Warum sind die Skandinavier eigentlich so tolle Eltern?

 

Skandinavien – ein Winkel Europas, der den Rest der Welt seit Jahren nicht nur mit Billigmöbeln, sondern auch mit wohlfeilen Erziehungsratgebern überzieht! Wer also nach der Selbstmontage eines Pressspanplattenregals so richtig mit den Nerven runter ist, kann sich danach noch von klugen Erziehungswissenschaftlern in ebenso weitschweifigen wie zuweilen  selbstgefälligen Monologen erklären lassen, warum der tobende Nachwuchs jetzt von ruhebedürftigen Elternteilen auf keinen Fall in seiner freien Entfaltung gehindert werden dürfe.

 

Immer verständnisvoll, immer fein lächelnd – ich stelle mir die Autoren solcher Werke so ein bisschen vor wie eine Mischung aus Karl Gustav von Schweden und Lillebrors Vater aus der Erzählung „Karlsson vom Dach“. Gewissermaßen der Idealtypus des Biedermannes halt. Jemand, der am Abend guten Gewissens ins Bett gehen und schlafen kann, weil er alles richtig gemacht hat. Naja, kann er wohl: es ist zumindest in Bezug auf die Pädagogiklektüre bisher nichts darüber bekannt, dass man in der Ausgabe für Saudi-Arabien die Mütter rausretuschiert hätte (LINK: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/saudi-arabien-ikea-loescht-frauenbilder-aus-katalog-11910312.html ) oder gar Gerüchte über Zwangsarbeit z.B. beim Druck der Bücher ruchbar geworden wären (LINK: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/zwangsarbeit-fuer-ikea-portraet-eines-betroffenen-a-831437.html ). Skandinavien und die Erziehung – das weckt schöne Assoziationen von sauberer Natur, Zimtwecken und herrlich aufsässigen, selbstbewussten Lausejungen und –Mädchen, die sich von keinem Erwachsenen was sagen lassen und unbekümmert einfach groß werden. Gut, ganz so idyllisch ist es mit der Natur dann vielleicht doch nicht – man denke an die Kernkraftwerke, die genauso unsicher sind wie die im restlichen Europa (LINK: http://www.stern.de/politik/ausland/akw-stresstest-eu-prangert-maengel-bei-deutschen-kernkraftwerken-an-1904856.html ). Nun sollte ich Skandinavien natürlich nicht auf das Land Schweden reduzieren. Es gibt da ja zum Beispiel auch noch Dänemark, das einen Jesper Juul hervorgebracht hat – einen weiteren Vordenker moderner Pädagogik. Nicht, dass jetzt der Eindruck entsteht, ich stünde seinen Thesen zur Erziehung  ablehnend gegenüber. Worum es mir geht: woher kommt es eigentlich, dass die Bewohner dieses Teiles der Welt so entspannt und abgeklärt mit ihrem Nachwuchs umzugehen scheinen, während wir „Südländer“ (frei nach Luciano de Crescenzo, „Also sprach Bellavista“: „…für irgendjemanden ist man immer der Südländer“!) in diesen Dingen noch so viel Nachholbedarf haben? Ist es das Klima? Führt die Ökonomie des Energieverbrauchs in dem ewigen Schnee dazu, dass man sich weniger aufregt und damit weniger wertvolle Kalorien verbrennt (in Anlehnung an die bizarren Thesen des  Thilo Sarrazin über die Gründe für die Haushaltspolitik in Mittel- und Nordeuropa… LINK: http://www.spiegel.de/kultur/tv/maischberger-frank-stronach-neben-oskar-lafontaine-und-thilo-sarrazin-a-859284.html )? Oder waren die vielleicht schon immer so? Ist vielleicht bereits im achten Jahrhundert der kleine Wikinger Thorolf nur deswegen auf Raubzüge gegangen, um sich eben mal ein bisschen auszutoben?

Eher nicht. Wie immer in solchen Fällen gründet der Fortschritt auch in diesem Fall auf der Befreiung von Missständen. So, wie wir heutigen Mittel- und Westeuropäer uns unsere Aufklärung wie auch die Trennung von Kirche und Staat hart erringen mussten, haben sich auch die Skandinavier ihr weltweit einzigartiges, fortschrittliches Erziehungswesen unter  widrigsten Umständen erkämpft. Es waren eben die Hartherzigkeit einer puritanisch geprägten, ländlichen Gesellschaft und das von Misshandlung geprägte Verhältnis zum Kind in ihrer Heimat Smaland, das eine Astrid Lindgren literarisch gegen die Verhältnisse aufbegehren (LINK: ) und psychologisch ausgebildete Intellektuelle einen vollkommen neuartigen Zugang zur kindlichen Psyche suchen ließ. Und genau dieses Beispiel sollte generell ein Ansporn sein, niemals bei einmal Erreichtem stehen zu bleiben. Erziehung muss immer wieder hinterfragt, angezweifelt, verbessert werden. Nur dann kann es einen Fortschritt geben. Und das sollten unsere Kinder uns schon wert sein.

Bis bald, Ihr Abacus Team!

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