Zurück zum G9 ?

In den Medien ist es ein wenig still um das so kontroverse G8 geworden, doch hinter den Kulissen brodelt es weiter. So berichtet die FAZ nun, dass die Wahlmöglichkeit der Schulen im Kreis Offenbach „[…] einen wahren Erdrutsch ausgelöst“ hat. Das Goethe-Gymnasium entschied sich für die alte Schulform als klare Reaktion auf den Missmut bezüglich der Bildungspolitik. Interessant könnte das insofern werden, als diese Tendenz schlussendlich auch zu uns nach Bayern herüberschwappen könnte. Denn auch hier steht man dem G8 nicht weniger kritisch gegenüber.

Die Schulzeit um ein Jahr zu verkürzen hatte u.a. den Hintergrund, die SchülerInnen früher ins Berufs- oder Studienleben entlassen zu können. Somit sollte auch ein besserer internationaler Vergleich möglich werden. Womöglich eine Reaktion auf die PISA-Ergebnisse der letzten Jahre. Damit hatte man sich aber in den eigenen Finger geschnitten, denn Betroffene fühlten sich von der Politik etwas überfahren.

Konkret kritisiert wird häufig der Mehraufwand, den SchülerInnen schlichtweg nicht alle gleichsam stemmen können. Zwar hat eine gewisse Modifikation des Lehrplans stattgefunden, allerdings nicht in dem Maße, dass eine Verkürzung um ein Jahr gerechtfertigt gewesen wäre – schließlich soll ja derselbe Abschluss erlangt werden können wie nach dem G9. Allerdings kommt da eben das Problem der Verallgemeinerung auf: beispielsweise so genannte Spätzünder merken bereits nach den ersten Wochen, dass sie den Anforderungen nicht gewachsen sind. Interessant ist daher die Reaktion in Offenbach, wo ein Gymnasium einstimmig die Abschaffung des G8 beschlossen hat – und das erst wenige Jahre nach dessen Einführung.

Allerdings will man auch hier den Grundgedanken des Turbo-Abis nicht verwerfen. Besonders begabte SchülerInnen sollten die Möglichkeit haben, ihren Abschluss ein Jahr früher erlangen zu können, durch das Überspringen der Jahrgangsstufen 8 oder 11 mit besonderen Fördermaßnahmen. Hätte so die Einführung des G8 von Anfang an aussehen sollen? Natürlich ist es in der schulischen Ausbildung immer wichtig, Lernenden einen Weg zu bieten, der möglichst gut auf sie zugeschnitten ist. Doch ist das oft schwer zu realisieren. Auf der anderen Seite ist diese Wahlmöglichkeit auch nicht ganz problemfrei. SchülerInnen aus der Klassengemeinschaft zu holen, damit sich diese nicht mehr „langweilen“, trifft wohl in den seltensten Fällen auf Anklang bei den Lernenden, wollen diese ja bei ihren Freunden bleiben. Ebenso könnten diese dann als Streber abgestempelt werden und die sozialen Kontakte auf dem Schulhof immens darunter leiden, da eine gewisse Gruppe ja zu den „Besseren“ gehört. Dies ist ein ernst zu nehmendes Risiko, das nicht bereitwillig eingegangen werden darf. Insofern ist es wichtig, eine solche Entscheidung gut vorzubereiten und das Kind in deren Findung mit einzubeziehen. Oftmals ist es der Wille der Eltern, der über den der Sprösslinge gestellt wird.

Anders als das angesprochene Goethe-Gymnasium wollen andere Schulen erst einmal warten und die Zweigleisigkeit aufrechterhalten. Tatsächlich kann das angesprochene Problem ein Stück weit damit umgangen werden, da von vorn herein die Wahlmöglichkeit besteht. Dennoch werden immer wieder Stimmen für vereinheitlichte Bildung laut. Somit könnten die Reaktionen dieser Offenbacher Schule Wellen schlagen.

Fakt ist, dass etwas geschehen muss. Die Unzufriedenheit der im Bildungssektor tätigen und betroffenen Personen sollte nicht noch weiter andauern. Wäre es nicht einmal an der Zeit, dass die Politik aktiv wird und nicht die Schulen selbst die Alternativen wählen?

http://www.fr-online.de/kreis-offenbach/schulen-im-kreis-nein-zum-turbo-abi,1473032,20857134.html

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