Türkisch als Unterrichtsfach

 

Fremdsprachen sind unabdinglicher Teil der deutschen Schulbildung. Das auch zurecht, ist es in der heutigen Welt doch von großer Wichtigkeit, mit Menschen aus anderen Ländern kommunizieren zu können, gerade im Hinblick auf die immer weiter fortschreitende Globalisierung. Unter einem etwas anderen Gesichtspunkt haben aber auch die Sprachen der Kinder mit Migrationshintergrund Potential zum Ausbau. In Hessen wurde nun die Forderung von Rot-Grün laut, Türkisch als Unterrichtsfach zu etablieren.

 

Auf nicht wenigen Schulhöfen deutscher Schulen fühlt man sich wie in einer multikulturellen Umgebung. Ob nun Russisch oder eben Türkisch, hier und da hört man andere Sprachen als das Deutsche. Oftmals ist es dann auch so, dass genau diese SchülerInnen des Deutschen nicht hinreichend mächtig sind, was sich auch in den Leistungen bemerkbar macht. Es steht außer Frage, dass diese unsere Muttersprache fließend beherrschen müssen, um bessere Integration zu gewährleisten. Doch würde man den Kindern nicht entgegenkommen, gäbe man ihnen die Chance, das Wissen über ihre zweite Muttersprache auch in der Schule zu vermitteln? Der hessische CDU-Politiker Jürgen Banzer kommt zu eben diesem Schluss, indem er sagt, er halte es für richtig, wenn man mit einer Eins in Türkisch eine schlechte Note in einem anderen Fach ausgleichen könne. Tatsächlich liegt er damit nicht ganz falsch. Allerdings betont er, dass Priorität das Beherrschen der deutschen Sprache habe.

 

Wie würde dies also praktisch aussehen? Selbstredend könnte ’Türkisch’ lediglich der Status Zweit- oder Drittfach zugesprochen werden, da Englischkenntnisse einfach unabdingbar (geworden) sind. Somit hätten SchülerInnen die Möglichkeit zu wählen, ob sie das überhaupt möchten.

Und hier gelangen wir an einen anderen Punkt, der gleichsam positiv zu bewerten ist. Denn wenn man einmal den Fokus auf die deutschen MitschülerInnen legt, so ist es sicherlich auch von Vorteil, wenn auch sie Türkischkenntnisse vermittelt bekommen. Einerseits natürlich sind es die Fähigkeit, unter Verwendung eines anderen Codes kommunizieren zu können (was nachweislich kognitive Fähigkeiten verbessert), zum anderen wird somit interkulturelle Neugierde geweckt. Das könnte die Lernenden enger zusammenführen und -sehr langfristig gedacht- zur Verbesserung der internationalen Verständigung beitragen. Ein theoretischer Ansatz interkultureller Erziehung geht davon aus, dass man die eigene Kultur erst dann kritisch hinterfragen kann, wenn man Kenntnis über eine andere hat. Schließlich ist es ja unser Ziel, Kinder zu mündige BürgerInnen zu erziehen.

 

Natürlich hat dieses Konzept auch nicht wenige Gegner. Genau aus diesem Grund ist ein ähnlicher Vorschlag bereits von der schwarz-gelben Koalition in Wiesbaden abgelehnt worden. Es kann nämlich genau das Gegenteil von dem Angesprochenen entstehen, nämlich dass sich Kinder mit Migrationshintergrund noch weiter abkapseln. Es ist bislang noch unklar, wie gut ein solches Konzept bei deutschen SchülerInnen ankäme und inwieweit es auch ihrerseits gefragt wäre. Ebenso schwierig ist die Realisierung, da ja für Muttersprachler und die, die es nicht sind unterschiedliche Kurse angeboten werden müssten (andererseits nehmen auch türkische SchülerInnen am Deutschunterricht teil und sind so ja eigentlich im Nachteil). Ein viertes Argument, das gegen das Vorhaben spricht, ist das Fehlen entsprechender Pädagogen. Es müssten gezielt Lehrer dazu ausgebildet werden und auch das Fach an sich müsste erst einmal in den Lehrplan integrierbar sein. Das ist natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden, die aufgrund der Unklarheiten wohl noch nicht bereitwillig getragen werden.

 

Ein durchaus interessantes Thema, das auch nicht so schnell ad acta gelegt werden sollte. Die vielen positiven Ansätze sind nicht unerheblich, allerdings sind es auch die Dinge nicht, die dagegen sprechen. Warten wir einfach ab, was sich diesbezüglich in den nächsten Jahren noch tut.

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http://www.fr-online.de/rhein-main/fremdsprache-schulen-rot-gruen-will-fach-tuerkisch,1472796,16386564.html

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