Der einfache Weg?

Quelle: Paul-Georg Meister  / pixelio.de

Quelle: Paul-Georg Meister / pixelio.de

So, nun ist es offiziell: Noch nie waren so viele Schüler an Deutschlands Hochschulen eingeschrieben wie jetzt. Zweieinhalb Millionen sollen es sein.

Gleichzeitig buhlen viele Firmen geradezu um Lehrlinge. Ist ja logisch, denn in früheren Jahren entschieden sich auch viele Abiturienten für eine Lehre. Da sie nun vermehrt wieder in die Uni strömen, werden Stellen frei für die anderen. So kommt es – wie viele Ausbilder mittlerweile bekennen – dass nun Schulabgänger genommen werden, die in früheren Zeiten noch nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden wären.

Bei uns im Landkreis Freising, gelegen im Speckgürtel der Metropole München, schlägt sich dieses Phänomen ebenfalls sichtbar nieder. Liegen in unserer Region doch diejenigen Arbeitsamtbezirke mit der traditionell niedrigsten Arbeitslosenrate in ganz Deutschland. Da wird natürlich auch mehr ausgebildet.

Goldene Zeiten für die nachgefragten Schüler, sollte man also meinen.

Und im Umkehrschluss natürlich schlecht für die Nachhilfeagenturen. Denn seit jeher gilt für uns: Je weniger Sorgen sich Eltern um die Zukunft ihrer Kinder machen müssen, desto eher werden sie sich im Falle eines Falles NICHT für einen Nachhilfelehrer entscheiden. Der Nachwuchs wird schon irgendwie unterkommen.

Doch das ist zu kurz gedacht.

Denn zuerst einmal ist eben nicht egal, ob die Kinder durch das Abiturzeugnis die Möglichkeit zu einem Studium erhalten oder nicht. Und in Anbetracht der Tatsache, dass mittlerweile gut siebzig Prozent der Studienfächer einen Numerus Clausus aufweisen, ist es auch nicht egal, ob sie irgendwie durchs Abi kommen oder nicht. Wenn sie später die Wahl haben sollen, welches Fach sie studieren werden, brauchen sie möglichst gute Noten. Und wer will schon seinem Kind die Möglichkeiten vorenthalten, seine Lebensträume zu verwirklichen? Ähnliches gilt auch für die Realschüler, denn es gibt nun mal bestimmte Berufe, die man nur mit dem Realschulabschluss mit einem bestimmten Notendurchschnitt ergreifen kann.

Weiterhin gibt es aber auch keine Garantie, dass die Zeiten immer so rosig für den Arbeitnehmer bleiben oder nicht. Auch hierzulande kann es jederzeit vorbei sein mit dem Wachstum. Fachleute haben sogar kürzlich festgestellt, dass die jetzige junge Generation die erste sein wird, die den Lebensstandard ihrer Eltern nicht wird erreichen können. Was natürlich nicht für alle gilt, und auch hier wird wohl die Qualität der Ausbildung über die Ausnahme entscheiden.

Ich möchte in diesem Zusammenhang an Spanien erinnern: Vor der großen Krise, während eines beispiellosen Baubooms, entschieden sich viele junge männliche Spanier gegen eine mühsame und lange Schulausbildung und für das schnelle Geld beim Bau.

Die Folgen sind hinreichend bekannt. Wenngleich das hier gezeichnete Bild bei weitem nicht für die all die vielen arbeitslosen jungen Spanier zutrifft, erwischte es gerade diese Gruppe besonders hart. Und in Anbetracht einer oftmals abgebrochenen Schulausbildung war es ihnen dann unmöglich, sich weiterzubilden. Eine solche unfreiwillige Spezialisierung bzw. Festlegung auf einen Beruf kann böse ausgehen, und ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

Ich möchte den Eltern gefährdeter Schüler daher raten: Machen Sie es wie viele große Firmen und nutzen Sie die Krise auf dem Lehrlingsmarkt antizyklisch als Gelegenheit, gerade jetzt möglichst viel Geld, Aufwand und Energie in die Schulausbildung Ihrer Kinder zu investieren. Dann können Sie den Unwägbarkeiten der globalisierten Wirtschaft ein Stück weit gelassener entgegensehen.

 

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