Missverständnis ums Camerloher Gymnasium…

Freising

Zu den traurigen Missverständnissen bei der Schulwahl hier in Freising gehört, dass mit schöner Regelmäßigkeit das Camerloher-Gymnasium unterschätzt wird. Immer wieder berichten mir Eltern, dass sie ihren Nachwuchs dort anmelden, da diese Schule ja „einfacher“ sei.

Einfacher? Wie kommen sie zu dieser Auffassung?

Wenn in der vierten Klasse der Notendurchschnitt stimmt und die Frage eines Übertritts aufs Gymnasium im Raum steht, hat der Freisinger bekanntlich im Prinzip drei Auswahlmöglichkeiten: das naturwissenschaftlich orientierte Hofmiller-Gymnasium, das humanistisch und neusprachlich ausgerichtete Dom-Gymnasium und das musische Camerloher-Gymnasium.

Und da denken viele Eltern: „Naturwissenschaftlich-mathematisch oder sprachlich, das hört sich beides doch so schwer an – da nehmen wir eben das Camerloher, das ist einfacher!“.

Ohne Witz – das habe ich im O-Ton so schon mehrmals gehört.

Zeit, ein Missverständnis aus der Welt zu räumen: Das Camerloher ist ein Elite-Gymnasium für musisch besonders begabte Schüler. Mitnichten ist es so, dass dort auf Sprachen oder Naturwissenschaften weniger Wert gelegt wird oder etwa gar nur ein „abgespeckter“ Unterricht in diesen Pflichtfächern stattfindet! Auch an dieser Schule gibt man sich nicht mit einer halben Sprache zufrieden oder muss dort nicht mathematische Formeln büffeln – es kommt einfach nur ein zusätzliches Hauptfach dazu! Also: Wenn Ihr Kind besondere musikalische Talente erkennen lässt und auch bereit ist, für den vertieften Unterricht nicht nur im Instrumentenspiel, sondern auch in Theorie und Geschichte der Musik auf andere Hobbies zu verzichten, DANN sollten Sie es am Camerloher einschreiben.

Sind Sie als Elternteil aber lediglich der abwegigen Meinung, dass das bisschen Geklimpere/Gegeige/Was-auch-immer schließlich nicht so wichtig sei, dann passen Sie höchstwahrscheinlich NICHT an eine solche Schule!

Leider wird der Wert von Kultur – und dazu gehört die Musik nun mal – hierzulande gerne unterschätzt. Sie wird belächelt als „ganz nett“ – aber im Endeffekt „bringt sie ja nichts“ und sei somit „brotlose Kunst“ oder gar überflüssig. Weil man ihren Wert nicht in harten Euros bemessen kann. So ein bisschen merkt man es, wenn ein junger Mensch seinen Eltern eröffnet, er wolle nach seinem Abitur Kunst studieren oder es am Theater versuchen. Die meisten Eltern verfallen entweder gleich in Schnappatmung oder vertrösten sie/ihn mit mitleidiger Stimme: „Darüber reden wir dann mal später!“. Natürlich wollen Eltern für ihre Kinder das Beste – aber ist das Beste immer nur in monetären Einheiten messbar oder spielen nicht auch emotionale Imponderabilien wie Zufriedenheit, Erfüllung oder Hingabe eine Rolle?

Wenn Sie ihr Kind aufs Camerloher schicken, sollten Sie wissen, dass Sie es einer Schule anvertrauen, die die Liebe zur Kunst als selbstverständlich voraussetzt.

Leider meinen manche Eltern, diese künstlerische Ausrichtung sei ein bequemer Weg, um möglichst wenig Zeit in die schulische Vorbereitung zu investieren. Bei Sprachen oder Mathe „muss man ja so viel mit ihnen üben“, also selbst Zeit aufwenden. Dagegen könnten sie das Musizieren ja wohl gefälligst selbst lernen. Nur – da werden Sie als Eltern genauso gefordert werden, zusätzlich zum regulären Stress am Gymnasium mit Mathe, Physik und Fremdsprachen. Und täglich das Lernpensum kontrollieren müssen Sie eben auch, denn kein Kind übt regelmäßig ohne elterlichen Druck. Da aber noch kein Meister so einfach vom Himmel gefallen ist… Sie sehen, worauf ich hinaus will? Und obendrein sollten Sie genau überlegen, ob Ihnen das tägliche Üben mit der Zeit nicht unmäßig auf die Nerven geht. Denn bei Geige z.B. dauert´s lange, ehe vorzeigbare Resultate herauskommen.

Also: Tun Sie sich und Ihrem Sprössling einen Gefallen – und unterschätzen Sie das Camerloher nicht, wenn Sie sich für die richtige Schule entscheiden!

Hören Sie hier das Wehnachtskonzert 2010/Camerloher-Chor:


Herzlichst, Ihr Abacus-Team/Dr. Fritz!

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