfe aber nur, wenn ich weiter ALLE meine Hobbies machen kann! – Sonst vergesst es lieber gleich!“
Die korrekte Erwiderung auf Diskussionsversuche wie diesen lautet: „WIE hoch war gleich wieder Dein Taschengeld?“.
Kleiner Scherz. Ich weiß natürlich, dass man einen Halbwüchsigen nicht mit Geld erpressen darf. Umgekehrt gilt das allerdings leider nicht.
Im Idealfall sieht der zukünftige Schützling die Notwendigkeit zum Unterricht selber ein.
Aber täuschen Sie sich nicht: Das hält im Idealfall zwei bis drei Wochen an. Danach ist er auf liebevollen Druck angewiesen, und der funktioniert nur, wenn die Eltern am gleichen Strang ziehen wie der Nachhilfelehrer. Es wird also auch für Sie nicht einfach werden, wenn Sie Erfolgserlebnisse wollen.
Die gute Nachricht ist: In der Regel funktioniert dieses System.
Also – in Bälde gerne wieder mal: packen wir´s an…

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