Achtung, Freising: Die Masern gehen um!

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Gerade für Kinder und Jugendliche bzw. deren Eltern könnte diese Meldung interessant sein: Das Gesundheitsamt Freising ruft die Bevölkerung zu erhöhter Achtsamkeit in Bezug auf die Masern auf, die derzeit in München und im Landkreis Freising grassieren.

Natürlich sind prinzipiell alle Bürger gefährdet, an dieser hoch ansteckenden Infektion (bis zu 98 % all jener, die einem Risikokontakt ausgesetzt waren!) zu erkranken. Doch gerade SchülerInnen laufen besonders Gefahr, infiziert zu werden: schließlich verbringen sie große Teile ihrer Zeit an Orten, an denen ein besonders hohes Infektionsrisiko herrscht. Denn auf dem Weg zur Schule und dann in dieser kommen sie Tag für Tag mit unzähligen Menschen zusammen.

Darüber hinaus gibt es seit vielen Jahren in der Bevölkerung Besorgnis erregende Tendenzen, sich und die seinen nicht mehr impfen zu lassen. So genannte Impfskeptiker verbreiten ihre durchgeknallten und längst widerlegten Theorien über einen angeblichen Zusammenhang von Impfungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern nach wie vor ungestraft und in gut besuchten Vorträgen.

In einer jüngst veröffentlichten Studie wurde denn auch ermittelt, dass die Quote privaten Wohneigentums und Impfverweigerung in direktem Zusammenhang stehe. Je höher die erstere, so die Verfasser, desto mehr Zeit hätten die relativ wohlhabenden Immobilienbesitzer, sich mit den abwegigsten Thesen zu beschäftigen.

Ich frage mich nur, warum sie sich dann anscheinend so mangelhaft informieren, dass sie sich gegen eine Impfung entscheiden.

Meines Erachtens lässt sich dieses seltsame Phänomen mit einem aus der Völkerkunde sattsam bekannten Thema erklären: Ich spreche vom Bild des „Edlen Wilden“. Dieses Bild entstand in Europa als Gegenentwurf zur Abwertung außereuropäischer Stammeskulturen. Ähnlich undifferenziert wie jenes, wurde dabei der bis dahin als blutrünstig und degeneriert gesehene „Naturmensch“ (da jeder Mensch irgendeiner Kultur angehört, ist dieser Begriff natürlich idiotisch!) plötzlich idealisiert als „besserer“, weil „ursprünglicherer“ Mensch. Der „Wilde“ („wild“ in einem durchaus aufwertenden Sinn!) sei noch nicht so verdorben durch die Einflüsse einer urbanen Zivilisation wie der westliche Mensch, aber z.B. auch die Menschen aus den alten Zivilisationen des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens sowie Südasiens. Dabei wurde aber gerne übersehen, dass auch dieses Bild demjenigen, dem es übergestülpt wird, nicht gerecht wird: Denn auch in der Umkehrung einer abwertenden Haltung blieb der außereuropäische Mensch nur Objekt und Projektionsfläche für die Sehnsüchte des Westens. So viel nebenbei dazu.

In einer anderen, oft fatalen Ausformung tritt diese Geisteshaltung heute als eine kritiklose „Zurück-zur-Natur“ – bzw. „die Natur ist der beste Arzt“ – Haltung zutage. Gern verpackt auch in die Floskel „Früher waren die Leute viel gesünder als heute!“. Klar, die paar wenigen, die überlebten, waren sicherlich ziemlich robust. Nur, hier wird Ursache und Wirkung vertauscht.

In Verkennung archäologischer, historischer und ethnographischer Belege pflegen die Anhänger dieser Theorie ein falsches, vom Wunschdenken getragenes Weltbild. Denn die Menschen früher waren eben nicht gesünder, und wer alt wurde, hat es mit Sicherheit meist nicht genossen. Wir graben heute ihre Knochen aus und untersuchen sie mit allen verfügbaren naturwissenschaftlichen Tests, und siehe da: Das Bild vom gesunden, kräftigen Menschen des Mittelalters oder der Vorzeit zerbröckelt noch schneller als seine Knochen.

Ich bemühe extra die Archäologie, weil meine ethnologischen Belege sofort angegriffen würden: Denn natürlich ist ausschließlich der Kontakt mit der „kranken Zivilisation“ am desolaten Gesundheitszustand heutiger indigener Gruppen verantwortlich, so das Mantra der Zivilisationskritiker. Dass z.B. ein ähnlich hoher Prozentsatz der Leberschäden in Schwellenländern auf die unhinterfragte Nutzung der Pflanzenmedizin zurückgeht wie in den hoch technisierten westlichen Ländern auf die Produkte der Pharmaindustrie, wird in diesen Kreisen gerne ignoriert.

Der langen Rede kurzer Sinn: Gefährden Sie nicht Ihre und die Gesundheit Ihrer Mitmenschen. Machen Sie sich kundig, ob Sie und Ihre Familienangehörigen einen gültigen Impfschutz haben und gehen Sie andernfalls zum Impfen!

 

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